Aktien Europa: Schwache Ölpreise und Brexit-Verunsicherung belasten

PARIS/LONDON (awp international) - Rückläufige Ölpreise haben am Dienstag den wichtigsten Börsen Europas einen Dämpfer versetzt. Zudem seien Käufer den Märkten auch wegen der weiter vorherrschenden Unsicherheit über die "Brexit-Nachwehen" ferngeblieben, sagte Konstantin Oldenburger von CMC Markets. Die Stimmungsdaten aus dem Dienstleistungssektor sowie vom Einzelhandel wurden zugleich weitgehend ignoriert. Sie beinhalteten bislang kaum das Ergebnis des Referendums in Grossbritannien.
05.07.2016 11:28

Der EuroStoxx 50 büsste am späten Vormittag 1,47 Prozent auf 2820,09 Punkte ein und gab damit den zweiten Tag in Folge nach. Allerdings hatte sich der Leitindex der Eurozone in der vergangenen Woche bereits mit knapp 4 Prozent etwas von dem Schock erholt, dass die Briten die EU verlassen wollen. Der Pariser CAC-40-Index verlor am Dienstag zuletzt 1,51 Prozent auf 4170,92 Punkte. In London gab der FTSE 100 um 0,38 Prozent auf 6497,75 Zähler nach.

In der Eurozone hatte sich die Stimmung der Dienstleistungsunternehmen laut einer zweiten Schätzung im Juni vor dem Brexit-Votum weniger als erwartet eingetrübt. Positiv überraschten vor allem Italien und Spanien. In Grossbritannien dagegen hatte sich die Stimmung stärker als prognostiziert eingetrübt. Sämtliche Daten beinhalteten zugleich bislang kaum das Ergebnis des Referendums in Grossbritannien.

Sämtliche Branchen in Europa gaben nach. Während sich jedoch die Pharmabranche mit minus 0,74 Prozent noch am besten hielt, zählten die Titel von Bergbauunternehmen zu den grössten Verlierern. Der entsprechende Sektor büsste 3,53 Prozent ein.

Energiewerte gaben im Eurostoxx besonders deutlich nach und folgten damit dem wieder schwachen Ölpreis. Hinweise auf eine gestiegene Produktion in den Ländern der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) drückten auf die Preise, hiess es aus dem Handel. Die Papiere von Iberdrola sanken als Schlusslicht im Eurzonen-Leitindex um 4,89 Prozent, Eon gaben um 2,74 Prozent nach, Total sanken um 2,14 Prozent.

Zudem standen Aktien von Banken im Blick der Anleger. Unicredit-Papiere gewannen an der Index-Spitze 2,00 Prozent und profitierten damit von einer positiven Studie der US-Bank Goldman Sachs. Die Bewertung der Unicredit-Aktie sei attraktiv, selbst vor weiteren Massnahmen, um die Entwicklung des Finanzkonzerns zu verbessern, schrieb Analyst Jean-Francois Neuez und empfiehlt die Aktie der grössten Bank Italiens nun zum Kauf. Das Risiko eine Anteilsverwässerung durch eine Kapitalerhöhung erscheine zudem eingepreist.

Die Aktien der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) waren zeitweise vom Handel ausgesetzt gewesen und büssten zuletzt knapp 10 Prozent ein. Informierten Kreisen zufolge erwägt Italien, die drittgrösste Bank des Landes vor den Stresstest-Ergebnissen mit frischem Kapital zu versorgen. Die Stresstest-Ergebnisse sollen am 29. Juli veröffentlicht werden.

Die Titel der Fluggesellschaft IAG legten in London vor der Veröffentlichung von Verkehrszahlen um 0,16 Prozent zu. Die Anteilsscheine des Tabakkonzerns British American Tobacco (BAT) gewannen an der "Footsie"-Spitze 1,51 Prozent. Sowohl die Schweizer Bank UBS als auch Goldman Sachs hatten sich positiv zu BAT geäussert und ihre Kursziele für die Aktie angehoben./ck/das

(AWP)