Aktien Frankfurt: Anleger wagen sich aus der Deckung - Italien im Fokus

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am Montag auf eine Entspannung im Haushaltsstreit zwischen der Europäischen Union und Italien gesetzt. Hinzu kam Rückenwind aus China: Dort hatten Politiker wegen der negativen Folgen des Handelskonflikts mit den USA den privaten Unternehmen des Landes ihre Unterstützung zugesagt. Bei Anlegern kam das angesichts der zuletzt etwas schwächelnden chinesischen Wirtschaft gut an.
22.10.2018 11:39

Der deutsche Leitindex Dax stieg bis zum Mittag um 0,53 Prozent auf 11 614,53 Punkte. Am Vormittag war es allerdings noch um rund 1 Prozent nach oben gegangen. Der Index der mittelgrossen Unternehmen MDax gewann zuletzt 0,35 Prozent auf 24 232,03 Punkte hinzu. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,32 Prozent auf 3221,03 Zähler nach oben.

Kurz vor dem Wochenende hatte EU-Kommissar Pierre Moscovici versucht, die Situation im Streit mit Italien über die geplante Neuverschuldung zu deeskalieren. In Rom zeigte sich der Franzose zuversichtlich, dass man den Konflikt ausräumen könne. Die Renditedifferenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen - ein Mass für die Risiken, die Anleger mit Blick auf Italien sehen - sank daraufhin. Ob die Entspannung von Dauer ist, bleibt indes fraglich. "Dass ein EU-Kommissar in einer krisenhaften Lage Beruhigendes sagt, sollte nicht überraschen. Das ist sein Job. Dafür wird er bezahlt," schrieb Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank in einem Morgenkommentar.

Die Marktexperten von Index-Radar verwiesen indes darauf, dass der Dax nach seinem jüngsten Kursrutsch angeschlagen bleibt. "Der Rückfall unter die 11 700er-Marke erwies sich in der Vorwoche als nachhaltig. Zwar ist jederzeit eine Zwischenerholung in Richtung 12 000 Punkte möglich, doch selbst dann bleibt die Prognose eher schlecht." Anleger orientierten sich vorerst offenbar weiter am mittelfristigen Abwärtstrend.

Mit Blick auf Einzelwerte machte sich bei den Aktionären von Siemens Hoffnung breit, dass der Industriekonzern bei einem Milliardenauftrag im Irak zum Stromnetz-Ausbau doch noch zum Zuge kommt. Die Aktien waren mit einem Plus von 1,34 Prozent unter den Favoriten im Dax. Zuletzt hatte es so ausgesehen, als ob Rivale General Electric (GE) den Auftrag erhalten wird. Am Wochenende unterzeichnete Siemens-Chef Joe Kaeser nun aber eine Absichtserklärung mit dem Irak. Allerdings heisst das noch nicht, dass der Auftrag dadurch automatisch an Siemens geht. Denn auch GE meldete, eine Reihe von "Grundsätzen der Zusammenarbeit" unterzeichnet zu haben.

Die Aktien des Softwarekonzerns SAP stiegen nach einer Kaufempfehlung durch die schweizerische Bank UBS um knapp 1 Prozent. Favorit im Dax aber waren die Anteilsscheine des Medizinkonzerns Fresenius, die sich um mehr als 3 Prozent von ihrem Rückschlag erholten.

Autowerte gaben einen Grossteil ihrer Kurszuwächse nach einer Gewinnwarnung des Zulieferers Leoni wieder ab. Leoni-Aktien knickten zuletzt um 4,5 Prozent ein. Händler sahen in der Warnung aber nur bedingt eine Überraschung, nachdem jüngst bereits Branchenkollegen bei den Prognosen zurückrudern mussten.

Als Stütze für die Aktien von Autoherstellern wie BMW , Daimler und Volkswagen erwiesen sich zum Wochenstart indes Pläne von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Verhängung von Diesel-Fahrverboten wegen zu schmutziger Luft in deutschen Städten per Gesetz zu erschweren./mis/fba

(AWP)