Aktien Frankfurt: Dax steigt auf Jahreshoch - Börsianer hoffen auf Endspurt

FRANKFURT (awp international) - Am deutschen Aktienmarkt sehen immer mehr Börsianer die lang ersehnte Jahresendrally endlich gekommen: Der Dax spurtete am Mittwoch von einer Jahresbestmarke zur nächsten und stand gegen Mittag mit 1,50 Prozent im Plus bei 10'937,13 Punkten. Zuvor war der deutsche Leitindex in der Spitze bis auf knapp 10'947 Punkte geklettert. Damit rückt auch die Marke von 11'000 Punkten immer näher.
07.12.2016 12:06

Satte Gewinne sah auch der breitere Markt: Der MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen zog erstmals seit Anfang November wieder über die Marke von 21'000 Punkten - zuletzt stand hier ein Plus von 1,03 Prozent auf 21'107,48 Punkte zu Buche. Der Technologiewerte-Index TecDax zog um 0,93 Prozent auf 1'716,27 Punkte an. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 1,03 Prozent auf 3'132,69 Zähler vor.

ITALIEN-REFERENDUM ENTFACHT GELDPOLITISCHE FANTASIE

Die Aufholjagd im Dax hatte zum Wochenstart begonnen, als die gescheiterte Verfassungsreform in Italien die Märkte weitgehend kalt gelassen hatte. Auch weltweit war von den zuvor befürchteten Turbulenzen an den Aktien- und Devisenmärkten keine Spur. Stattdessen habe die Regierungskrise in Italien aber eine neue geldpolitische Fantasie entfacht, schrieb Jochen Stanzl von CMC Markets. Damit richten sich alle Blicke auf die Europäische Zentralbank (EZB), die an diesem Donnerstag ihren Leitzinsentscheid bekannt geben wird.

Die Erwartungen an die Massnahmen, die EZB-Chef Mario Draghi morgen ankündigen werde, seien einmal mehr sehr hoch, schrieb Dirk Gojny von der National-Bank. So wird etwa auf eine zeitliche Verlängerung des milliardenschweren Kaufprogramms der Währungshüter spekuliert.

CMC-Experte Stanzl warnte jedoch, dass die Anleger sich mit ihren jüngsten Käufen am deutschen Aktienmarkt sehr weit aus dem Fenster lehnten. "Sie nehmen beste Nachrichten von der EZB vorweg, bevor sie bekannt sind. Geht das schief, ist am Ende die Ernüchterung gross", so Stanzl.

BANKEN WEITER IM AUFWIND

Auf Unternehmensseite verteidigten die Banken auch am Mittag das Siegertreppchen im Dax. Trotz der politischen Krise in Italien, die eine Sanierung der Banken des Landes nicht erleichtern dürfte, sind die Kurse der Branche europaweit auf dem Vormarsch. Börsianer sprachen am Mittwoch von einer "surrealen Situation". So verteuerten sich Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank um jeweils fast 4 Prozent.

Ebenfalls kräftige Kursgewinne konnten die Autobauer einfahren, sie zogen im Einklang mit dem europaweit starken Trend an. Vorne weg zogen Volkswagen-Anteile mit mehr als 3 Prozent Gewinn.

Dagegen konnten die Versorger nicht nachhaltig von dem günstigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts profitieren, das ihnen eine angemessene Entschädigung für den beschleunigten Atomausstieg zugesprochen hatte. Anteilsscheine an RWE und Eon gehörten zu den wenigen Verlierern im Leitindex. Nach den satten Zuwächsen am Vortag belasteten laut Börsianern nun Gewinnmitnahmen die Kurse moderat.

STEINHOFF NACH ZAHLEN GEFRAGT

In MDax eroberten die Aktien des Möbelhändlers Steinhoff mit einem Aufschlag von mehr als 8 Prozent den Spitzenplatz. Hier kamen die Zahlen für das im September beendete und diesmal fünf Quartale umfassende Geschäftsjahr bei den Anlegern ebenso gut an wie der zuversichtliche Ausblick./tav/das

(AWP)