Aktien Europa Schluss: Weitere Erholung - Hoffnung auf 'weichen' Brexit

Europas Börsen haben am Freitag nach den britischen Parlamentswahlen an ihre Vortagserholung angeknüpft. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise konnte dem Verlust der konservativen Regierungsmehrheit von Premierministerin Theresa May Positives abgewinnen: Nun gebe es "kein Mandat für einen harten Brexit, der für die britische und die Wirtschaft der EU sehr nachteilig gewesen wäre".
09.06.2017 19:09

Der EuroStoxx 50 schloss nach einer Berg- und Talfahrt 0,62 Prozent höher bei 3586,07 Punkten. Auf Wochensicht trat der Leitindex der Eurozone damit aber auf der Stelle. Der französische CAC-40-Index verabschiedete sich am Freitag mit einem Plus von 0,67 Prozent auf 5299,71 Punkte aus dem Handel. Die am Sonntag anstehenden, französischen Parlamentswahlen machten den Anlegern offenbar keine Sorgen.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand am Freitag allerdings der Londoner FTSE 100 : Er gehörte mit einem Kursanstieg von 1,04 Prozent auf 7527,33 Zähler zu den besten europäischen Aktienindizes.

Mit der aktuellen Situation eines "Hung Parliament", eines Unterhauses ohne klare Mehrheit, habe die politische Unsicherheit im Vereinigten Königreich zwar spürbar zugenommen, schrieb Grossbritannien-Experte Sören Hettler von der DZ Bank. Entsprechend deutlich sei aber auch das britische Pfund unter Druck geraten. Dies wiederum stützte den Aktienmarkt in London, da eine schwache Landeswährung den Export ankurbeln kann.

Trotz ihrer Wahlschlappe will May an ihrem Machtanspruch festhalten und das Land aus der EU herauslösen. Angepeilt wird nun eine Minderheitsregierung der konservativen Tories mit Unterstützung der nordirischen Democratic Unionist Party. Damit steht Grossbritannien kurz vor Beginn der Brexit-Verhandlungen über einen EU-Austritt vor einer komplizierten und möglicherweise langwierigen Regierungsbildung.

Im europäischen Branchenvergleich setzten die Anleger am Freitag vor allem auf Chemieaktien: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann 1,32 Prozent. Schlusslicht in der Übersicht war dagegen der Index der Reise- und Freizeitunternehmen, der um 0,76 Prozent nachgab.

Konjunktursensible Bergbautitel wie Fresnillo und Randgold Resources zählten zu den grössten Gewinnern am britischen Aktienmarkt: Sie zogen um 3,60 beziehungsweise 1,40 Prozent an.

Dagegen büssten die Titel von Royal Bank of Scotland und Lloyds 2,45 beziehungsweise 1,00 Prozent ein. Vor allem diese beiden insbesondere in Grossbritannien aktiven Geldhäuser seien abhängig vom Ausblick für die Wirtschaft des Landes, schrieb Barclays-Analyst Analyst Rohith Chandra-Rajan. Die Wahlschlappe der britischen Konservativen erhöhe generell die Unsicherheit für britische Banken.

Die stärker international ausgerichteten Konkurrenten HSBC und Standard Chartered dürften diesbezüglich aber robuster sein, so der Experte weiter. Deren Aktien schnitten mit Gewinnen von 1,58 und 2,79 Prozent deutlich besser ab als der freundliche Stoxx-Europe-Bankenindex.

Im EuroStoxx gehörten Airbus-Aktien mit plus 2,25 Prozent zu den grössten Gewinnern. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern rechnet in den nächsten 20 Jahren mit einem weiter steigenden Bedarf an Verkehrsjets und wittert trotz milliardenschwerer Rückschläge eine glänzende Zukunft im Verteidigungsgeschäft. "Wir sprechen derzeit auf deutsche Initiative über die Zukunft der Luftverteidigung in Europa", sagte der Chef der Airbus-Militärflugzeugsparte, Fernando Alonso, vor Journalisten in Toulouse.

Die Aktien von L'Oreal gewannen überdurchschnittliche 0,93 Prozent. Der Konsumgüterkonzern erhielt für seine zum Verkauf stehende britische Tochter The Body Shop ein milliardenschweres festes Angebot./gl/he

(AWP)