Aktien Frankfurt: Dax stoppt Talfahrt - Brexit-Angst bleibt aber

FRANKFURT (awp international) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch zur Erholungsbewegung nach seiner jüngsten Talfahrt angesetzt. Der Dax kletterte bis zum Nachmittag mit 1,13 Prozent ins Plus auf 9627,21 Punkte. Zuvor war der deutsche Leitindex stark unter Druck geraten und hatte in den vergangenen fünf Handelstagen 7,47 Prozent verloren. Ängste vor den Folgen eines möglichen Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union - dem Brexit - hatten Aktien auf breiter Front nach unten gezogen.
15.06.2016 15:14

Der MDax erholte sich am Mittwochnachmittag um 1,11 Prozent auf 19 753,86 Punkte und der TecDax , der Auswahlindex für Technologiewerte, gewann 1,19 Prozent auf 1593,50 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte fast eineinhalb Prozent vor.

Investoren, die zuvor auf Verluste gesetzt hätten, machten nun wohl erst einmal Kasse, sagte Markus Huber, Händler für den Broker City of London Markets. Zudem gingen wohl einige Anleger bereits auf Schnäppchenjagd. Er warnte aber vor übertriebenem Optimismus angesichts der Kurserholung, zumal Anleger auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Abend warteten. Je nachdem ob es der Fed gelinge, die internationalen Kapitalmärkte mit Blick auf die Folgen eines möglichen Brexit zu beruhigen, könnten die Börsen auch schnell wieder unter Druck geraten, mahnte Huber mit Blick auf die Aktien.

VERSORGER FÜHREN MARKTERHOLUNG AN

Versorgerwerte avancierten zu den Favoriten im Dax: Eon-Aktien kletterten mit plus 2,48 Prozent an die Indexspitze, RWE verteuerten sich um 2,11 Prozent. Aktienhändler sprachen zum einen von einer Reaktion auf die jüngsten Kursverluste im Sektor. Zudem würden die Papiere wieder zunehmend als "Sicherer Hafen" angesehen. In unsicheren Zeiten würden sie entsprechend von risikoscheuen Anlegern als defensiv eingestufte Branche wieder mehr und mehr bevorzugt.

Bankaktien konnten ihre Kurserholung bis zum Nachmittag dagegen nur schwer halten. Bei Aktien der Deutschen Bank , die am Vormittag an der Dax-Spitze gestanden hatten, schmolz das Plus auf 0,23 Prozent zusammen. Commerzbank-Titel rutschten mit minus 0,45 Prozent ans Dax-Ende. Seit Ende Mai war die Branche im Zuge des freien Falls der Anleiherenditen und auch Brexit-Sorgen besonders schwer unter Druck geraten. Die Aktie der Deutschen Bank steht nahe ihres Rekordtiefs; seit Jahresbeginn hat das Papier rund 40 Prozent verloren und ist damit der schlechteste Dax-Wert 2016.

KUKA VON NEUEN SPEKULATIONEN BEFLÜGELT

Im MDax preschten Kuka-Papiere mit einem Plus von 4,39 Prozent voran. Der offizielle Startschuss für die geplante Offerte des chinesischen Investors Midea für den Roboterbauer könnte laut der "Börsen-Zeitung" am diesem Donnerstag fallen. Laut dem "Wall Street Journal" könnte Midea jedoch Konkurrenz bekommen: Der Schweizer Industriekonzern ABB erwägt demnach eine Gegenofferte für Kuka.

Auch Analystenstudien sorgten für Bewegung: Die Aktien von Wacker Chemie verteuerten sich um 3,26 Prozent nach einer Kaufempfehlung der Privatbank Berenberg für den Spezialchemiekonzern. Wirecard-Papiere stiegen im TecDax um 1,67 Prozent. Bei den Aktien des Zahlungsabwicklers sehen die Analysten der US-Investmentbank Stifel Nicolaus eine gute Kaufgelegenheit. Die Anteilsscheine des Arzneimittelherstellers Stada rutschten dagegen nach einem verhalten Kommentar von Jefferies äusserte nach ihrer jüngsten Kursrally um 1,73 Prozent ab./fat/das

--- Von Frederik Altmann, dpa-AFX ---

(AWP)