Aktien Frankfurt: Anleger gehen in Deckung - Dämpfer aus China im Handelsstreit

Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag seine moderaten Anfangsverluste im Verlauf ausgebaut. Begründet wurde die weitere Abwärtsbewegung mit einer Meldung, wonach China vor Unterzeichnung eines Teilabkommens im Handelskonflikt mit den USA weitere Gespräche wolle. Am Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump eine Teileinigung mit China verkündet.
14.10.2019 11:56

Der Dax notierte am späten Vormittag 0,90 Prozent tiefer bei 12 398,48 Punkten. Am Freitag war der Leitindex um fast 3 Prozent und erstmals seit Juli wieder über die Marke von 12 500 Punkten gestiegen. Der MDax , der die mittelgrossen deutschen Werte umfasst, sank am Montag um 0,73 Prozent auf 25 439,32 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor rund 1 Prozent.

Analyst Milan Cutkovic von AxiTrader verwies zudem darauf, dass auch in puncto Brexit die Hoffnungen vom Freitag einer gewissen Ernüchterung gewichen seien. Denn am Wochenende habe die Europäische Union den wenig detaillierten Plan des britischen Premierministers Boris Johnson kritisiert. Die Verhandlungen am Samstag und Sonntag nannte die EU-Kommission konstruktiv, betonte aber auch: "Es bleibt noch eine Menge Arbeit zu tun." Die Verhandlungen werden am Montag fortgesetzt.

"Die institutionellen Marktteilnehmer haben derzeit das Problem, dass sie die weitere Börsenparty nicht verpassen und zugleich nicht zu aggressiv agieren wollen. Dadurch liegen heute fast durchweg defensive Unternehmen ganz weit vorne. Stark konjunktursensitive Unternehmen werden verkauft", bemerkte Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Dies reflektiere die Skepsis gegenüber der aktuellen politischen und konjunkturellen Gemengelage.

Unter den Einzelwerten standen unter anderem die Aktien von Rheinmetall mit minus 1,5 Prozent im Anlegerfokus. Begründet wurde die Kursschwäche mit den von Deutschland und anderen EU-Ländern teilweise oder vollständig gestoppten Rüstungsexporten an die Türkei wegen deren Einmarsch in Nordsyrien. Dies könnte das operative Geschäft des Rüstungskonzerns beeinträchtigen, hiess es.

Eine gestrichene Kaufempfehlung der UBS belastete die K+S-Papiere , die um 3,2 Prozent fielen. Analyst Patrick Rafaisz sieht Risiken für die Kali-Preise und bis 2021 ein eher begrenztes Erholungspotenzial für die Volumina. Mit Blick auf Angebot und Nachfrage am Weltmarkt hätten sich die Chancen des Dünger- und Salzherstellers für 2020 eingetrübt, schrieb der Experte. Er erinnerte zudem an den Bewertungsausfschlag der K+S-Papiere von rund 30 Prozent gegenüber der Konkurrenz.

Daimler litten unter Gewinnmitnahmen und verbilligten sich um 1,5 Prozent. Die Stuttgarter hatten am Freitagabend mitgeteilt, dass Hunderttausende weiterer Diesel-Fahrzeuge wegen einer unzulässigen Abgastechnik zurückgerufen werden müssen. Einen entsprechenden Rückrufbescheid habe das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erlassen. In der Vorwoche hatten auch die Papiere von Daimler den starken Dax-Anstieg angeführt.

Die VW-Vorzugsaktien sanken um 0,9 Prozent. Der Autokonzern dementierte einen Medienbericht über bestehende strategische Optionen für seine italienische Sportwagentochter Lamborghini. "Es gibt keine Pläne für einen Verkauf oder ein IPO von Lamborgini", teilte ein VW-Sprecher am Sonntag mit. Am Freitagabend hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise ebendies berichtet.

Pessimistischere Ziele für das Gesamtjahr liessen die Papiere der Indus Holding um 10 Prozent auf das tiefste Niveau seit sechs Wochen einbrechen. Die auf mittelständische Produktionsunternehmen fokussierte Beteiligungsgesellschaft rechnet für 2019 mit einem geringeren operativen Ergebnis (Ebit), sollte der unerwartet deutliche Umsatzrückgangs im Segment Fahrzeugtechnik anhalten.

Gegen den Markttrend stemmten sich die Aktien des Spezialmaschinenbauers Aixtron mit einem Plus von 2,2 Prozent und lagen damit an der SDax-Spitze . Als Antrieb galt eine jüngste Ankündigung des koreanischen Display-Herstellers Samsung , der im grossen Stil in OLED-Technologie für seine Fernseher investieren will./edh/fba

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---

(AWP)