Aktien Europa Schluss: Märkte unter Druck wegen anziehenden Währungen

Nach anfänglichen Gewinnen haben die europäischen Aktienmärkte am Mittwoch doch noch nachgegeben. Der EuroStoxx 50 kam am Nachmittag plötzlich mit dem anziehenden Euro unter Druck und büsste am Ende gut ein halbes Prozent auf 3591,46 Punkte ein. Belastend wirkte dabei, dass eine starke Gemeinschaftswährung die Exportaussichten der hiesigen Unternehmen grundsätzlich verschlechtert.
25.10.2017 18:45

Als Grund für die Eurostärke wurde die vage Spekulation auf eine mögliche Entspannung in der Katalonien-Krise angesehen, nachdem der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont eine geplante Erklärung zu den Unabhängigkeitsbestrebungen kurzfristig abgesagt hatte. Auch vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag hielten sich die Anleger lieber zurück.

Unter den grossen Länderindizes schlug sich der Pariser Leitindex Cac 40 mit minus 0,37 Prozent und 5374,89 Punkte noch am besten. Der FTSE 100 hingegen verlor in London etwa 1 Prozent auf 7447,21 Punkte. Hier wirkte sich nach starken Wirtschaftsdaten das ebenfalls erstarkte Pfund belastend aus. Der spanische Ibex 35 hingegen gab marktkonform um ein halbes Prozent nach.

Unter den Einzelwerten galt es eine Flut an Unternehmensberichten zu verdauen. Die Aktien des Luxusgüterherstellers Kering sprangen in Paris um 9 Prozent hoch und damit an die Spitze des Cac 40. Gut laufende Geschäfte mit den Luxusmarken Gucci und Yves Saint Laurent beflügelten hier im dritten Quartal das Wachstum. Zahlreiche Analysten quittierten dies umgehend mit Kurszielanhebungen.

Auch der Industriegase-Hersteller Air Liquide gab starke Umsatzzahlen bekannt, die das Papier mit 2,5 Prozent Plus an die EuroStoxx-Spitze hievten. Ausserdem überzeugte der französische Bau- und Dienstleistungskonzern Vinci mit seinen Resultaten. Die Aktien konnten davon jedoch nicht nachhaltig profitieren und schlossen kaum verändert.

Die Papiere von PSA hingegen gaben nach Umsatzzahlen um 1,55 Prozent nach. Der französische Autobauer hat im dritten Quartal dank der Übernahme von Opel zwar ein starkes Wachstum verbucht, rechnet deshalb aber auch mit deutlichen Belastungen im Gesamtjahr. Schlusslicht im Cac 40 waren Papiere des Autozulieferers Valeo , die um 4,6 Prozent abrutschten. Analysten werteten das Wachstum im dritten Quartal als enttäuschend.

Auch in London standen Zahlen im Mittelpunkt. Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline konnte zwar die Erwartungen erfüllen, die Aktie sackte aber dennoch am FTSE-Ende um 5,5 Prozent ab. Als Grund dafür wurden vor allem Dividendensorgen angesehen. Die Finanztitel von Lloyds rückten dagegen wegen operativer Fortschritte um 0,80 Prozent vor. Spitzenreiter in London waren Kingfisher-Aktien mit fast 3 Prozent Plus. Sie profitierten damit von wachsenden Problemen bei einem Baumarktkonkurrenten.

Aufmerksamkeit zogen auch die Papiere der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena auf sich, die nach zehnmonatiger Handelsaussetzung wieder an die Mailänder Börse zurückkehrten. Der erste Kurs der Papiere lag am Morgen bei 4,10 Euro, zum Schluss wurden sie dann zu 4,55 Euro gehandelt. Vor Weihnachten, als die schwer angeschlagene Bank den Staat um direkte Hilfe bitten musste, hatten sie noch über 15 Euro gelegen.

Ebenfalls im Fokus stand mit einem Emissionserlös von 1,9 Milliarden Euro der grösste Börsengang in der Geschichte des Wiener Aktienmarktes. Doch die Premiere der Bawag verlief enttäuschend. Die Papiere der Bank standen zeitweise unter 46 Euro und damit 2 Euro unter dem Ausgabepreis von 48 Euro. Zuletzt kosteten sie 46,50 Euro./tih/jha/

(AWP)