Aktien Frankfurt: Dax steigt so hoch wie nie zuvor

Der Dax ist am Mittwoch auf ein Rekordhoch gestiegen. Schon wenige Minuten nach Handelsbeginn erreichte der deutsche Leitindex bei 12 976,24 Punkten den höchsten Stand seiner fast 30-jährigen Geschichte. Anschliessend bröckelten die Kurse wieder etwas ab, zuletzt verbuchte der Dax noch ein Plus von 0,14 Prozent auf 12 921,21 Punkte.
04.10.2017 11:41

Damit löste der deutsche Leitindex das alte Rekordhoch aus dem Juni bei 12 951,54 Zählern ab. Rückenwind erhielten die Kurse vor allem von den US-Börsen, die zuletzt auf immer neue Rekordmarken gestiegen waren. Seit Jahresbeginn verbucht der Dax ein Plus von rund 13 Prozent.

Börsianer rechnen nun mit einem Test der runden Marke von 13 000 Zählern. "Sollte diese Hürde überwunden werden, bekäme der Markt ein sogenanntes Momentum und neue Käufer dürften den Index schnell weiter nach oben treiben", schrieb der Analyst Milan Cutkovic von AxiTrader. Einer Fortsetzung der Rally stehe kaum etwas im Weg.

Hintergrund der erfreulichen Entwicklung am deutschen Aktienmarkt sind die guten Wirtschaftsperspektiven der Eurozone. Ein wichtiger Treiber der Kursrally ist auch der Eurokurs, der zum Dollar jüngst wieder etwas zurückgefallen war. Eine schwächere Gemeinschaftswährung ist positiv für die Exportwirtschaft der Eurozone und treibt für gewöhnlich auch die Aktien der exportlastigen Unternehmen im Dax an. Hintergrund der Euroschwäche wiederum ist die US-Geldpolitik, denn eine weitere Zinserhöhung in den USA im Jahr 2017 scheint ausgemachte Sache.

Zugleich haben sich die Anleger ein dickes Fell in Sachen Krisen zugelegt: Ängste rund um geopolitische Spannungen wie dem Nordkorea-Konflikt legten sich. Das jüngste innenpolitische Hickhack in Spanien wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der Region Katalonien liess die Anleger am hiesigen Aktienmarkt bislang kalt. "Geopolitische Risiken werden immer stärker ignoriert", sagte Tobias Basse von der NordLB. In Deutschland wird derweil auf politische Stabilität auch unter einer möglichen Jamaika-Regierungskoalition aus CDU/CSU, Grünen sowie FDP gesetzt.

Experten trauen dem Dax nach dem Überwinden der nächsten runden Marke von 13 000 Zählern noch mehr zu. So kann der Sprung über eine solche Hürde den Kursen frischen Schwung verleihen, da auch Investoren angelockt werden, die sich zuvor noch zurückgehalten hatten und sich dann von der guten Stimmung mitreissen lassen. Um das weitere Potenzial abschätzen zu können, lohnt laut dem Chartexperten Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar ein Blick in die Vergangenheit mit ähnlichen Kursausbrüchen nach oben. Daraus errechne sich zunächst ein Potenzial bis auf fast 14 000 Punkte.

Der MDax , in dem die Aktien mittelgrosser Konzerne vertreten sind, legte um 0,08 Prozent auf 26 106,79 Punkten zu und stieg ebenfalls auf einen neuen Höchststand. Der TecDax gewann 0,47 Prozent auf 2486,33 Zähler - für den Technologiewerte-Index ist dies das höchste Niveau seit fast 17 Jahren. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 gab indes um 0,37 Prozent auf 3592,42 Punkte nach.

Zu den grössten Kursgewinnern im Dax gehörten die Papiere der Autobauer. VW-Papiere verteuerten sich um gut 2 Prozent. Die Wolfsburger haben die Verkäufe in den USA im September um rund ein Drittel gesteigert. Nachdem der Abgas-Skandal den Absatz zeitweise hatte einbrechen lassen, versucht VW mit einer SUV-Offensive und grosszügigen Kaufanreizen einen neuen Angriff in den USA.

Trotz leicht rückläufiger Absatzzahlen von BMW und Daimler in den USA legten deren Aktien ebenfalls kräftig zu. BMW lagen mit einem Plus von 1,7 Prozent auf Platz drei im Dax und Daimler mit einem Gewinn von 1,2 Prozent auf Rang vier. Beide Hersteller konnten den Absatzrückgang in den USA im September merklich drosseln.

Am Ende des Leitindex fanden sich die Aktien von Thyssenkrupp mit einem Minus von knapp 3 Prozent. Die Barclays Bank hat die Aktien auf "Untergewichten" gesenkt. Womöglich unterschätze der Markt die Schuldensituation des Industriekonzerns und überschätze die Gewinnperspektiven, hiess es zur Begründung.

Das Analysehaus MainFirst senkte die Aktien der Deutschen Post auf "Neutral". Der zum Wochenbeginn noch auf ein Rekordhoch gestiegene Kurs des Logistikkonzerns gab um 1,1 Prozent nach.

Unter den Nebenweren stiegen Gerresheimer-Aktien um 1,3 Prozent. Das Bankhaus Lampe hat die Papiere des Herstellers von Verpackungen für die Pharmabranche von "Halten" auf "Kaufen" gehoben. Papiere des IT-Dienstleisters Cancom stiegen um mehr als 3 Prozent, nachdem die Berenberg Bank die Bewertung der Papiere mit "Buy" aufgenommen hatte. Eine Abstufung von Telefonica Deutschland durch die Bank RBC Capital liess den Kurs des Mobilfunkanbieters um mehr als 3 Prozent fallen.

Aktien von SLM Solutions büssten nach der Ankündigung einer Wandelanleihe 3,6 Prozent ein. Der Hersteller von 3D-Metalldruckern begibt Anleihen im Umfang von bis zu 60 Millionen Euro, die Käufer später in Aktien wandeln können. Dieses potenziell höhere Aktienangebot drückte auf den Kurs./bek/jha/

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

(AWP)