Aktien Frankfurt: Brexit-Blues holt die Anleger wieder ein

FRANKFURT (awp international) - Die Brexit-Entscheidung der Briten wirft nach der Beruhigung in der vergangenen Woche wieder Schatten auf den Aktienmarkt. Hinzu kommt die schwelende Sorge um das italienische Bankensystem, das unter faulen Krediten ächzt. Der Dax weitete seine Vortagesverluste am Dienstag aus und fiel bis zum Nachmittag um 1,75 Prozent auf 9538,85 Punkte.
05.07.2016 14:56

In der vergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex noch binnen einer viertägige Erholungsrally etwa fünfeinhalb Prozent gewonnen und damit rund die Hälfte des Kursrutsches wettgemacht, den ihm das 'Ja' der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union eingebrockt hatte.

Der MDax als Index der mittelgrossen Werte rutschte am Dienstag um 1,89 Prozent auf 19 515,22 Punkte ab und für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 1,45 Prozent auf 1580,41 Zähler nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank ähnlich deutlich.

BRITISCHE NOTENBANK SIEHT FINANZRISIKEN

Eine Reihe von Nachrichten über die Schwierigkeiten mit Blick auf den nun möglichen Ausstieg Grossbritanniens aus der EU habe der Kurserholung der vergangenen Woche den Wind aus den Segeln genommen, sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. So sieht etwa die britische Notenbank zahlreiche Stabilitätsrisiken für den Finanzsektor des Königreichs und lockerte eine wichtige Kreditregel für Banken.

Defensive Werte hielten sich in dem schwachen Gesamtmarkt einmal mehr vergleichsweise gut, gilt doch in ungewissen Börsenzeiten die Devise, dass Dinge des täglichen Bedarfs immer benötigt werden. Die Papiere des Konsumgüterherstellers Beiersdorf schafften sogar den Sprung in die Gewinnzone. Sie stiegen am frühen Nachmittag an der Dax-Spitze um 0,31 Prozent. Die Papiere der Immobiliengesellschaft Vonovia fielen direkt dahinter um 0,14 Prozent.

THYSSENKRUPP NACH ABSTUFUNG AUF TALFAHRT

Bei den Anteilsscheinen von Thyssenkrupp sehen die Analysten des Investmenthauses Kepler Cheuvreux derweil keine Kaufgelegenheit mehr. Sie stuften die Papiere des Industriekonzerns auf "Hold" ab. Infolge des Brexit-Votums dürfte sich ein möglicher Zusammenschluss des europäischen Stahlgeschäfts mit Tata Steel Europe zumindest verzögern, hiess es. Der ThyssenKrupp-Kurs fiel um 5,68 Prozent. Salzgitter-Papiere rutschen im Sog um mehr als 3 Prozent ab.

Für die zuletzt gut gelaufenen Aktien der Versorger RWE und Eon ging es um 1,24 Prozent beziehungsweise 2,20 Prozent nach unten. Hier machten einige Anleger erst einmal Kasse.

Die Anteile des Modeunternehmens Hugo Boss verbilligten sich um rund 3 Prozent, nachdem das Investmenthaus Jefferies das Kaufvotum gestrichen hatte./mis/das

(AWP)