Aktien Frankfurt: Dax steigt nach EZB-Entscheid auf Tageshoch über 13000 Punkte

Der Dax hat am Donnerstag nach den Beschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich zugelegt und dabei wieder die Marke von 13 000 Punkten geknackt. Er stieg bis auf 13 041 Punkte und notierte zuletzt 0,63 Prozent höher bei 13 034,65 Zählern. Zuvor hatte die Notenbank den Einstieg in den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik eingeläutet und eine Halbierung ihrer monatlichen Anleihekäufe angekündigt.
26.10.2017 14:42

Der MDax , in dem die Aktien mittelgrosser Konzerne vertreten sind, gewann am Donnerstag 1,07 Prozent auf 26 287,86 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax legte um 0,42 Prozent auf 2479,19 Punkte zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 0,62 Prozent vor.

Die EZB will von Januar 2018 an Staatsanleihen und andere Wertpapiere für monatlich 30 statt bisher 60 Milliarden Euro kaufen. Sparer müssen sich allerdings weiter gedulden. Den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, beliessen Notenbanker erwartungsgemäss auf dem Rekordtief von null Prozent.

Experten der Landesbank Baden-Württemberg begrüssten die Entscheidung: "Die EZB tut gut daran, von 'intensiv' auf 'normal' umzuschalten", schrieb Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei LBBW Research. "Angesichts starken Wachstums und solider Frühindikatoren sowie gesunden Abstands zur Null-Inflation ist die Therapie des Zurücknehmens der hohen Dosierung mehr als angebracht."

Helaba-Experte Ralf Umlauf kommentierte: "Die EZB vollzieht den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik erwartungsgemäss sehr vorsichtig, denn Hinweise auf eine baldige Erhöhung der Leitzinsen gibt es nicht." Zudem werde eine Fortsetzung der Anleihekäufe über den September 2018 nicht ausgeschlossen, sogar die Möglichkeit einer erneuten Aufstockung gebe es theoretisch.

Für Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, erfolgt der Einstieg in den Ausstieg hingegen zu zögerlich. Die Halbierung der Wertpapierkäufe sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. "Aber der Abbau müsste schneller erfolgen", kommentierte der Ökonom. "Die Geldpolitik bleibt durch die niedrigen Zinsen ohnehin expansiv."

Aus Unternehmenssicht standen Aktien der Deutschen Bank mit einem Verlust von 1,7 Prozent fast am Dax-Ende. Der Aufschwung beim grössten heimischen Geldhaus lässt weiter auf sich warten. Im dritten Quartal musste die Bank abermals ein rückläufiges Geschäft vermelden, verdiente dank Einsparungen aber mehr als doppelt soviel wie im Vorjahreszeitraum. Magdalena Stoklosa, Analystin bei Morgan Stanley, sprach von enttäuschenden Erträgen. Commerzbank-Analyst Michael Dunst bemängelte die niedriger als von ihm erwartet ausgefallene Kernkapitalquote.

Auch der Quartalsbericht von Bayer kam bei den Anlegern nicht gut an: Zuletzt rutschten die Papiere der Leverkusener als Schlusslicht im Dax um 2,6 Prozent nach unten und verzeichneten den tiefsten Stand seit einem Monat. Der Pharma- und Chemiekonzern hat vor der geplanten Rekordübernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto die Prognose für das laufende Jahr bestätigt. Bernstein-Experte Jeremy Redenius stufte das dritte Quartal jedoch als operativ schwach ein. Das Pharma-Geschäft habe enttäuscht.

An der Dax-Spitze fanden sich hingegen die Aktien von Beiersdorf mit einem Plus von 5,2 Prozent. Damit erholten sie sich von der steilen Abwärtsbewegung der vergangenen Handelstage und erklommen den höchsten Stand seit Juni. Nach guten Quartalszahlen hob der Nivea-Konzern seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2017 an. Das Pflegegeschäft habe im dritten Quartal einen Sprung nach vorn gemacht und die Klebstofftochter Tesa sei wieder zweistellig gewachsen, hiess es.

Die Hurrikan-Serie in den USA und der Karibik hat den Gewinn des weltgrössten Rückversicherers Munich Re zerfleddert. Die Zerstörungen durch die Wirbelstürme "Harvey", "Irma" und "Maria" kosten die Münchener voraussichtlich 2,7 Milliarden Euro. Das bisherige Gewinnziel ist damit endgültig passé. Die Anleger hatten aber offenbar noch Schlimmeres erwartet, denn die Munich-Re-Titel stiegen um 3,1 Prozent.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von 0,28 Prozent am Vortag auf 0,27 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 141,03 Punkte. Der Bund-Future stieg nach dem EZB-Entscheid um zuletzt 0,32 Prozent auf 161,62 Punkte. Der Euro sank hingegen auf zuletzt 1,1745 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1785 Dollar festgesetzt./edh/oca

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---

(AWP)