Aktien Europa: Verluste - Anleger bleiben vor May-Rede in Lauerstellung

Die Anleger an Europas wichtigsten Aktienmärkten sind vor der wegweisenden Rede der britischen Premierministerin Theresa May auf Tauchstation geblieben. Der EuroStoxx 50 notierte am späten Vormittag 0,47 Prozent tiefer bei 3279,08 Punkten. Die Woche hatte für den Leitindex der Eurozone bereits schwach begonnen, da zudem vor seinem Amtsantritt der designierte US-Präsidenten Donald Trump mit neuen Äusserungen die Sorgen um die Perspektiven europäischer Unternehmen in den USA angeheizt hatte.
17.01.2017 11:23

May wird ihre Rede um 12.45 Uhr (MEZ) halten. Erwartet wird, dass die Premierministerin einen sogenannten "harten Brexit" ankündigen dürfte, womit Grossbritannien auch den gemeinsamen Binnenmarkt der EU verlassen würde - "mit zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzbaren wirtschaftlichen Folgen für beide Seiten", wie Jochen Stanzl von CMC Markets kommentierte.

Das britische Pfund, das in den vergangenen Tagen weiter abgestürzt war, konnte sich zuletzt wieder stabilisieren und schoss nach der Veröffentlichung von besser als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten am späten Vormittag weiter hoch. Beobachter schliessen je nach Inhalt der Rede Mays aber weitere Kurskapriolen nicht aus.

Entsprechend gingen auch an der Börse in London die Anleger auf Tauchstation. Der FTSE 100 gab zuletzt 0,34 Prozent nach, nachdem er am Vortag im frühen Handel noch einen Rekordstand erreicht hatte. In Paris verlor der CAC-40 zuletzt 0,64 Prozent. Im europaweiten Branchenvergleich konnten sich die Versorger als einzige Gewinner absetzten - mit einem allerdings moderaten Zuwachs von 0,10 Prozent im Mittel.

Im Eurostoxx 50 eroberte die Aktie des Energiekonzerns Eni mit einem Aufschlag von knapp einem Prozent den ersten Platz. Börsianer begründeten dies mit einer frischen Kaufempfehlung durch das Analysehaus Jefferies, das dem Konzern einen starken Zuwachs bei den liquiden Mittel prognostiziert. In diesem Sog konnten sich auch die Engie-Aktien moderat verbessern.

Kräftig zulegen konnten in London auch die Titel der britischen Grossbank Standard Chartered - sie führten mit einem Aufschlag von mehr als 6 Prozent den "Footsie" an. Händlern zufolge hatten zuvor die Analysten der US-Bank Merrill Lynch die Aktien neu zum Kauf empfohlen.

In Paris standen die französischen Autobauer im Zusammenhang mit möglichen Manipulationen bei Emissionswerten weiter unter Druck. Der Hersteller Peugeot wies am Dienstag einen Bericht der französischen Zeitung "Le Parisien" zurück, die von Unregelmässigkeiten beim Citroen C4 Cactus sprach. Laut Peugeot verfügen die Fahrzeuge über keinerlei Software, mit der sich die Resultate von Abgastests beeinflussen liessen. Peugeot-Aktien gaben gleichwohl rund 2 Prozent nach, die des Konkurrenten Renault verbilligten sich um ein halbes Prozent./tav/fbr

(AWP)