Aktien Europa Schluss: Bescheidene Gewinne nach US-Arbeitsmarktbericht

Europas Börsen haben sich am Freitag mit moderaten Gewinnen aus dem Handel verabschiedet. Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht sorgte auf dem alten Kontinent ebenso wenig für Euphorie wie an den US-Börsen.
10.03.2017 18:13

Der EuroStoxx 50 schloss 0,19 Prozent höher bei 3416,27 Punkten - vor den Daten aus den USA hatte er allerdings noch deutlicher zugelegt. Dank der jüngst schon freundlichen Entwicklung schaffte der Eurozonen-Leitindex ein Wochenplus von 0,38 Prozent. Der französische CAC 40 stieg am Freitag um 0,24 Prozent auf 4993,32 Zähler, und der Londoner FTSE 100 gewann 0,38 Prozent auf 7343,08 Punkte.

"Offenbar ist die Euphorie an der Wall Street so hoch, dass selbst eigentlich starke US-Arbeitsmarktdaten als enttäuschend empfunden werden", schrieb Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Ein Händler verwies zudem auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach im geldpolitischen Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über eine mögliche Zinserhöhung vor dem Auslaufen des Anleihe-Kaufprogramms diskutiert worden ist.

Die US-Wirtschaft hat im Februar überraschend viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Angesichts der weiter soliden Beschäftigungsentwicklung stehe der erwarteten Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed in der kommenden Woche nichts entgegen, kommentierte Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Am Markt gilt eine Straffung der amerikanischen Geldpolitik als sicher, wobei allgemein von einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf dann 1,00 Prozent ausgegangen wird. Inzwischen gilt aber auch eine aggressivere Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte nicht mehr als ausgeschlossen. Steigende Zinsen würden zwar den Konjunkturoptimismus der Fed belegen, könnten aber die Attraktivität von Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren tendenziell schmälern. Dies gälte natürlich auch für entsprechende Schritte der EZB.

Im europäischen Branchentableau hatten die Aktien von Öl- und Gasunternehmen die Nase vorn: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann 1,10 Prozent. Zuletzt hatten die Branchentitel deutlich unter einem Verfall der Ölpreise gelitten.

Dahinter legte der Index der Banken um 0,77 Prozent zu. Die Branche gilt als Profiteur steigender Zinsen. Zu den Favoriten der Anleger gehörten auch Telekommunikationsaktien, deren Index um 0,66 Prozent vorrückte. Die Papiere der britischen BT Group gewannen als Spitzenreiter im britischen Leitindex 3,71 Prozent an Wert. Das Unternehmen spaltet seine Netzzugangssparte ab, wie von der zuständigen Regulierungsbehörde im vergangenen Juli gefordert.

Dagegen war der Index der Immobilienunternehmen mit minus 1,58 Prozent Schlusslicht in Europas Branchenübersicht. Neben der Aussicht auf steigende US-Zinsen belastete der Bericht über eine mögliche Zinsanhebung durch die EZB die Kursentwicklung. Immobilienkonzerne zählen zu den grossen Gewinnern der Billiggeldschwemme der vergangenen Jahre.

Die Aktien des niederländischen Farben- und Chemikalienkonzerns Akzo Nobel legten nach dem Kurssprung vom Vortag weiter zu: Nach einem Rekordhoch bei 76,91 Euro behaupteten sie zum Schluss ein Plus von 4,68 Prozent auf 76,20 Euro. Das Unternehmen hatte am Donnerstag eine Übernahmeofferte des US-Konkurrenten PPG Industries in Höhe von rund 83 Euro je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen. Statt eines Komplettverkaufs steht wohl aber das Spezialchemiegeschäft auf dem Prüfstand. Analysten äusserten sich hierzu positiv.

Der Chipindustrieausrüster ASML profitierte mit plus 1,57 Prozent von einer Kaufempfehlung der schweizerischen Grossbank UBS ./gl/stw

(AWP)