Aktien Europa: Verluste aus Sorge vor neuer Eurokrise vor Italien-Referendum

PARIS/LONDON (awp international) - An den Aktienmärkten Europas geht die Furcht vor einer neuen Euro-Krise um. Vor allem die Bankenbranche kam daher am Montag unter Druck. Die Nervosität sei vor dem in der kommenden Woche anstehenden Verfassungsreferendum in Italien recht hoch, sagte Marktanalyst Neil Wilson von ETX Capital. Hinzu kommt, dass sich allgemein auch die Zweifel am Willen der Opec-Mitglieder wieder mehren, ihre bereits beschlossenen Förderkürzungen tatsächlich umzusetzen. Das wiederum lastete spürbar auf dem europäischen Öl- und Gassektor .
28.11.2016 11:52

Der EuroStoxx 50 verlor am späteren Vormittag 0,41 Prozent auf 3035,92 Punkte. Der französische Cac-40-Index sank um 0,49 Prozent auf 4527,98 Punkte. Besonders deutlich ging es für den italienischen FTSE MIB abwärts: Er büsste 1,81 Prozent ein. Hinzu kam dort, dass sich die Stimmung in den italienischen Unternehmen im November überraschend wieder eintrübte und zudem die Stimmung der Verbraucher weiter fiel. In London gab der britische FTSE-100-Index zuletzt noch um 0,10 Prozent auf 6834,04 Punkte nach. Er erholte sich dank deutlicher Kursgewinne von Bergbau-Aktien um über 60 Punkte von seinem Tagestief.

Während der Sektor der Öl- und Gaswerte 0,63 Prozent verlor, büsste der Bankensektor als schwächster unter den 19 Branchen Europas 1,27 Prozent ein. Die Anleger seien sehr nervös vor dem Referendum, denn eine Ablehnung könnte "hohe Schockwellen durch die Märkte und vor allem das Bankensystem jagen", sagte Marktanalyst Wilson. Ministerpräsident Matteo Renzi hat angekündigt, bei einer Niederlage in der Volksabstimmung zurückzutreten. "Auch der Druck auf den Euro könnte sich weiter verschärfen, wenn Renzi verliert, da dann Italiens Platz in der Eurozone gefährdet ist", so der Experte.

Die Probleme für Italiens Banken würden so noch grösser werden. Dabei verwies Wilson inbesondere auf die nach dem Referendum anstehende Rekapitalisierung der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) . "Im Fall eines Nein dürften Investoren kaum mehr nötiges frisches Kapital hereinpumpen, und das Risiko einer Ansteckung der restlichen italienischen Banken und anderer europäischer Kreditinstitute ist hoch."

Die BMPS-Aktien wurden nach deutlichen Verlusten vom Handel ausgesetzt. Nachdem in der vergangenen Woche die Aktionäre einer weiteren Kapitalerhöhung zugestimmt hatten, startet an diesem Montag nun die Angebotsfrist zum Tausch von Anleihen in Aktien. Unter den weiteren Bankenwerten büssten Unicredit 4,01 Prozent ein und Intesa SanPaolo verloren 2,48 Prozent.

Die Aktien der Banco Santander gaben dagegen um moderate 0,30 Prozent nach. Die spanische Grossbank versucht einem Bericht zufolge wegen der Brexit-Unsicherheiten um die Aufspaltung ihres britischen Geschäfts herumzukommen. Mit diesem Schritt wollen die Spanier bei einer möglicherweise notwendigen Verlagerung von Teilen des britischen Geschäfts infolge des geplanten EU-Austritt des Landes flexibler sein, wie die "Financial Times" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag berichtete.

In London stachen die Aktien von Polymetal mit plus 2,62 Prozent positiv heraus und auch andere Bergbauaktien wie Fresnillo , Glencore oder Randgold legten zu. Sie profitierten von deutlich gestiegenen Metallpreisen./ck/ag

(AWP)