Aktien Europa: Leichte Enttäuschung nach Fed-Sitzungsprotokoll

Mit moderaten Einbussen haben sich Europas wichtigste Aktienmärkte am Donnerstag im Handelsverlauf präsentiert. Leicht enttäuscht hätten die Anleger auf das am Vorabend veröffentlichte Protokoll der US-Notenbanksitzung zum jüngsten Leitzinsentscheid reagiert, hiess es am Markt. Unterstützung kam zwischendurch von positiven Konjunkturdaten aus Frankreich und Deutschland.
22.08.2019 11:51

Der EuroStoxx 50 notierte am späten Vormittag 0,31 Prozent tiefer bei 3384,39 Punkten, nachdem er zur Wochenmitte um rund 1,3 Prozent gestiegen war. Der Cac-40-Index in Paris sank am Donnerstag um 0,51 Prozent auf 5407,53 Punkte. Der Londoner FTSE 100 büsste 0,67 Prozent auf 7155,50 Punkte ein.

Nach Einschätzung von Analyst Milan Cutkovic von Axitrader nahmen die Mitglieder der US-Notenbank Fed die Zinssenkung im Juli lediglich als Absicherung gegen den Handelsstreit vor. Sie sahen darin aber nicht den Auftakt einer ganzen Reihe an Zinssenkungen. Finanzmarktstratege Thomas Meissner von der LBBW las aus dem Protokoll heraus, wie unsicher die Fed-Akteure in der gegenwärtigen gesamtwirtschaftlichen Lage über die weitere Verfahrensweise sind. "Dabei könnte sich eine derartige Unsicherheit auch in grossen Leitzinsschritten von 50 Basispunkten und mehr Bahn brechen, und dies gegebenenfalls in schneller Folge", so Meissner.

Frische Signale über die weitere geldpolitische Richtung könnte am Freitag die Rede von US-Notenbankpräsident Jerome Powell auf dem Notenbank-Treffen in Jackson Hole geben. Da die Meinungen innerhalb der Fed sehr konträr seien, könne der Fed-Chef für die kommende Sitzung keine definitive Zinssenkung in Aussicht stellen, glaubt Analyst Thomas Altmann von QC Partners. Eine zu abwartende Haltung würde aber die Anleger enttäuschen. "Von daher wird Powell einmal mehr auf die Flexibilität der Fed abstellen und den Anlegern die Deutungshoheit über das Wort Flexibilität überlassen", so Altmann.

Die Unternehmensstimmung in der Eurozone hat sich im August überraschend etwas gebessert. Sowohl in der stark angeschlagenen Industrie als auch im stabileren Dienstleistungssektor stiegen die Indikatoren an. Besonders positiv überraschten die Ergebnisse aus Frankreich. In Deutschland verbesserte sich der Industrieindikator ebenfalls. Er zeigt aber weiter ein Schrumpfen der Aktivität an.

Der Lichttechnikanbieter Osram macht den Weg frei für ein Übernahmeangebot des österreichischen Halbleiterunternehmens AMS . Vorstand und Aufsichtsrat von Osram hoben das bestehende Stillhalteabkommen mit AMS auf und unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung. Damit haben die Osram-Aktionäre nun die Wahl zwischen zwei Angeboten: 38,50 Euro je Aktie von AMS und 35 Euro von den Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle. AMS-Aktien fielen an der Börse in Zürich zuletzt um 2,4 Prozent.

Das Schweizer Telekomunternehmen Sunrise Communications will die Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC Schweiz durchziehen und stellt sich dabei gegen seinen Grossaktionär Freenet . Freenet lehnt die bisherigen Bedingungen der Transaktion ab, etwa die geplante milliardenschwere Kapitalerhöhung durch Sunrise. Der Sunrise-Verwaltungsrat schloss deshalb die Freenet-Vertreter in dem Gremium von den Beratungen im Zusammenhang mit der Transaktion vorerst aus. Sunrise-Papiere verloren zuletzt mehr als 4 Prozent.

Die Aktien von Premier Oil legten hingegen um über 4 Prozent zu. Der britische Ölproduzent hat seinen Nettogewinn im ersten Halbjahr um mehr als 20 Prozent gesteigert. Auch das operative Ergebnis und der Umsatz fielen deutlich höher aus./edh/jha/

(AWP)

 
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