Aktien Europa Schluss: Zinssorgen und Brexit-Risiko verschrecken Anleger

PARIS/LONDON (awp international) - Europas wichtigste Aktienmärkte haben ihre jüngste Abwärtsbewegung am Freitag fortgesetzt. Auslöser der Verluste seien nicht nur die schwachen Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und China, sondern "vor allem die im Juni anstehenden Impulsschwergewichte US-Zinsentscheid und Brexit-Referendum", sagte Marktanalyst Gregor Kuhn vom Broker IG.
10.06.2016 19:03

Der EuroStoxx 50 sackte um 2,61 Prozent auf 2911,11 Punkte ab. Im Wochenverlauf verlor der Index 2,9 Prozent. Der CAC-40-Index in Paris fiel am Freitag um 2,24 Prozent auf 4306,72 Punkte. Für den Londoner FTSE-100-Index ging es um 1,86 Prozent auf 6115,76 Zähler nach unten.

"Vor dem Wochenende ziehen Anleger nun die Reissleine und stossen Aktienpositionen ab", sagte Kuhn. Am kommenden Mittwoch entscheidet die Fed über die weitere Zinspolitik in den USA. In der darauffolgenden Woche, am 23. Juni, stimmen die Briten über den Verbleib in der EU ab. Jüngsten Umfragen zufolge haben die Brexit-Befürworter Rückenwind bekommen, so dass sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen andeutet.

Jochen Stanzl von CMC Markets stimmt dem zu: "Vor dem Wochenende will niemand wirklich im grossen Stil Long-Positionen bei Aktien aufbauen. Stattdessen steigt der Goldpreis weiter, der sichere Hafen ist in unsicheren Zeiten wieder gefragt."

Aus Branchensicht gab es wie bereits am Vortag europaweit nur Verlierer. Die kräftigsten Einbussen erlitten Banken und Versicherer, die um 3,66 Prozent beziehungsweise 3,32 Prozent nachgaben. Das wohl noch auf lange Sicht niedrige Zinsniveau sowie die Gefahr von Verwerfungen durch einen Brexit laste schwer, sagte ein Händler.

Im EuroStoxx büssten als schwächste Werte die Papiere der italienischen Bank Intesa SanPaolo , der spanischen BBVA , der niederländischen ING , der französischen Societe Generale und der Deutschen Bank jeweils mehr als 4 Prozent ein. Die Aktien von Banco Santander und von Unicredit verloren sogar 5 beziehungsweise mehr als 6 Prozent.

Kaum besser sah es in Grossbritannien aus, wo Royal Bank of Scotland (RBS) und die beiden Versicherer Prudential und Old Mutual jeweils mehr als 3,5 Prozent verloren.

Am besten hielten sich im EuroStoxx die Papiere von Safran , eines Herstellers von Flugmotoren, mit minus 0,52 Prozent. Die Airbus-Aktien standen mit einem Minus von 1,39 Prozent ebenfalls noch recht gut da. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat seine Beteiligung am Kampfflugzeughersteller Dassault Aviation von 23,6 auf 9 Prozent reduziert. Den verbleibenden Anteil will Airbus über die Ausgabe von Nullzins-Wandelanleihen loswerden. Die Anleger können diese später in Dassault-Aktien umtauschen. Insgesamt erwartet Airbus aus den Transaktionen Einnahmen von knapp 2,4 Milliarden Euro. Dassault gewannen in Paris zugleich 1,55 Prozent hinzu.

Die Titel von Nokia gaben um ebenfalls recht moderate 0,82 Prozent ab. Die US-Bank JPMorgan hatte die Papiere in ihre "Analyst Focus List" für besonders aussichtsreiche Aktien aufgenommen. Der Netzwerkausrüster habe das Zeug, mittelfristig ein Margenniveau von 13 bis 15 Prozent zu erreichen, schrieb Analyst Sandeep Deshpande und sieht die Aktie nach der zuletzt deutlichen Kurskorrektur als günstig an./ck/he

(AWP)