Aktien Europa: Schwächer - Brexit-Risiko steigt

PARIS/LONDON (awp international) - Europas wichtigste Aktienmärkten haben ihre jüngste Abwärtsbewegung am Freitag fortgesetzt. Schwächere Börsen in Asien und den USA sowie das zunehmende Risiko eines britischen Austritts aus der Europäischen Union (Brexit) hätten die Anleger zu weiteren Verkäufen und einer vorsichtigeren Haltung animiert, hiess es am Markt. Jüngsten Umfragen zufolge haben die Brexit-Befürworter Rückenwind bekommen. Damit deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen an.
10.06.2016 10:44

Der EuroStoxx 50 büsste zuletzt 1,31 Prozent auf 2949,89 Punkte ein und weitete damit seinen Verlust seit Mittwoch auf rund 3 Prozent aus. Auf Wochensicht deutet sich damit für den Leitindex des Euroraums ein Minus von gut eineinhalb Prozent an. Der CAC-40-Index in Paris fiel am Freitag um 1,12 Prozent auf 4356,16 Punkte. Für den Londoner FTSE-100-Index ging es um 1,14 Prozent auf 6160,64 Zähler nach unten.

"Das nun immer näher rückende Referendum in Grossbritannien wirft inzwischen lange Schatten über die Börsen in Europa. Verständlicherweise will sich niemand vor der Abstimmung zu stark exponieren, um dann im schlechteren Fall auf dem falschen Fuss erwischt zu werden", kommentierte LBBW-Investmentanalyst Werner Bader.

Auch sein Kollege Jochen Stanzl von CMC Markets sieht aktuell die falsche Zeit für neue Engagements am Aktienmarkt. "Auch wenn vielerorts schon wieder Anlagenotstand herrscht, abwarten könnte in den kommenden Handelstagen die billigere Variante sein. Erst recht vor dem Wochenende will niemand wirklich im grossen Stil Long-Positionen bei Aktien aufbauen. Stattdessen steigt der Goldpreis weiter, der sichere Hafen ist in unsicheren Zeiten wieder gefragt", so Stanzl.

Aus Branchensicht gab es wie bereits am Vortag europaweit nur Verlierer. Am besten präsentierten noch die Sektoren Nahrungsmittel und Getränke sowie Immobilien mit Verlusten von 0,76 beziehungsweise 0,83 Prozent. Ganz unten im Branchentableau waren Aktien aus den Bereichen Banken und Autos mit Einbussen von jeweils rund 1,8 Prozent zu finden.

Die Airbus -Aktie war mit einem Minus von 0,32 Prozent zweitbester Wert im EuroStoxx-50-Index. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat seine Beteiligung am Kampfflugzeughersteller Dassault Aviation von 23,6 auf 9 Prozent reduziert. Den verbleibenden Anteil will Airbus über die Ausgabe von Nullzins-Wandelanleihen loswerden. Die Anleger können diese später in Dassault-Aktien umtauschen. Insgesamt erwartet Airbus aus den Transaktionen Einnahmen von knapp 2,4 Milliarden Euro.

Ansonsten war die Nachrichtenlage aus Unternehmenssicht weitgehend analysengetrieben. So sackten die Papiere von Richemont um knapp 2 Prozent ab, nachdem die britische Grossbank HSBC ihr Kursziel für die Aktien des Luxusgüterkonzerns reduziert hatte. Die Titel von Nokia waren hingegen mit einem Plus von 0,70 Prozent Spitzenreiter im EuroStoxx 50. Zuvor hatte die US-Bank JPMorgan die Papiere in ihre 'ANALYST FOCUS LIST' der besonders aussichtsreichen Aktien aufgenommen./edh/zb

(AWP)