Aktien Europa Schluss: Katalonien-Krise und schwache Zahlen belasten

Der jüngste Ausbruchsversuch an Europas Börsen ist am Donnerstag erst einmal gescheitert. Analyst Michael Hewson von CMC Markets UK machte nicht einen einzelnen Grund, sondern eher eine Kombination verschiedener Belastungsfaktoren für die Verluste verantwortlich. Einer davon sei die sich verschärfende Verfassungskrise in Spanien wegen der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen, die vor allem den spanischen Markt belastet habe. Zudem hätten enttäuschende Unternehmenszahlen Gewinnmitnahmen ausgelöst.
19.10.2017 18:40

Der EuroStoxx 50 schloss 0,49 Prozent tiefer bei 3602,08 Punkten. Zur Wochenmitte hatte sich der Eurozonen-Leitindex aus der engen Handelsspanne der vergangenen Tage befreit und zeitweise den höchsten Stand seit Mitte Mai erreicht. Gleiches hatte für den französischen CAC 40 gegolten, der nun ebenfalls zurückfiel und sich mit einem Minus von 0,29 Prozent bei 5368,29 Punkten verabschiedete. Der britische FTSE 100 verlor 0,26 Prozent auf 7523,04 Zähler.

Für den Madrider Ibex 35 ging es um 0,74 Prozent auf 10 197,50 Punkte bergab, nachdem er am Mittwoch dank positiver Unternehmensnachrichten der politischen Krise noch getrotzt hatte. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy droht nun mit Zwangsmassnahmen um die Pläne der Katalanen für einen eigenen Staat stoppen. Er reagierte damit auf die Weigerung der politischen Führung Kataloniens, sein am Vormittag abgelaufenes Ultimatum zu erfüllen und das Streben nach Unabhängigkeit zu beenden.

Im europäischen Branchenvergleich gehörten vor allem Konsumgüterhersteller, Autobauer und -zulieferer sowie Medienunternehmen zu den Verlierern: Deren Subindizes im marktbreiten Stoxx Europe 600 büssten zwischen 1,3 und 2 Prozent ein.

Mit einem Kursrutsch von 5,84 Prozent war der Konsumgüterhersteller Unilever Schlusslicht im EuroStoxx. Er hatte im dritten Quartal ein schwächeres Wachstum aus eigener Kraft erreicht als von Analysten erwartet. Die Aktien des Werbekonzerns Publicis litten mit minus 6,58 Prozent ebenfalls unter enttäuschten Umsatzerwartungen. Dass Nestle angesichts mauer Wachstumszahlen seinen Sparkurs verschärft, liess die Aktien des Nahrungsmittelherstellers um 1,00 Prozent sinken.

Auch die Geschäftszahlen von Roche und Philips Lighting stiessen bei den Anlegern nicht auf Wohlwollen. Papiere des Pharmakonzerns büssten in Zürich 2,33 Prozent ein, während jene des Leuchtmittelherstellers in Amsterdam sogar um 4,72 Prozent absackten. Dieser kämpft weiter mit dem schwachen Geschäft mit klassischen Lampen und dem starken Euro.

Mit dem Handelskonzern Carrefour und dem Spirituosenhersteller Pernod Ricard gab es nach Zahlen jedoch auch Grund zur Freude für die Anteilseigner: Die Aktien stiegen in Paris um 3,42 beziehungsweise 3,36 Prozent und waren so die beiden besten Werte im CAC 40./gl/he

(AWP)