Aktien Europa Schluss: Ölpreise und Vorsicht vor Donnerstag belasten

Deutlich abrutschende Ölpreise haben Europas Börsen am Mittwoch ihre zwischenzeitlichen Kursgewinne gekostet. Mit der am Donnerstag anstehenden Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), einer Anhörung des gefeuerten FBI-Chefs James Comey und den britischen Parlamentswahlen warfen zudem schon wichtige Ereignisse ihre Schatten voraus.
07.06.2017 18:39

Der EuroStoxx 50 schloss 0,15 Prozent tiefer bei 3548,84 Punkten. Damit knüpfte der Eurozonen-Leitindex an seine Vortagsverluste an. Für den französischen CAC 40 ging es um 0,07 Prozent auf 5265,53 Zähler nach unten. Härter traf es den noch am Freitag rekordhohen britischen FTSE 100 : Er büsste 0,62 Prozent auf 7478,62 Punkte ein.

Auslöser für den Ölpreisrutsch war am Nachmittag der wöchentliche Ölbericht des US-Energieministeriums. Diesem zufolge sind die Rohölbestände der Vereinigten Staaten deutlich gestiegen und nicht wie von Experten erwartet zurückgegangen. In den letzten Monaten hatte der Aktienmarkt oft negativ auf fallende Ölpreise reagiert, weil Anleger eine Abkühlung der Konjunktur befürchteten.

Am Donnerstag warten die Anleger vor allem gespannt auf den Wahlausgang in Grossbritannien. Schon vor dem jüngsten Terroranschlag in London war der Vorsprung der Konservativen von Regierungschefin Theresa May vor der Arbeiterpartei Labour in den Umfragen zusammengeschrumpft.

Zudem steht die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Fokus. Bankvolkswirte gehen davon aus, dass die Währungshüter der Eurozone allenfalls kleine Schritte in Richtung einer weniger lockeren Geldpolitik unternehmen. Präsident Mario Draghi dürfte allerdings versuchen, Erwartungen an eine baldige und rasche Straffung zu dämpfen.

Später sollte die teils öffentliche Anhörung von Comey und weiterer führender Geheimdienstler vor einem Ausschuss des US-Senats die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hierbei geht es darum, ob US-Präsident Donald Trump versucht hat, Comey bei den Ermittlungen über Verbindungen seines Wahlkampfteams zu Russland unter Druck zu setzen.

Im europäischen Branchenvergleich favorisierten die Anleger zur Wochenmitte Bankentitel: Deren Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann 0,72 Prozent. Dagegen sank der Index der Pharmaunternehmen am Ende der Übersicht um 0,74 Prozent. Für den Index der Öl- und Gaskonzerne ging es um 0,69 Prozent bergab.

Im Bankensektor herrschte Erleichterung, dass die spanische Grossbank Santander den in finanzielle Schieflage geratenen Konkurrenten Banco Popular Espanol für einen symbolischen Euro übernimmt. Allerdings erhöht sie ihr Kapital über die Ausgabe neuer Aktien um sieben Milliarden Euro, um damit die Kapitallücken der übernommenen Bank zu stopfen, welche die EZB zuvor als nicht überlebensfähig eingestuft hatte. Die Santander-Aktien verloren 0,88 Prozent.

In London sanken Astrazeneca -Titel um 0,99 Prozent. Der Pharmakonzern verkauft seine Rechte am Migränemedikament Zomig an das Pharmaunternehmen Grünenthal. Tate & Lyle verloren nach einer Abstufung durch das US-Analysehaus Jefferies 2,59 Prozent. Analyst Martin Deboo nahm sein Kaufurteil für die Aktie des Zuckerproduzenten zurück und senkte sein Kursziel. Die Aktie sei nach dem jüngsten Kursanstieg ausreichend bewertet und zudem dürfte das Preisklima 2018 rauer werden, schrieb er.

Beim schweizerischen Lebensmittelhersteller Nestle sorgten ebenfalls negative Analystenkommentare für Druck: Die Aktien büssten 0,72 Prozent ein. Sowohl die Privatbank Berenberg als auch die Investmentbank Bryan Garnier hatten ihre Kaufempfehlung gestrichen./gl/he

(AWP)