Aktien Europa Schluss: Schwache Bankaktien drücken auf EuroStoxx und Cac

Belastet von deutlichen Verlusten der europäischen Bankenbranche haben die wichtigste Börsen Europas am Dienstag nachgegeben. Der EuroStoxx 50 sank um 0,50 Prozent auf 3561,22 Punkte und auch der CAC-40 in Paris verlor genau ein halbes Prozent, womit er auf 5305,94 Punkte sank. Der Londoner FTSE 100 fiel nach einem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende um 0,28 Prozent auf 7526,51 Zähler.
30.05.2017 19:02

In Mailand rettete der Leitindex FTSE Mib ein kleines Plus von 0,15 Prozent in den Feierabend, nachdem er tags zuvor sehr schwach geschlossen hatte. Die Anleger hatten zum Wochenstart nervös auf Befürchtungen reagiert, wonach die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung im Fall vorgezogener Neuwahlen die Regierung in Italien übernehmen könnte.

Aktuelle Konjunkturdaten trugen ebenfalls nicht zur Aufhellung der Laune bei. Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum erhielt im Mai überraschend einen Dämpfer. Der Economic Sentiment Indicator (ESI), der die Stimmung in Unternehmen und privaten Haushalten misst, fiel, während Volkswirte einen Anstieg erwartet hatten. Allerdings hatte der Indikator im April noch den höchsten Wert seit August 2007 erreicht.

Aus Branchensicht standen Banken europaweit im Anlegerfokus. Der Sektorindex Stoxx Europe 600 Banks bildete mit minus 0,95 Prozent das Schlusslicht unter den 19 Subindizes des Stoxx Europe 600. Trotz regulatorischer Verschärfungen und erheblicher Anstrengungen der Banken um bessere Kapitalkennziffern seit der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt hätten die Anleger immer noch kein Vertrauen in Bankenpapiere, sagte ein Branchenkenner. In den niedrigen Marktbewertungen sei klar zu lesen, dass der Markt die Geldhäuser noch nicht als sonderlich gesund ansehe.

Unter den Einzelwerten waren die Titel der französischen Grossbank BNP Paribas mit einem Verlust von 4,14 Prozent zwar das Schlusslicht im EuroStoxx-50-Index. Da sie jedoch ex Dividende von 2,70 Euro gehandelt wurden, relativierte sich der Abschlag deutlich, so dass sie im Grund nur moderat nachgaben. Die Papiere der Bank Santander , der ING und der Societe Generale sowie von der BBVA und der Deutschen Bank sanken zwischen 1,07 und 1,80 Prozent.

Ansonsten zogen die Papiere von Ryanair Aufmerksamkeit auf sich: Brexit, Terrorangst und eine Preisschlacht unter den Airlines brachten Europas grössten Billigflieger nicht vom Wachstumskurs ab. Für die zwölf Monate bis Ende März stand bei Ryanair unter dem Strich ein Gewinn von gut 1,3 Milliarden Euro. Trotz widriger Umstände peilt Unternehmenschef Michael O'Leary für das Geschäftsjahr 2017/18 mehr Gewinn an. Den Anteilseignern will er über einen Aktienrückkauf 600 Millionen Euro zurückgeben. Die Ryanair-Aktie reagierte in London mit einem Kursplus von 2,39 Prozent auf die Nachrichten.

Die Aktien des niederländischen Farbenherstellers Akzo Nobel büssten 1,83 Prozent ein. Akzo hatte jüngst die dritte Übernahmeofferte durch US-Konkurrenten PPG Industries abgelehnt. Daraufhin war ein Rechtsstreit mit dem aktivistischen Grossaktionär, dem Hedgefonds Elliott, entbrannt, der nun in den Niederlanden gerichtlich zugunsten von Akzo entschieden wurde. Das Gericht lehnte einen Antrag des vom Milliardär Paul Singer kontrollierten Fonds ab, sofort Massnahmen gegen Akzo Nobel zu ergreifen. Elliott wollte mit rechtlicher Hilfe den widerborstigen Akzo-Verwaltungsratschef Antony Burgmans loswerden.

Vestas-Aktien verloren 1,75 Prozent auf 589,50 dänische Kronen und litten damit unter einer Abstufung durch die britische Investmentbank HSBC. Der Preisdruck in der Windenergiebranche dürfte sich 2017 und 2018 noch beschleunigen, schrieb Analyst Sean McLoughlin in einer Sektorstudie und senkte die Papiere des dänischen Windkraftanlagen-Herstellers von "Hold" auf "Reduce". Das Kursziel kappte er zugleich von 550 auf 530 Kronen./ck/jha/

(AWP)