Aktien Frankfurt: Anleger lassen es ruhig angehen

FRANKFURT (awp international) - Nach dem starken Wochenauftakt scheint die Einkaufslust der Anleger am deutschen Aktienmarkt zunächst wieder verflogen. Der Dax bewegte sich am Dienstag nur wenig und stand zuletzt moderate 0,07 Prozent im Plus bei 10 692,57 Punkten. Tags zuvor hatten die Anleger den Schock über die abgelehnte Verfassungsreform in Italien schnell abgeschüttelt und der deutsche Leitindex hatte letztlich über eineinhalb Prozent zugelegt.
06.12.2016 12:06

"Hatte man gestern noch die Hoffnung, nach dem Italien-Referendum käme zum Jahresende jetzt noch einmal Bewegung in den deutschen Aktienmarkt, ist heute schon wieder die Luft raus", kommentierte Jochen Stanzl von CMC Markets.

EXPERTE: 'DAX BLEIBT INSTABIL'

Der Dax bleibe trotz der gestrigen Erholung weiter instabil, konstatierten die Experten des Börsenstatistik-Magazins Index-Radar. Nachdem sich das wichtigste deutsche Börsenbarometer seit August an der Marke von 10 800 Punkten die Zähne ausgebissen habe, sollten sich Anleger nicht zu viel Hoffnung machen, dass dieser Widerstand gebrochen werden könnte, so Index-Radar.

Besser als im Dax lief es am Dienstag im MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen - der Index legte zuletzt um 0,48 Prozent auf 20 787,30 Punkte zu. Dagegen gab der Technologiewerte-Index TecDax um 0,13 Prozent auf 1698,64 Zähler nach. Im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand zuletzt ein Kursplus von 0,43 Prozent auf 3065,86 Zähler zu Buche.

KEIN SCHWUNG TROTZ STARKER DATEN AUS DEUTSCHLAND

Auch Konjunkturdaten aus Deutschland konnten am Dienstag nicht für frischen Schwung sorgen, obwohl diese stark ausgefallen waren. Demnach hat das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland im Oktober deutlich mehr Aufträge erhalten als erwartet. Im späteren Tagesverlauf dürften die Anleger zudem noch auf die aus den USA anstehenden Daten zur Produktivität sowie zu den Auftragseingängen achten.

Laut CMC-Experte Jochen Stanzl bleibt nun dem Markt in dieser Woche als Strohhalm nur die Geldpolitik. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird an diesem Donnerstag ihre Leitzinsentscheidung bekannt geben. Einige Marktteilnehmer spekulieren zudem auf eine zeitliche Verlängerung des EZB-Kaufprogramms.

BVERFG: BUND MUSS VERSORGER 'ANGEMESSEN' ENTSCHÄDIGEN

Auf Unternehmensseite hielten sich die Versorger an der Dax-Spitze, nachdem das lang erwartete Urteil der Bundesverfassungsgerichts für sie günstig ausgefallen war. Eon-Papiere verteuerten sich um mehr als fünfeinhalb Prozent und RWE-Aktien um knapp 4 Prozent. Die Karlsruher Richter entschieden, dass den Versorgern wegen des beschleunigten Atomausstiegs nach der Katastrophe von Fukushima eine "angemessene" Entschädigung zustehe.

Auch die deutschen Banken, die wegen der Regierungskrise in Rom am Markt unter besonderer Beobachtung stehen, hielten sich wacker: Anteilsscheine an der Deutsche Bank verteuerten sich nach ihrem guten Lauf am Vortag um mehr als 3 Prozent auf den höchsten Stand seit dem Brexit-Votum und Commerzbank-Aktien legten um rund eineinhalb Prozent zu.

SILCTRONIC-AKTIE MIT REKORD - RÜCKSCHLAG FÜR BRAAS MONIER

In den hinteren Reihen stachen im TecDax die Siltronic-Aktien hervor, die zwischenzeitig erstmals über die Marke von 43 Euro kletterten. Börsianer verwiesen auf anhaltende Übernahmefantasien.

Im SDax mussten die Anleger des Dachziegelherstellers Braas Monier zuletzt Verluste von fast dreieinhalb Prozent einstecken. Das Unternehmen hat im Abwehrkampf gegen die Übernahme durch Standard Industries einen Rückschlag erlitten. Die als Mittel gegen den Zukauf gedachte Kapitalerhöhung wurde am Montagabend durch eine einstweilige Verfügung vorläufig gestoppt.

Index-Kollege Biotest konnte dagegen die Anleger mit neuen Forschungsdaten zu seinem Mittel BT-062 bei der Knochenmarkserkrankung fortgeschrittenes Multiples Myelom überzeugen. Die Aktie verteuerte sich um mehr als 2 Prozent./tav/das

(AWP)