Aktien Frankfurt: Anleger halten sich vor EZB-Entscheidungen zurück

FRANKFURT (awp international) - Der deutsche Aktienmarkt hat nach seiner jüngsten Rally am Donnerstag eine Verschnaufpause eingelegt. Der Dax stand nach einem verhaltenen Handelsverlauf gegen Mittag 0,37 Prozent tiefer bei 10 104,82 Punkten. Auf die Stimmung drückte ein Kursrutsch bei den Aktien der Lufthansa . Die Fluggesellschaft hatte ihre Gewinnprognose gekappt.
21.07.2016 11:59

Für den MDax der mittelgrossen Unternehmen ging es um 0,66 Prozent auf 20 736,27 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index TecDax fiel um 0,30 Prozent auf 1659,79 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,48 Prozent.

ANLEGER WARTEN AUF EZB-ENTSCHEIDUNGEN

Nachdem zur Wochenmitte gute Geschäftszahlen des Software-Konzerns SAP und des Autobauers Volkswagen für Rückenwind gesorgt hatten, richteten sich die Blicke am Donnerstag neben der Berichtssaison der Unternehmen vor allem auf die Europäische Zentralbank (EZB). Sie wird nach ihrer Zinssitzung am Nachmittag ihre Entscheidungen verkünden.

"Nach dem grossen Massnahmenpaket, das vor einige Monaten beschlossen und mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen im letzten Monat komplett umgesetzt wird, heisst es erst einmal abwarten, ob und wie es wirkt", schrieb Analyst Jan Bottermann von der National-Bank. Allerdings würden sich die Notenbanker darüber Gedanken machen, wie es mit ihrer Geldpolitik weiter gehen soll. "Die Anforderung der Kapitalmärkte ist klar: Sie erwarten im Laufe des Jahres noch weitere geldpolitische Lockerungsmassnahmen."

Der Chef der japanischen Notenbank, Haruhiko Kuroda, sprach sich derweil gegen radikale Stützungsmassnahmen aus und drückte den Dax damit auch etwas nach unten. Für sogenanntes Helikoptergeld gebe es weder eine Notwendigkeit noch eine Möglichkeit, sagte Kuroda dem britischen Radiosender der BBC. Bei diesem Konzept geht es grundsätzlich darum, dass eine Notenbank Geldgeschenke entweder an die private Wirtschaft, den Staat oder auch direkt an die Bürger verteilt.

LUFTHANSA KAPPT GEWINNPROGNOSE

Am Dax-Ende sackten die Aktien der Lufthansa um 7,93 Prozent auf 10,215 Euro ab. Die Terroranschläge in Europa durchkreuzen die Gewinnpläne der Fluggesellschaft. Wegen eines Buchungseinbruchs vor allem bei den Langstreckenflügen nach Europa kappte das Unternehmen die Gewinnprognose für 2016. Ein Händler bewertete die Nachricht sehr negativ. Die Bedrohung durch den Terrorismus sei unmittelbar und anhaltend. Nun sei die Dividende erheblich bedroht, schrieb Analyst Anand Date von der Deutschen Bank.

Daimler hingegen ist trotz des Dieselskandals in der Autobranche weiter in der Spur. "Der Anteil an Neufahrzeugen in Europa mit Diesel ist seit September unverändert", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche in einer Telefonkonferenz. Die Anleger zeigten sich erfreut und die Aktien stiegen um knapp 1 Prozent.

KRONES ENTTÄUSCHT MIT QUARTALSZAHLEN

Die in den letzten Jahren sehr gut gelaufenen Anteilsscheine von Krones verloren am MDax-Ende rund 5 Prozent. Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller kämpft mit einem immer stärkeren Preisdruck. Trotz eines Umsatzwachstums und eines laufenden Sparprogramms war der Überschuss im zweiten Quartal - für Analysten unerwartet - gesunken.

An der TecDax-Spitze zogen die Papiere von Drillisch um knapp 6 Prozent an. Der Mobilfunkanbieter hält nach einem erfolgreichen zweiten Quartal an seinen Jahresprognosen fest. Analyst Usman Ghazi von der Privatbank Berenberg hob als besonders positive Aspekte das starke Kundenwachstum sowie die Erholung der Profitabilität und der Barmittel hervor./la/das

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

(AWP)