Aktien Frankfurt: Dax hält sich auf Rekordniveau - Weg frei für neue Hochs

Gestützt von den jüngsten EZB-Beschlüssen und einem gesunkenen Eurokurs haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt auch am Freitag kräftig zugegriffen. Der Dax erklomm am späten Vormittag einen historischen Höchststand von 13 249 Punkten und notierte zuletzt 0,71 Prozent höher bei 13 226,95 Zählern. Am Donnerstag hatte der Leitindex noch deutlicher zugelegt. Für die abgelaufene Woche deutet sich damit ein Gewinn von rund 1,8 Prozent an.
27.10.2017 15:02

Der MDax , in dem die Aktien mittelgrosser Konzerne vertreten sind, gewann am Freitag 0,77 Prozent auf 26 717,71 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 1,25 Prozent auf 2521,51 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kletterte um 0,6 Prozent nach oben. Auf die am Nachmittag veröffentlichten Konjunkturdaten reagierten die Indizes kaum. Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal trotz schwerer Wirbelstürme robuster als prognostiziert gewachsen.

"Eine starke Bilanzsaison, solide Konjunkturdaten und eine vorsichtige EZB - alles deutet auf eine Fortsetzung der Rally im Dax hin", schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader. Zudem dürfte sich der Druck auf den Euro in den kommenden Tagen noch verstärken, glaubt er. Die nächste grössere Hürde für den Dax erwartet Cutkovic erst bei 13 500 Zählern.

Auch sein Kollege Jochen Stanzl von CMC Markets sieht nach dem nachhaltig überwundenen Widerstand bei 13 000 Punkten den Dax nun zu Höherem berufen: "Es könnte jetzt schnell weiter nach oben gehen, denn das Umfeld stimmt. Nicht zu vergessen die Aussicht auf eine baldige Steuerreform in den USA, die die Wall Street auch in immer neue Höhen treibt."

Mit der Ankündigung halbierter monatlicher Anleihekäufe hatte die Europäische Zentralbank am Donnerstag - wie von den meisten Ökonomen erwartet - den ersten Schritt zur Beendigung ihrer ultralockeren Geldpolitik gemacht. Während einige Experten den grundsätzlichen "Einstieg in den Ausstieg" begrüssten, hielten ihn andere für zu zaghaft.

Aus Unternehmenssicht standen vor allem die Quartalszahlen der Dax-Konzerne Volkswagen und Linde im Anlegerfokus. Eine optimistischere Einschätzung der Profitabilität des Autokonzerns im Gesamtjahr trieb die VW-Vorzugsaktien auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Mit einem Plus von zuletzt 3,8 Prozent waren sie bester Dax-Wert. Das um Sonderkosten bereinigte operative Ergebnis kletterte im dritten Quartal unerwartet kräftig.

Der vor der Fusion mit Praxair stehende Linde-Konzern profitierte auch im dritten Quartal von besser laufenden Geschäften in Europa und Asien. Allerdings bekam Linde erneut den Preisdruck im US-Gesundheitswesen zu spüren. Beim Umsatz traf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten. Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn (Ebitda) fiel besser als erwartet aus. Die zum Umtausch eingereichten Linde-Aktien stiegen um 2,9 Prozent.

Die Aktionäre der Deutschen Börse setzen offenbar auf frischen Schwung unter einem neuen Konzernchef. Die Titel des Börsenbetreibers stiegen trotz enttäuschender Drittquartalszahlen um 0,7 Prozent. "Die Personalie rund um den Vorstandsvorsitz lässt bei vielen Akteuren Kursphantasie erwachen", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect. Konzernchef Carsten Kengeter tritt aufgrund anhaltender Ermittlungen wegen des Verdachts des Insiderhandels zum Jahresende zurück.

Mit einem Tag Verzögerung haben die optimistischeren Aussagen des Aixtron-Managements zur Auftragsentwicklung den Aktien des Spezialmaschinenbauers doch noch Rückenwind verliehen. Sie sprangen um mehr als 7 Prozent auf ein Dreijahreshoch bei 12,15 Euro. Für den bisherigen Jahresverlauf bedeutet das ein Plus von rund 290 Prozent und damit den ersten Platz im TecDax . Aixtron hatte im dritten Quartal dank anhaltend guter Nachfrage schwarze Zahlen geschrieben und die Prognose für den Auftragseingang erhöht.

Der Euro fiel am Freitagnachmittag unter die Marke von 1,16 und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten. Am Donnerstag vor den EZB-Beschlüssen war er noch mehr als 1,18 Dollar wert. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1753 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von 0,27 Prozent am Vortag auf 0,22 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,33 Prozent auf 141,49 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,24 Prozent auf 162,07 Punkte./edh/jha/

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---

(AWP)