Aktien Europa Schluss: Anleger stecken EZB-Enttäuschung recht gut weg

PARIS/LONDON (awp international) - An Europas Börsen hat sich die Enttäuschung über ausgebliebene Stimulierungsmassnahmen letztlich in engen Grenzen gehalten. Es gebe derzeit keinen Bedarf für eine zusätzliche Stützung der Wirtschaft, hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, nach der Zinssitzung der Notenbank in Frankfurt am Donnerstag gesagt. Die Anleger hatten darauf zunächst geschockt reagiert, da einige Beobachter mit einer Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den März 2017 hinaus gerechnet hatten. Dann jedoch beruhigten sich die Gemüter wieder, zumal die Verlängerung des Programms vielleicht nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist.
08.09.2016 18:49

Der EuroStoxx 50 war in einer ersten Reaktion auf die Aussagen Draghis noch um mehr als anderthalb Prozent abgesackt, bevor er sich im weiteren Handelsverlauf schrittweise erholte. Am Ende blieb noch ein Minus von 0,26 Prozent auf 3'083,54 Punkte.

In Paris fiel der CAC-40-Index um 0,34 Prozent auf 4'542,20 Punkte. Ausserhalb des Euroraums rückte der Londoner FTSE-100-Index hingegen um 0,18 Prozent auf 6'858,70 Zähler vor.

Experten des US-Finanzdienstleisters State Street sehen derweil gute Gründe für die abwartende Haltung der Europäischen Zentralbank. "Auch wenn einige Beobachter die EZB für das Ausbleiben einer geldpolitischen Lockerung kritisieren werden, hatte sie unseres Erachtens hierfür gewichtige Argumente", kommentiert Analyst Stephen Yeats. Der Euroraum habe den Brexit-Schock bislang anscheinend gut verkraftet.

Zudem beauftragte die EZB ein Gremien damit, Massnahmen zu bewerten, um das Wertpapierkaufprogramm neu zu gestalten. Dabei sollen Optionen für die problemlose Umsetzung des bestehenden Programms geprüft werden. Dies deutet laut Analyst Johannes Mayr von der Landesbank BayernLB stark auf eine Verlängerung der Laufzeit des Programms im Oktober oder im Dezember hin.

Aus Branchensicht hatten die zuletzt etwas schwächelnden Bankaktien die Nase vorn: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann 1,16 Prozent. Dagegen verlor der Index der Getränke- und Nahrungsmittelhersteller als Schlusslicht 1,10 Prozent.

Kursbewegende Unternehmensnachrichten waren derweil dünn gesät. Bei ASML sorgte die Nachricht, dass der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung rund die Hälfte seiner Beteiligung am niederländischen Chipindustrie-Ausrüster verkauft, für Kursverluste von 3,71 Prozent - das bedeutete den letzten Platz im EuroStoxx.

Demgegenüber stiegen die Papiere des französischen Pharmakonzerns Sanofi dank einer neuen Kaufempfehlung der Privatbank Berenberg um rund ein Prozent. Noch 2016 und dann auch 2017 sei mit einigen Nachrichten zu rechnen, die das Augenmerk weg vom Diabetes-Bereich schieben und eine Neubewertung der Aktien auslösen dürften, schrieb Analystin Louise Pearson.

Schlusslicht im FTSE 100 waren die Anteilsscheine von Pearson mit einem Minus von 7,70 Prozent. Der britische Bildungsverlag litt unter enttäuschenden Quartalszahlen des US-Wettbewerbers John Wiley & Sons . Das Zahlenwerk habe branchenspezifische Probleme auf dem US-Bildungsmarkt aufgezeigt, hiess es vom Analysehaus Liberum./la/stk

(AWP)