Aktien Europa Schluss: Bankbranche verhilft EuroStoxx zu kleinem Plus

PARIS/LONDON (awp international) - Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi haben am Donnerstag für einen versöhnlichen Handelsschluss in der Eurozone gesorgt. Der EuroStoxx 50 , der sich im Handelsverlauf überwiegend etwas schwächer präsentiert hatte, beendete den Tag mit 0,05 Prozent leicht im Plus bei 2'968,49 Punkten. Unterstützung kam vor allem von Kursgewinnen der Bankbranche.
21.07.2016 19:08

Der CAC-40-Index sank in Paris um minimale 0,08 Prozent auf 4'376,25 Punkte, erholte sich damit aber ebenfalls von seinen moderaten Tagesverlusten. In Mailand legte der FTSE MIB um 0,25 Prozent zu, während in London der FTSE-100-Index mit minus 0,43 Prozent auf 6'699,89 Punkte schloss.

Am Morgen hatten zunächst Aussagen des japanischen Notenbankpräsidenten die Stimmung an Europas Börsen getrübt. Haruhiko Kuroda hatte den Hoffnungen auf weitere Liquiditätsspritzen vorerst eine Absage erteilt und damit das Tor für neuerliche Gewinnmitnahmen geöffnet. Am Nachmittag kamen moderate Impulse durch die Europäische Zentralbank (EZB) in die Märkte.

Trotz wachsender Konjunktursorgen hält die EZB nach dem Brexit-Votum ihr Pulver vorerst trocken und kündigte keine weiteren geldpolitischen Massnahmen an. Der Leitzins im Euroraum blieb auf rekordniedrigen null Prozent. Allerdings äusserte sich Präsident Mario Draghi zum Bankensektor. So nannte er das hohe Ausmass fauler Kredite, unter denen vor allem italienische Banken leiden, "ein grosses Problem" und sprach sich für ein gewisses Mass an staatlicher Unterstützung aus.

Das ist ganz im Sinn Italiens, denn der Staat will die angeschlagenen heimischen Finanzinstitute mit Staatsgeld unterstützen, während die EU-Kommission auf die Anwendung neuer EU-Regeln drängt, wonach nicht der Steuerzahler (Bail-out), sondern die Eigentümer und Gläubiger zur Kasse gebeten werden (Bail-In) sollen. Die LBBW beurteilte nun die Aussagen Draghis als Hinweis, dass die EZB eine Lösung unter Umgehung eines Bail-Ins nicht kategorisch ablehne.

Das gab dem gesamten Banksektor Auftrieb und insbesondere italienischen Banken. Im EuroStoxx waren die Aktien der Unicredit mit plus 2,13 Prozent Spitzenwert. In Mailand legten die Aktien des Finanzinstituts Banco Popolare sogar um knapp 4 Prozent zu, die der BPER gewannen 3,2 Prozent und der Banca Monte dei Paschi stiegen um 1,8 Prozent.

Die Tourismus- und Freizeitbranche dagegen schwächelte. Vor allem die Papiere von Fluggesellschaften standen nach Gewinnwarnungen der Lufthansa und von Easyjet unter Verkaufsdruck. Der Brexit, Fluglotsenstreiks und die Terroranschläge in Europa halten die Branche in Atem. Die Papiere von Easyjet rutschten um 5,32 Prozent ab und die der Lufthansa um knapp 6 Prozent. Für die Aktien der IAG ging es um 3,59 Prozent abwärts.

Die Kursreaktion auf die Halbjahresbilanzen von Unilever oder Unibail-Rodamco fielen dagegen mit minus 0,27 Prozent und plus 0,40 Prozent im EuroStoxx moderat aus. Der niederländisch-britische Konsumgüterhersteller konnte die schwächelnde Nachfrage in Europa im ersten Halbjahr durch Zuwächse in den Schwellenländern wettmachen. Der auf Einkaufszentren spezialisierte französische Immobilienkonzern hingegen blickt nach einem starken ersten Halbjahr etwas optimistischer in die Zukunft.

Die Roche-Aktien gingen nach von Analysten als solide bezeichneten Halbjahreszahlen mit minus 1,19 Prozent aus dem Tag.

ck/jha/

(AWP)