Aktien Frankfurt: Dax kämpft vor EZB-Sitzung um Stabilisierung

Der Dax kämpft nach seinen jüngsten Verlusten am Mittwoch um eine Stabilisierung. Nach einem freundlichen Handelsauftakt kam er schon bald kaum mehr von der Stelle. Vor der morgigen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte der deutsche Leitindex Mühe haben, in Schwung zu kommen, schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader.
19.07.2017 14:49

Zuletzt stand der Dax 0,09 Prozent im Plus bei 12 442,01 Punkten. Nach einem verhaltenen Wochenauftakt hatte er am Dienstag sichtbar unter dem anziehenden Eurokurs gelitten, der tendenziell die Exportchancen europäischer Unternehmen in Ländern ausserhalb des Währungsraums beeinträchtigt: Mit minus 1,25 Prozent stand der grösste Tagesverlust seit Ende Juni zu Buche.

STARKER EURO BLEIBT IM FOKUS

Die EZB dürfte sich etwas optimistischer zeigen und signalisieren, dass ein Ende der konjunkturstützenden Geldpolitik "nicht mehr allzu weit entfernt ist", glaubt Cutkovic. Dennoch werde der Euro wohl gefragt bleiben. Zuletzt schwächelte die Gemeinschaftswährung zwar etwas, behauptetet sich aber klar über 1,15 US-Dollar. Bei weiteren Dax-Abschlägen sehen Börsianer die nächste Unterstützungszone um die 12 300 Punkte. Bis auf fast diese Marke war der Index jüngst bereits zweimal gefallen.

Für den MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen ging es am Mittwoch um 0,21 Prozent auf 24 928,50 Punkte hoch und der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,53 Prozent auf 2290,89 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,30 Prozent auf 3489,16 Punkte.

Nachrichtenseitig blieb es ruhig. Später könnte die Anleger noch der wöchentliche Ölbericht aus den USA interessieren. So hatten zuletzt schwankende Ölpreise auch die Stimmung an der Börse immer wieder belastet. Gute Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt liessen den Dax kalt.

UBS-ABSTUFUNG BELASTET COMMERZBANK - RATIONAL ZOLLT RALLY TRIBUT

Für Kursbewegungen sorgten vor allem Analystenkommentare. Mit minus 2,58 Prozent Dax-Schlusslicht waren die Aktien der Commerzbank , nachdem die Schweizer Bank UBS ihre Kaufempfehlung gestrichen hatte. Analyst Daniele Brupbacher rechnet mit einer schwachen Kursentwicklung rund um die anstehenden Geschäftszahlen für das zweite Quartal.

Im MDax zollte Rational der jüngsten Kursstärke Tribut: Mit einem Verlust von 1,65 Prozent auf 521,35 Euro übernahmen die Titel des Grossküchengeräte-Herstellers die rote Laterne. Am Dienstag hatten sie bei 532,15 Euro eine Bestmarke erreicht.

COMMERZBANK-STUDIEN BEFLÜGELN RHEINMETALL UND BRENNTAG

Dagegen gehörten Rheinmetall zu den Favoriten der Anleger: Die Aktien gewannen 1,99 Prozent auf 88,14 Euro, womit das jüngst erreichte Rekordhoch von 90 Euro wieder in den Blick rückte. Hier sorgte eine neue Kaufempfehlung der Commerzbank für Schwung. Analyst Sebastian Growe hält die guten Aussichten für das Rüstungsgeschäft für nicht ausreichend in den Kurs eingepreist. Zeitgleich seien die Ängste der Anleger mit Blick auf das Autozuliefergeschäft zu gross.

Auch Brenntag profitierte von einer positiven Einschätzung der Commerzbank. Analyst Adrian Pehl schätzt das Nordamerika-Geschäft des Chemikalienhändlers vor den anstehenden Quartalszahlen nun wieder optimistischer ein und rät nicht mehr zum Verkauf der Aktien, die nun um 1,00 Prozent zulegten.

AUSGABE VON GRATISAKTIEN BELASTET PATRIZIA IMMOBILIEN

Derweil sackten die Aktien von Patrizia Immobilien um über 6 Prozent ab und waren abgeschlagenes Schlusslicht im SDax der gering kapitalisierten Werte. Die Aktien des Immobilienunternehmens wurden um die Ausgabe von Gratisaktien bereinigt gehandelt. Patrizia hatte die Ausgabe neuer Aktien im Verhältnis 10 zu 1 beschlossen, um die Liquidität der Papiere und damit die Handelbarkeit zu erhöhen.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von 0,33 Prozent am Vortag auf 0,31 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,05 Prozent auf 140,67 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,02 Prozent auf 161,76 Punkte. Der Euro sank auf 1,1530 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,1555 (Montag: 1,1462 Dollar) festgesetzt./gl/das

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

(AWP)