Aktien Europa Schluss: Schwächer nach gutem Lauf und trüben Aussichten

PARIS/LONDON (awp international) - Die Kurskorrektur hat sich an den meisten der zuletzt gut gelaufenen europäischen Börsen fortgesetzt. Es herrsche nun etwas Vorsicht, hiess es am Dienstag unter Börsianern, zumal sowohl die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland als auch die Wachstumsprognosen des IWF für die Weltwirtschaft ein getrübtes Stimmungsbild zeichneten.
19.07.2016 19:01

"Der Fokus der Märkte hat sich verlagert, weg von Hoffnungen auf Unterstützung durch die Zentralbanken und hin zu Geschäftsberichten von Unternehmen und geopolitischen Themen", sagte Marktanalyst Jasper Lawler von CMC Markets. Der EuroStoxx 50 beendete den Tag mit minus 0,61 Prozent auf 2'931,10 Punkte, war allerdings seit seinem Zwischentief Anfang Juli in der Spitze auch um fast 9 Prozent hochgeklettert. Der CAC-40-Index in Paris sank um 0,63 Prozent auf 4'330,13 Punkte, während sich der Londoner FTSE-100-Index mit 0,03 Prozent auf 6'697,37 Punkte im Plus halten konnte.

Wegen des Brexit-Votums senkte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft für 2016 und 2017 leicht. In Deutschland führte die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, zu einer unerwartet deutlichen Eintrübung der Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten.

Beim Blick auf die Branchentafel fielen vor allem Rohstoffwerte mit deutlichen Abschlägen negativ auf. Der Branchenindex Stoxx 600 Basic Resources büsste 2,43 Prozent ein. Noch vor wenigen Tagen war er im Aufwind steigender Rohstoffpreise auf den höchsten Stand seit August des Vorjahres geklettert. Nun ging es für die Papiere von Bergbaukonzernen wie BHP Billiton, Anglo American, Antofagasta, Glencore oder Rio Tinto zwischen 2,2 und 3,5 Prozent abwärts. Rio Tinto enttäuschte die Anleger mit einem überraschend schwachen Anstieg der Eisenerzproduktion im zweiten Quartal.

Dagegen gewannen die Titel der Royal Mail nach wie erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen an der Londoner Börse 1,69 Prozent. Die Papiere des Postkonzerns seien in den wegen des Brexit-Votums unsicher gewordenen Zeiten in Grossbritannien eine Art sicherer Hafen, sagte ein Analyst.

In Schweden stiegen die B-Aktien von Volvo um 1,91 Prozent. Der Lastwagenbauer sieht sich trotz Auftragsflaute in der Spur. Sparmassnahmen machten sich im zweiten Quartal bezahlt. Die Ericsson-Papiere büssten dagegen 5,59 Prozent ein, nachdem Umsatz und Gewinn des Netzwerkausrüsters im abgelaufenen Quartal abgesackt waren. Nun sollen die Sparmassnahmen verschärft werden.

Um moderate 0,25 Prozent ging es für die Anteilsscheine von Novartis abwärts. Der Schweizer Pharmakonzern schliesst einen Gewinnrückgang im laufenden Jahr nicht mehr aus. Die Umsätze durch das Krebsmittel Gleevec sind rückläufig und die Ausgaben für das Herzmedikament Entresto gestiegen, was auf die Profitabilität drückt./ck/jha/

(AWP)