Aktien Europa: Weiter freundliche Stimmung vor Brexit-Referendum

PARIS/LONDON (awp international) - Nach ihrem starken Wochenstart haben sich Europas Börsen am Dienstag überwiegend freundlich präsentiert. Für ähnlich hohe Kurszuwächse wie am Vortag sorgten die Anleger aber zunächst nicht mehr. Der EuroStoxx 50 rückte in Richtung 3 000 Punkte vor und kletterte zuletzt um 0,28 Prozent auf 2951,05 Zähler. Auch die Börse in Frankreich legte moderat zu, der Pariser CAC-40-Index stieg um 0,17 Prozent auf 4348,18 Punkte. Der Londoner FTSE-100-Index , der am Vortag mehr als 3 Prozent hinzugewonnen hatte, gab hingegen 0,25 Prozent auf 6188,30 Zähler nach.
21.06.2016 12:01

Tags zuvor hatten die Anleger nahezu euphorisch auf den neuen Vorsprung der Brexit-Gegner reagiert und die Aktienkurse in Europa in die Höhe schnellen lassen. Am Dienstag mehrten sich nun mahnende Stimmen: Die Märkte hätten offenbar angenommen, dass das Rennen der Befürworter und der Gegner eines Brexit bereits entschieden sei, schrieb Experte Michael Hewson von CMC Marktes. Dies sei aber eine sehr gefährliche und vorschnelle Schlussfolgerung. Hewson rechnet nun in Abhängigkeit von den Ergebnissen weiterer Meinungsumfragen jederzeit mit erneut starken Schwankungen an den Kapitalmärkten.

Durch das Referendum rückt ein weiterer wichtiger Termin des Tages fast in den Hintergrund: Die am Abend stattfindende Anhörung von US-Notenbankchefin Janet Yellen vor dem Bankenausschuss des Senats. Von hier werden Hinweise auf das Fortschreiten der begonnenen Zinswende erwartet. Allzu viele klare Aussagen sollten sich Anleger aber nicht erwarten, gibt Dirk Gojny von der National-Bank zu bedenken.

In Europa schlug sich am Dienstag im späten Vormittagshandel der Bankensektor am besten, der entsprechende Subindex legte 0,79 Prozent zu. Die Banken hatten zuletzt von der Aussicht auf einen Verbleib Grossbritanniens profitiert, da sie im Fall eines Ausscheidens als Leidtragende gelten. Sinkende Öl- und Rohstoffpreise belasteten dagegen die Erzeuger-Papiere. Der Subindex der Rohstoffkonzerne verlor mit rund einem Prozent Minus in Europa am deutlichsten.

Den Eurostoxx 50 führte zuletzt das italienische Kreditinstitut Intesa Sanpaolo mit einem Aufschlag von 1,71 Prozent an. Anteilsscheine am französischen Versicherer Axa legten nach der Ankündigung eines milliardenschweren Sparprogramms um 0,61 Prozent zu. Bis zum Jahr 2020 sollen die jährlichen Kosten um 2,1 Milliarden Euro vor Steuern sinken, teilte das Unternehmen am Dienstag zu Beginn seines Investorentages mit.

Papiere des französischen Telekommunikationskonzerns Orange landeten auf dem letzten Platz im Eurostoxx 50. Die Aktien wurden ex Dividende gehandelt. Das Unternehmen schüttet 0,40 Euro je Anteilsschein aus./tav/stb

(AWP)