Aktien Frankfurt: Brexit-Angst zieht Dax weiter runter

FRANKFURT (awp international) - Die Optimisten am deutschen Aktienmarkt haben auch am Dienstag einen schweren Stand. Denn die Furcht vor einem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union verunsichert weiterhin viele Anleger und macht sie vorsichtig. Fallende Ölpreise sowie die übliche Nervosität vor der US-Leitzinsentscheidung am Mittwoch belasten zusätzlich die Kurse.
14.06.2016 12:10

Der Dax verlor gegen Mittag 0,97 Prozent auf 9'564,20 Punkte und lag auf dem tiefsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Er baute damit seine Verlustserie seit Dienstag voriger Woche auf rund 7 Prozent aus. Allein am Montag hatte der deutsche Leitindex 1,80 Prozent eingebüsst.

Der MDax, in dem die Aktien mittelgrosser Unternehmen vertreten sind, sank am Dienstag um 1,22 Prozent auf 19'559,47 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax fiel um 2,17 Prozent auf 1'576,87 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,13 Prozent auf 2'821,34 Punkte nach unten.

LBBW: RISIKOBEREITSCHAFT NAHE NULL

"Das nun immer näher rückende Briten-Referendum wirft düstere Schatten über die Börsen. Die Angst vor einem Austritt Grossbritanniens aus der EU hat fast jegliche Risikobereitschaft an den europäischen Kapitalmärkten zum Erliegen gebracht", kommentierte LBBW-Investmentanalyst Werner Bader.

Die jüngsten Umfragen haben eine klare Meinungsverschiebung signalisiert und sehen das Lager der EU-Gegner in Grossbritannien mittlerweile vorne. Ein Händler wertete es als weitere Zuspitzung, dass sich nun auch die auflagenstärkste britische Zeitung "The Sun" für einen Austritt der Briten ausgesprochen hat. Die Briten stimmen am 23. Juni in einem Referendum ab, ob ihr Land in der EU bleiben soll oder nicht.

ANALYSTENSTUDIEN STÜTZEN EVONIK

Aus Unternehmenssicht wurde die Nachrichtenlage am Dienstag überwiegend von Analystenkommentaren dominiert. So standen die Aktien von Evonik mit einem Gewinn von 1,17 Prozent fast an der Spitze des MDax. Zuvor hatte die US-Investmentbank Morgan Stanley die Titel des Spezialchemiekonzerns von "Equal-weight" auf "Overweight" hochgestuft.

Den ersten Platz im MDax eroberte die Pfandbriefbank, nachdem das Bankhaus Lampe die Beobachtung mit einer Kaufempfehlung sowie einem Kursziel von 13 Euro aufgenommen hatte. Der Kurs stieg um 1,69 Prozent.

Für die Papiere von Wacker Chemie ging es den umgekehrten Weg: Sie verloren zuletzt 2,44 Prozent, nachdem Morgan Stanley sie von "Overweight" auf "Equal-weight" abgestuft hatte.

RWE AM DAX-ENDE - S&P SENKT BONITÄTSNOTE

Schlusslicht im Dax waren die Aktien von RWE mit einem Kursabschlag von 4,69 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonität des Versorgers um eine Stufe auf "BBB-" gesenkt. Der Ausblick ist negativ. Hintergrund ist die Empfehlung der Atomkommission zur Finanzierung des Atomausstiegs. Dies werde RWE mit knapp 6,5 Milliarden Euro belasten, schrieben die S&P-Experten.

Lufthansa-Aktien rutschten um rund 2,5 Prozent auf 11,015 Euro ab und damit auf den tiefsten Stand seit September. Ein Börsianer machte hierfür das neue Kursziel von 8,50 Euro verantwortlich, mit dem die Investmentbank Kepler den Markt geschockt habe. Andere Experten sind jedoch deutlich optimistischer. So bestätigte die Citigroup ihre Kaufempfehlung und signalisiert auch mit ihrem gesenkten Ziel von 17 Euro ein Erholungspotenzial von über 50 Prozent.

KUKA-TEILÜBERNAHME DURCH CHINESEN DENKBAR

Xing-Aktien wurden zuletzt mit plus 0,43 Prozent bei 174 Euro gehandelt. Tags zuvor waren sie im Zuge der ersten Begeisterung über die LinkedIn-Übernahme durch Microsoft sogar auf fast 190 Euro hochgeschossen, dann aber wieder deutlich zurückgekommen. Das Transaktionsvolumen der US-Übernahme entspräche einem Xing-Kursniveau zwischen 227 und 247 Euro, rechnete Analyst Jochen Reichert von Warburg Research vor. Mittelfristig sieht er die Chance, dass sich der US-Softwareriese den ganzen Markt sichern wolle und dabei auch Xing übernehmen könnte.

Kuka-Papiere verloren zuletzt 2,74 Prozent auf 103,10 Euro. Bei der umstrittenen Übernahme des Roboterbauers durch den chinesischen Investor Midea zeichnet sich offenbar ein Kompromiss ab. Die Bundesregierung sehe inzwischen Signale, dass Midea nicht mehr als 49 Prozent an Kuka erwerben wolle, berichtete das "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Midea hält derzeit 13,5 Prozent an Kuka und bietet 115 Euro je Aktie - ein Drittel über dem Kurs von Mitte Mai./edh/das

(AWP)