Aktien Frankfurt: Brexit-Angst treibt Dax in die Defensive

FRANKFURT (awp international) - Zunehmende Befürchtungen um einen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union haben den Anlegern am deutschen Aktien zum Wochenauftakt gründlich die Stimmung vermiest. Der Dax verlor am Montagnachmittag 1,32 Prozent auf 9704,40 Punkte und weitete damit seine jüngsten Verluste deutlich aus. Am Freitag hatte der deutsche Leitindex schon mehr als zweieinhalb Prozent eingebüsst und war damit erstmals seit zweieinhalb Wochen wieder unter die viel beachtete Marke von 10 000 Punkten gefallen.
13.06.2016 15:07

Der MDax , in dem die Aktien mittelgrosser Unternehmen vertreten sind, fiel am Montag zuletzt um 1,52 Prozent auf 19 879,21 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax sackte um 1,68 Prozent auf 1614,30 Zähler ab. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,44 Prozent auf 2869,17 Punkte nach unten.

BREXIT-BEFÜRWORTER MIT OBERWASSER

Ein Hauptgrund für die Risikoscheu der Anleger bleibt Börsianern zufolge die Brexit-Angst. Übers Wochenende hatten Ökonomen, Zentralbanker und Firmenchefs eindringlich vor gravierenden Konsequenzen für ganz Europa bei einem EU-Austritt der Insel gewarnt. Die Briten sind aufgerufen, am 23. Juni darüber abzustimmen.

Jüngste Umfragen deuten auf eine sehr knappe Entscheidung hin. Am Freitag hatte eine Online-Umfrage erstmals einen Vorsprung von 10 Prozentpunkten (55 zu 45 Prozent) der Brexit-Befürworter ergeben. Die jüngste YouGov-Umfrage signalisiert ein Verhältnis von 51 zu 49 Prozent pro Brexit.

Börsenexperte Jochen Stanzl von CMC Markets stellte eine zunehmende Nervosität in Sachen Brexit fest: "Rund um den Globus flüchten die Anleger aus Risikopapieren in die sicheren Häfen Gold und japanischer Yen oder fahren ihre Barbestände noch weiter hoch. Dieser Trend wird wahrscheinlich bis in die späten Handelsstunden des 23. Juni anhalten - vor allem dann, wenn die Befürworter eines Brexit weiter Oberwasser behalten."

BMW NACH VORSTANDSAUSSAGEN ZUM US-ABSATZ UNTER DRUCK

Die Aktien von BMW litten unter Aussagen von Vertriebsvorstand Ian Robertson zum US-Absatz und verbilligten sich um gut 2 Prozent. Demnach richtet sich BMW bis Jahresende auf ein hartes Geschäft im wichtigen US-Markt ein. "Der US-Markt wird 2016 bestenfalls stagnieren", sagte der Manager der "Automobilwoche". Die Verkäufe von BMW in den USA waren im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,8 Prozent abgesackt.

Bayer-Aktien hielten sich in dem schwachem Marktumfeld mit minus 0,27 Prozent recht gut. Experte Ulrich Huwald vom Analysehaus Warburg Research verwies auf einen Pressebericht, wonach der US-Saatgutspezialist Monsanto die milliardenschwere Offerte von Bayer erneut zurückgewiesen hat. Bayer hatte vor drei Wochen 62 Milliarden US-Dollar für Monsanto geboten. Das hatte die Aktie von Bayer merklich belastet. Nachdem Monsanto die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen hatte, wird über einen Preisaufschlag spekuliert.

LUFTHANSA MIT LEICHTER ERHOLUNG NACH KURSVERFALL

Die zuletzt schwachen Lufthansa-Aktien stabilisierten sich am Montag etwas. Mit einem Minus von 0,31 Prozent gehörten sie zu den attraktivsten Dax-Werten, nachdem sie in den vergangenen vier Wochen mit einem Verlust von rund 8 Prozent noch zu den schwächsten Titeln im Leitindex gezählt hatten. In der Vorwoche hatten die Papiere der Fluggesellschaft unter schwachen Verkehrszahlen und vor allem unter dem überraschenden Abgang von Finanzchefin Simone Menne gelitten.

Mit einem Kursabschlag von knapp 7 Prozent bildeten Bilfinger-Aktien das Schlusslicht im MDax und weiteten damit ihre Verluste der vergangenen sieben Handelstage auf rund 30 Prozent aus. Zuletzt hatten sich die negativen Analystenreaktionen mit Abstufungen und Kurszielsenkungen gehäuft. Zuvor hatte die Entscheidung des Konzerns, seine Bau- und Gebäudedienstleistungssparte zu verkaufen, nur kurz für Entlastung gesorgt.

MANZ BRECHEN NACH AUFTRAGSVERLUST UM EIN FÜNFTEL EIN

Manz-Aktien büssten nach einem Rückschlag in dem als Hoffnungsträger geltenden Batteriegeschäft mehr als 20 Prozent an Wert ein. Ein Kunde stoppte ein Grossprojekt im Bereich Energy Storage. Nun fürchtet das Management um die Jahresziele.

Die milliardenschwere Übernahme des US-Wettbewerbers LinkedIn hat wiederum den Xing-Aktien am Montagnachmittag kräftig Auftrieb gegeben. Mit plus knapp 11 Prozent nahmen sie Kurs auf das jüngste Mehrmonatshoch bei 184,60 Euro. Microsoft will LinkedIn für insgesamt 26,2 Milliarden US-Dollar kaufen. Xing ist an der Börse nun knapp über 1 Milliarde Euro wert./edh/das

(AWP)