Aktien Europa Schluss: Nordkorea und starker Euro belasten Kurse schwer

Ein neuer Raketentest Nordkoreas und der sich fortsetzende Höhenflug des Euro haben am Dienstag die Kurse an den europäischen Aktienmärkten weiter purzeln lassen. Der EuroStoxx50 rutschte um 0,96 Prozent auf 3388,22 Punkte ab. Damit stand der Eurozonen-Leitindex so tief wie zuletzt Anfang März. Seit seinem Jahreshoch vom Mai bei 3666,80 hat der Index nun schon fast 8 Prozent eingebüsst.
29.08.2017 18:27

In Paris fiel der CAC-40 am Dienstag um 0,94 Prozent auf 5031,92 Punkte. In London ging es nach der feiertagsbedingten Pause am Vortag für den FTSE 100 um 0,87 Prozent auf 7337,43 Zähler abwärts.

Nordkorea hatte erneut eine ballistische Rakete abgefeuert, die dieses Mal laut Angaben der südkoreanischen Armee über Japan flog. "Das hat die ohnehin nervösen Investoren durchgerüttelt", schrieb Analyst David Madden vom Broker CMC Markets. Der zum US-Dollar und zum britischen Pfund weiter steigende Euro habe ein Übriges getan, um den Ausverkauf an den Börsen anzuheizen. Der Euro stieg bis auf 1,2070 Dollar. So viel hatte die Gemeinschaftswährung zuletzt Anfang 2015 gekostet.

Maddens Kollege Jochen Stanzl sagte, die Anleger flüchteten in den Euro, um dem geopolitischen Risiko und den anstehenden Verhandlungen in den USA um die Anhebung der Schuldengrenze auszuweichen. Der Dollar werde derzeit nicht als sicherer Hafen angesteuert. Ein starker Euro aber kann die Exportchancen von Unternehmen aus der Eurozone schmälern.

Schwächster Sektor in Europa waren die Medienwerte mit einem Abschlag von knapp zwei Prozent. Sie litten unter weiteren Signalen eines schwachen TV-Werbegeschäfts. Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hatte mitgeteilt, dass die Werbeeinnahmen im dritten Quartal sich unter den bisherigen Erwartungen entwickelten. Das Management begrub daraufhin für den deutschen TV-Werbemarkt die Hoffnung auf ein kleines Plus im laufenden Jahr.

Die ProSieben-Aktien brachen daraufhin um 14,5 Prozent ein und zogen auch andere Branchenwerte mit nach unten. So verloren Aktien des britischen TV-Senders ITV knapp 5 Prozent und waren damit das Schlusslicht im FTSE 100.

Sehr schwach war zudem der Versicherungssektor mit einem Minus von 1,6 Prozent. Hier belasteten weiter die Sorgen in puncto Auswirkungen des Wirbelsturms "Harvey" in den USA. Mit einem vergleichsweise geringen Minus von 0,15 Prozent schnitt indes der als defensiv geltende Lebensmittelsektor am besten ab.

In London legten die Kurse der Bergwerksgesellschaften zu. Sie profitierten von den gestiegenen Preisen für Edel- und Industriemetalle angesichts des schwachen Dollars. Papiere von Randgold legten um 4,6 Prozent zu, Fresnillo stiegen um 2,6 Prozent und Anglo American gewannen 1 Prozent. Damit waren sie die Favoriten im FTSE 100./bek/mis/he

(AWP)