Aktien Europa: Trump-Sieg sorgt nur kurz für deutliche Verluste

PARIS/LONDON (awp international) - Die Anleger an Europas Börsen haben den ersten Schock über den Wahlausgang in den USA am Mittwoch recht gut weggesteckt. Der Sieg des als unberechenbar geltenden Donald Trump hatte den EuroStoxx 50 zwar zunächst um rund 3 Prozent absacken lassen. Im Laufe des Vormittags jedoch erholte sich der Leitindex der Eurozone deutlich und gab zuletzt nur noch um 1,09 Prozent auf 2990,33 Punkte nach.
09.11.2016 10:54

Bei den regionalen Leitindizes in London und Paris gab es ein ähnliches Bild: Der französische CAC lag nach anfänglich deutlichen Verlusten nur noch 1,01 Prozent im Minus und stand bei 4431,70 Punkten. Der britische FTSE 100 berappelte sich sogar deutlich und verzeichnete zuletzt nur noch einen Abschlag von 0,29 Prozent auf 6823,57 Punkte.

Der Quereinsteiger Donald Trump wird US-Präsident und wirbelt die politische Weltordnung durcheinander. Der umstrittene Republikaner gewann entgegen den meisten Umfragen die Präsidentschaftswahl. Der 70-jährige Unternehmer führt nun die grösste Wirtschafts- und Militärmacht der Welt.

"Die Folgen der Wahl sind - wie der Kandidat Trump - völlig unberechenbar", schrieb Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Einige seiner Pläne seien radikal, viele nur rudimentär bekannt. Die Unklarheit über die künftige Wirtschaftspolitik sei gross, die Finanzierung der Steuerpläne ungewiss und die Aussagen zur Handelspolitik liessen sogar einen Handelskrieg befürchten. Die Beziehungen zu Europa dürften sich damit eintrüben.

Etwas zuversichtlicher äusserte sich Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst beim Handelshaus CMC Markets. "Der Tag nach der US-Wahl und einem überraschenden Sieg des Republikaners Donald Trump ersetzt eine monatelange Unsicherheit durch ein klares Wahlergebnis - und das ist gut für die Börsen."

Aus Branchensicht gab es derweil klare Verlierer und Gewinner. So waren Pharmawerte mit plus 3,45 Prozent besonders stark gefragt. Ein Sieg der Trump-Rivalin Hillary Clinton hätte laut Händlern Befürchtungen in puncto erneuten Drucks zur Begrenzung etwa von Medikamentenpreisen genährt.

Bank-Aktien hingegen fielen um 1,75 Prozent. In Spanien sackten die Anteilsscheine von BBVA mit einem Minus von rund 7 Prozent besonders deutlich ab. Das spanische Finanzinstitut ist stark in Schwellenländern engagiert, so dass die Bank besonders deutlich unter einem verstärkten Protektionismus in den USA leiden könnte.

Sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump hatten bei Finanzsektor-Themen harte Worte gefunden. Da der US-Kongress zudem komplett in der Hand der Republikaner bleibt, könnte Trump nun auch seine striktesten Vorschläge durchzusetzen.

Die Berichtssaison der Unternehmen rückte angesichts der US-Wahl in den Hintergrund. So legte der französische Siemens-Rivale Alstom im ersten Geschäftshalbjahr beim Umsatz ordentlich zu. Dabei profitierte das Unternehmen vor allem von Aufträgen ausserhalb des Heimatmarktes. Die Aktien zogen um rund 4,5 Prozent an.

In London fielen die Papiere von Burberry um knapp 2 Prozent. Der Luxusgüterkonzern hatte im ersten Geschäftshalbjahr lediglich die Markterwartungen erfüllt, während die Wettbewerber positiv überrascht hatten.

Der dänische Brauereikonzern Carlsberg profitierte von einer besseren Geschäftsentwicklung vor allem in Osteuropa und erhöhte seine Prognose für das Gesamtjahr. Die Anteilsscheine legten moderat zu./la/ag

(AWP)