Aktien Frankfurt: Dax erobert vor Brexit-Referendum 10 000 Punkte-Marke zurück

FRANKFURT (awp international) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt scheinen immer zuversichtlicher über einen Verbleib Grossbritanniens in der EU. Der Dax stieg auch am Dienstag und überwand wieder die Hürde von 10 000 Punkten. Unterstützt wurde die Aufwärtsbewegung von überraschend positiven Konjunkturerwartungen für Deutschland sowie einer weltweit wieder positiven Börsenstimmung. Zudem blieben negative Überraschungen für die Börse durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus.
21.06.2016 15:00

Der deutsche Leitindex, der bereits am Montag mit einem Plus von fast 3,5 Prozent beeindruckend stark in die neue Handelswoche gestartet war, stieg bis zum Nachmittag um 0,40 Prozent auf 10 002,05 Punkte. Zuvor war es über Tage aber auch fast nur abwärts gegangen.

Der MDax der mittelgrossen Konzerne gewann am Dienstag 0,17 Prozent auf 20 377,58 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gab zugleich um 0,24 Prozent auf 1614,52 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,60 Prozent zu.

'BÖRSENBULLEN WAGEN SICH ZURÜCK'

"Obwohl die Frage über den weiteren Verbleib Grossbritanniens in der EU noch nicht beantwortet ist, scheinen sich die Börsenbullen wieder auf das Parkett zurück zu trauen", sagte Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner. Die Schwankungen dürften allerdings in den kommenden zwei Tagen - bis zur Bekanntgabe des Volksentscheids - weiter hoch bleiben. "Kurssprünge wie am Montag schliesse ich aber bis Donnerstag kategorisch aus, denn das Ergebnis des Wahlausgangs ist ein nicht zu unterschätzendes Gesamtmarktrisiko."

Trotz der Brexit-Sorgen, die seit Anfang des Monats die Märkte beherrschen, hellten sich die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten für die nächsten sechs Monate auf. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg im Juni um kräftige 12,8 Punkte auf 19,2 Zähler.

Ein Urteil des Bundesverfassungsgericht fiel zudem wie erwartet aus: Die Europäische Zentralbank (EZB) darf im Ernstfall mit deutscher Beteiligung Euro-Krisenstaaten durch Staatsanleihekäufe stützen, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

KION STÄRKT GESCHÄFT IN DEN USA PER ZUKAUF

Nachrichten zu deutschen Einzelwerten waren dünn gesät und nur wenige bewegten deutlich: So büssten am MDax-Ende die Aktien von Kion nach der Bekanntgabe eines Übernahmevorhabens 6,77 Prozent ein. Der Hersteller von Gabelstaplern will für 2,1 Milliarden US-Dollar den Anlagenbauer Dematic kaufen, um vor allem sein Geschäft in den USA auszubauen. Inklusive Schulden müssen laut Kion über Kredite und eine Kapitalerhöhung 3 Milliarden Euro finanziert werden.

Unter den Kleinwerten gewannen Cropenergies zugleich 5,00 Prozent, während Südzucker an der MDax-Spitze um 3,13 Prozent zulegten. Der zur Südzucker-Gruppe gehörende Bioethanol-Hersteller hatte seine Prognose für das Geschäftsjahr 2016/17 angehoben. Dank gesunkener Rohstoffpreise und niedrigerer Kosten rechnet die Südzucker-Tochter nun sowohl mit mehr Umsatz als auch einem höheren operativen Ergebnis als bisher.

BANKENWERTE WEITER AUF ERHOLUNGSKURS

Ansonsten setzten im Dax die Aktien der Deutschen Bank ihre Erholungsrally fort und legten an der Index-Spitze um weitere 1,90 Prozent zu, nachdem sie am Vortag bereits um knapp 6 Prozent gestiegen waren. Die Papiere der Commerzbank rückten zuletzt um 1,13 Prozent vor. Zuvor waren die Bankaktien wegen Brexit-Sorgen allerdings auch massiv unter Druck geraten.

Die Papiere der schwer gebeutelten Versorger RWE und Eon erholten sich ebenfalls weiter und legten jeweils um etwas mehr als ein halbes Prozent zu. JPMorgan nahm Eon mit "Overweight" wieder in die Bewertung auf./ck/das

(AWP)