Aktien Frankfurt: Dax hängt fest - Nächste Stufe im Zollstreit erreicht

Nach seiner jüngsten Stabilisierung hat sich der Dax am Donnerstag nur wenig bewegt. Der Leitindex lugte im frühen Handel kurz über die Marke von 12 400 Punkten, schaffte es aber erneut nicht, darüber zu bleiben. Gegen Mittag notierte der Dax mit plus 0,02 Prozent auf 12 388,61 Punkten kaum verändert. Im bisherigen Wochenverlauf hat er 1,5 Prozent dazu gewonnen.
23.08.2018 11:44

Der Handelsstreit zwischen China und den USA hat nun eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nachdem Washington am Donnerstag weitere Strafzölle für Waren im Wert von 16 Milliarden US-Dollar in Kraft setzte, schlug Peking umgehend zurück. Eine chinesische Delegation befindet sich zwar noch zu Gesprächen in Washington, wegweisende Entscheidungen werden aber zunächst nicht erwartet.

Und doch sei es ein gutes Zeichen, dass man sich dazu entschieden hat, miteinander zu sprechen, sagte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Bis es neue Nachrichten gebe, dürfte der Dax gleichwohl auf der Stelle treten, vermutet er. Im Blick steht am Donnerstag zudem das Notenbanker-Treffen im amerikanischen Jackson Hole.

Die US-Währungshüter sehen den Handelskonflikt als grösstes Risiko für die Wirtschaftsaussichten, wie das am Vorabend veröffentlichte Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung zeigte. Aktuell spreche die anhaltend robuste Konjunktur aber für weitere "graduelle" Leitzinsanhebungen. Damit unterstreiche die Zentralbank ihre Unabhängigkeit gegenüber Donald Trump, kommentierte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners. Er glaubt nicht, dass sich die Fed vom US-Präsidenten einschüchtern lasse. Trump hatte sich zuletzt abermals wenig begeistert gezeigt von Zinsanhebungen und die Pläne der unabhängigen Notenbank kritisiert.

Im MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen gab es Gewinne von 0,44 Prozent auf 26 799,83 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax legte um 0,79 Prozent auf 2959,62 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,15 Prozent.

Auf der Konjunkturagenda standen am Donnerstag Daten zur Stimmung unter den Einkaufsmanagern in Deutschland. Sie zeigten für den Dienstleistungsektor ein etwas besseres, für die Industrie aber ein etwas schlechteres Ergebnis als erwartet. Am Nachmittag werden weitere Wirtschaftsdaten aus den USA sowie das Verbrauchervertrauen der Eurozone veröffentlicht.

Weiter im Blick stehen die Papiere von Continental . Nach der Gewinnwarnung am Vortag und einem darauf folgenden Kursabsturz von mehr als 13 Prozent senkten nun weitere Analysten ihre Kursziele für die Aktien des Autozulieferers und Reifenherstellers. Zuletzt verloren sie 2,4 Prozent und waren damit das Dax-Schlusslicht.

Nach einer pessimistischen Einschätzung der Berenberg Bank gaben die Aktien der Deutschen Bank um 1,7 Prozent nach. Analyst Eoin Mullany rät bei einem um ein Drittel auf 8 Euro gekappten Kursziel weiter zum Verkauf. Die Deutsche Bank verliere in einer von strukturellem Niedergang geprägten Branche Marktanteile, schrieb der Experte in einer Studie und senkte seine Gewinnschätzungen drastisch.

Die Bayer Aktien standen zuletzt gut 1 Prozent tiefer, reagierten aber auf Aussagen von Konzernchef Werner Baumann kaum. Baumann sieht den Kauf des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto durch das jüngste Urteil im Glyphosat-Prozess nicht in Frage gestellt.

Der Veranstalter und Ticketverkäufer CTS Eventim wuchs im ersten Halbjahr dank eines boomenden Geschäfts mit grossen Konzerten und Tourneen sowie Übernahmen stärker als erwartet. Bereits vor der Öffnung der Bücher hatten die Anleger auf gute Zahlen gehofft und die Aktien um 2 Prozent nach oben geschickt. Inzwischen beläuft sich der Aufschlag auf 4,6 Prozent. Dies bedeutete im MDax den ersten Platz.

Eine gestrichene Kaufempfehlung durch die Berenberg Bank setzten dagegen den Aktien der Deutsche Euroshop zu. Sie büssten als Schlusslicht im MDax gut 5 Prozent ein. Der Einkaufszentren-Betreiber habe nur noch begrenzte Wachstumsoptionen, begründete Analyst Kai Klose seine negativere Einschätzung.

Ein gutes zweites Quartal des Schweizer Telekomkonzerns Sunrise, an dem Freenet mit knapp 25 Prozent beteiligt ist, begünstigte die Aktien des im TecDax notierten deutschen Mobilfunkanbieters. Sie rückten um 1,5 Prozent vor. RIB Software gewannen an der Index-Spitze mehr als 9 Prozent.

Die Papiere von Tele Columbus stecken derweil weiter in ihrem seit Monaten laufenden Abwärtstrend fest. Am Donnerstag ging es für die Aktien des Kabelnetzbetreibers am SDax -Ende um weitere 6 Prozent nach unten. Das Tagestief von 2,405 Euro lag nur knapp über dem zum Wochenauftakt erreichten Rekordtief bei 2,385 Euro./ajx/jha/

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---

(AWP)