Aktien Europa Schluss: Antiglobalisierungstendenz in den USA verstimmt

Sorgen vor einer protektionistischen Handelspolitik der USA haben den wichtigsten europäischen Aktienmärkten am Montag zugesetzt. Die Aussagen des neuen US-Präsidenten Donald Trump zu seinen Deregulierungsplänen und Steuersenkungsvorhaben verunsicherten. Zudem hatte sich das Verbrauchervertrauen in der Eurozone im Januar geringer als erwartet aufgehellt, auch wenn mit minus 4,9 Punkten der beste Wert seit April 2015 erreicht worden war.
23.01.2017 18:43

Der EuroStoxx 50 büsste zum Wochenstart 0,80 Prozent auf 3273,04 Punkte ein. In Paris sank der CAC-40 um 0,60 Prozent auf 4821,41 Punkte. Am Londoner Börsenplatz ging es für den FTSE 100 um 0,66 Prozent auf 7151,18 Zähler abwärts.

Die Dollar-Schwäche und im Gegenzug die Stärke des Euro und des Britischen Pfunds drückten in Europa ebenfalls auf die Kurse. Eine steigende heimische Währung kann stark vom Export abhängige Konzerne belasten.

Die USA habe zwar schon immer eine offensive Industriepolitik betrieben, doch diese Zuspitzung in Richtung Abschottung sei neu, kommentierte LBBW-Analyst Clemens Bundschuh. Die Europäer hätten jedoch grundsätzlich keine schlechte Verhandlungsposition, wenn man bedenke, wie wichtig der europäische Absatzmarkt beispielsweise für amerikanische Technologiefirmen sei.

Bei Öl und Gaswerten sorgte der schwache Ölpreis für Verluste. Der entsprechende Branchenindex gab um 1,35 Prozent nach und stellte damit den schwächsten Sektor im Stoxx Europe 600.

Bankwerte folgten mit minus 1,21 Prozent. Nach dem Wahlsieg von Donald Trump als US-Präsident hatten sie besonders kräftige Kursgewinne verbucht, weil dieser die Hoffnung auf Steuersenkungen und Deregulierungen genährt hatte und damit die Aussicht auf steigende Zinsen. Diese politische Ausrichtung hatte er an diesem Montag nun nochmals betont. Doch nun waren offensichtlich Gewinnmitnahmen angesagt. So zählten im Eurostoxx die Anteile von Intesa Sanpaolo mit minus 2,91 Prozent zu den schwächsten Werten.

Nokia büssten 3,28 Prozent ein. Die Analysten der schwedischen Bank SEB hatten ihre Kaufempfehlung gestrichen und sehen harte Zeiten auf den Netzwerkausrüster zukommen. Zudem dürfte es wegen des Patentstreits mit Apple zu Verzögerungen bei den Lizenzeinnahmen kommen, hiess es.

Die Papiere von Philips Lighting legten nach Geschäftszahlen im frühen Handel zunächst deutlich zu, gingen letztlich aber mit minus 2,72 Prozent aus dem Tag. Im abgelaufenen Jahr war der Umsatz des niederländischen Leuchtmittelherstellers vor allem wegen einer geringeren Nutzung traditioneller Leuchtmittel wie Glühbirnen, Halogen- und Energiesparlampen zurückgegangen. Unter dem Strich war auch der Gewinn gesunken - vor allem wegen Sondereffekten./ck/he

(AWP)