Aktien Frankfurt: Dax behauptet 11 000 Punkte nach EZB-Entscheid

FRANKFURT (awp international) - Nach dem Zinsentscheid der EZB hat sich der Dax am Donnerstag klar oberhalb der 11 000 Punkte gehalten. Mit einem verlängerten milliardenschweren Kauf von Staatsanleihen sahen Börsianer die hohen Erwartungen an die Währungshüter der Eurozone weitgehend als erfüllt an. Nach seinem frühen Sprung über die psychologisch wichtige Marke stand der Leitindex am Nachmittag mit 0,68 Prozent im Plus bei 11 061,03 Zählern. Das letzte Mal hatte er vor rund einem Jahr über 11 000 Punkten notiert.
08.12.2016 14:29

Den nötigen Schwung für den Bruch wichtiger Marken hatte der Markt seit Wochenbeginn geholt. Am Vortag war ihm endlich der Sprung über den seit Monaten hartnäckig gehaltenen Widerstand bei 10 800 Punkten gelungen. "Damit dürfte nunmehr der Grundstein für eine Jahresendrally gelegt worden sein", schrieben die Experten der britischen Investmentbank HSBC. Auch die Experten des Börsenstatistik-Magazins Index-Radar sehen ein Kaufsignal für einen Weihnachtsspurt, der den Dax in Richtung 11 350 Punkte führen könne.

Der MDax legte zuletzt um 0,44 Prozent auf 21 296,09 Punkte zu. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,25 Prozent auf 1722,66 Punkte nach oben. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone stand zuletzt 0,83 Prozent höher bei 3168,17 Zählern.

HOFFNUNG AUF SCHÜTZENHILFE DURCH DIE EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins unverändert belassen und ihr gewaltiges Wertpapier-Ankaufprogramm bis mindestens Ende des Jahres 2017 verlängert. Experten hatten nach dem gescheiterten Verfassungsreform in Italien mit einer Verlängerung gerechnet und gleichzeitig betont, dass davon abweichende Aussagen den Markt schnell wieder unter Druck setzen könnten.

Für kleinere Irritationen sorgte, dass die Notenbank ab April monatlich nur noch 60 Milliarden Euro statt 80 Milliarden Euro in den Markt pumpen will. Dies habe leicht negativ überrascht, sagte Helaba-Expertin Viola Julien in einer ersten Reaktion. Die Notenbänker hätten allerdings darauf hingewiesen, dass das Programm bei Bedarf jederzeit wieder ausgeweitet werden könne.

BANKEN IM AUFWIND

Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank drehten infolge der EZB-Entscheidug nochmals kräftig auf. Sie knüpften mit Kursgewinnen von 6,57 und 3,77 Prozent an ihren starken Lauf der vergangenen Tage an. Neben den EZB-Milliarden beflügelten zuletzt Medienspekulationen über ein Interesse mehrerer Investoren an einem Einstieg beim deutschen Branchenprimus den Kurs.

Aktien der Deutschen Telekom gehörten ausserdem mit mehr fast 2 Prozent zu den Gewinnern. Sie profitierten dabei von einer europaweit soliden Branchentendenz sowie neuer Fantasie um den Verkauf der amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile US , die in den letzten Tagen geschürt worden war.

Am Dax-Ende dagegen belasteten weiterhin Gewinnmitnahmen die Versorger, nachdem diese noch vor zwei Tagen vom günstigen Entschädigungs-Urteil des Bundesverfassungsgerichts profitiert hatten. Besonders deutlich kamen RWE-Anteile unter Druck. Sie rutschten mit fast 5 Prozent Minus auf das tiefste Niveau seit April ab.

GFK-ANTEILE IM AUFWIND WEGEN INVESTORENANGEBOT

Unter den Nebenwerten standen vor allem die Papiere des Konsumforschers GfK im Mittelpunkt. Ein vom Finanzinvestor KKR bereitetes Gebot liess die Papiere am Donnerstag um 30 Prozent auf 43,755 Euro in die Höhe schnellen. Sie standen damit sogar knapp oberhalb der 43,50 Euro, die der Investor je Aktie in bar bietet.

Bei Klöckner & Co sorgten Analystenkommentare dafür, dass die Aktien des Stahlhändler um fast 8 Prozent in die Höhe schossen.

Im MDax blieben Steinhoff-Aktien mit fast 5 Prozent Plus in der Erfolgsspur - am Vortag hatte der Möbelhändler mit guten Zahlen und einem zuversichtlichen Ausblick geglänzt. Die Aktie ist nun nach einer längeren Kursschlappe wieder zurück auf dem Niveau von Ende Oktober.

AIXTRON-KAUF GEPLATZT

Aixtron-Aktien reagierten mit einem Kursverlust von mehr als 4 Prozent auf die wenig überraschende Nachricht vom geplatzten Verkauf an einen chinesischen Investor. Da US-Präsident Barack Obama den Erwerb des US-Geschäfts des deutschen Chipherstellers untersagt habe, sei das Übernahmeangebot insgesamt erloschen, argumentierte der bisherige Interessent Grand Chip Investment./tih/das

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

(AWP)