Aktien Europa: Kurse finden nach Talfahrt wieder den Weg nach oben

PARIS/LONDON (awp international) - Europas Börsen haben nach ihrer jüngsten Talfahrt am Donnerstag wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Als Kurstreiber machte Analyst Michael Hewson von CMC Markets UK die Erholung der Ölpreise und das Protokoll vom letzten Treffen der US-Notenbank Fed aus, bei dem die Währungshüter auf eine Zinserhöhung zunächst verzichtet hatten. Die Folgen des britischen Votums für einen EU-Ausstieg gerieten erst einmal in den Hintergrund.
07.07.2016 11:18

Am späten Vormittag stand der EuroStoxx 50 1,34 Prozent höher bei 2798,24 Punkten. Damit beendete der Leitindex der Eurozone erst einmal seine dreitägige Verlustserie. Der Pariser CAC-40-Index rückte um 1,72 Prozent auf 4155,50 Punkte vor und der Londoner FTSE-100-Index gewann 1,70 Prozent auf 6573,17 Punkte.

Das am Mittwochabend veröffentlichte Fed-Protokoll zeigte, dass sich die US-Währungshüter im Juni wegen der Unsicherheit über die Entwicklung am amerikanischen Arbeitsmarkt und den möglichen Folgen eines Brexit-Votums gegen eine Zinserhöhung im Juni entschieden hatten. Die Sitzung hatte wenige Tage vor dem Referendum stattgefunden. Vom monatlichen US-Arbeitsmarktbericht am morgigen Freitag erhoffen sich die Investoren Hinweise für die weitere Haltung der Notenbank.

Aus Branchensicht gab es am Donnerstag keine Verlierer am europäischen Aktienmarkt. Die Favoriten der Anleger im marktbreiten Index Stoxx Europe 600 waren die zuletzt gebeutelten Rohstoff- und Reisekonzerne, deren Subindizes um 2,88 beziehungsweise 2,53 Prozent zulegten. Sie trotzten damit sowohl den schwachen Metall- als auch den wieder steigenden Ölpreisen.

Am Ende des Branchentableaus schaffte der Chemiewerte-Index nur ein Plus von 0,36 Prozent. Ihn belastete der gut dreiprozentige Kursrutsch bei Linde . Der Gaskonzern muss sich mit Betrugsvorwürfen gegen seine US-Tochter Lincare befassen.

Kursbewegende Unternehmensnachrichten waren ansonsten dünn gesät. EuroStoxx-Spitzenreiter waren mit plus 5,51 Prozent die Aktien von Danone . Der Nahrungsmittelkonzern will den US-Konzern WhiteWave Foods übernehmen und so sein Geschäft mit gesunden Lebensmitteln ausbauen. Aus den gebotenen 56,25 US-Dollar je Aktie ergibt sich ein Transaktionsvolumen von rund 12,5 Milliarden Dollar. Laut Danone unterstützt das Management den Deal.

Die Anteilsscheine der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) gaben indes gegen den Branchentrend um knapp 2 Prozent nach. Damit zollten sie der zwischenzeitlichen gestrigen Erholung um 10 Prozent Tribut - auf Jahressicht haben sie bereits über drei Viertel ihres Werts eingebüsst. Auch dass die italienische Regierung nach Informationen aus Kreisen bei einer neuerlichen Rettungsaktion an eine Finanzspritze von 5 Milliarden Euro denkt, half dem Aktienkurs nicht.

Beim britischen Einzelhandelskonzern Marks & Spencer sorgte ein Zwischenbericht zur Umsatzentwicklung für wenig Freude: Die Aktien verloren fast 2 Prozent./gl/fbr

(AWP)