Aktien Frankfurt: Dax vor US-Daten im Minus - Renditeanstieg belastet

Der deutsche Aktienmarkt hat vor wichtigen US-Konjunkturdaten nachgegeben. Der Leitindex weitete seine Verluste aus und büsste bis zum Donnerstagmittag 0,58 Prozent auf 12 381,65 Punkte ein. Auf die Stimmung drückte zuletzt, dass die Rendite deutscher Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit erstmals seit Januar 2016 über 0,5 Prozent geklettert ist.
06.07.2017 11:57

Bereits seit gut einer Woche legt die Verzinsung von Bundesanleihen im Handel fast kontinuierlich zu. Grund dafür sind jüngste Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), die an den Finanzmärkten die Erwartung einer baldigen Reduzierung der EZB-Wertpapierkäufe bestärkt haben. Höhere Anleiherenditen verringern die Attraktivität von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren.

Der MDax der mittelgrossen Unternehmen fiel um 0,43 Prozent auf 24 643,24 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,16 Prozent auf 2220,66 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,66 Prozent.

MEDIENWERTE UNTER DRUCK

Am Nachmittag könnte der ADP-Bericht zur Beschäftigung im privaten US-Gewerbe im Juni für weitere Bewegung sorgen. Dieser gilt als Indikator für den offiziellen und viel beachteten Arbeitsmarktbericht, der am Freitag veröffentlicht wird. Bis zuletzt hat sich der Jobmarkt in den USA von seiner starken Seite präsentiert. Einige Volkswirte sprechen bereits von Vollbeschäftigung.

Hierzulande gerieten Medienwerte nach einer skeptischen Studie der US-Bank JPMorgan unter Druck. So büssten die Anteilsscheine von ProSiebenSat.1 am Dax-Ende mehr als 4 Prozent ein. Im MDax verloren die Papiere von RTL rund 1 Prozent. Die Werbetrends in der TV-Branche hätten sich von der starken Konjunktur und dem hohen Verbrauchervertrauen in Europa abgekoppelt, schrieb Analyst Marcus Diebel. Dies sei eine negative Trendwende, mit der ein wesentliches Argument für Investments im TV-Bereich wegfalle.

COMMERZBANK LEGEN ZU

Für die Papiere der Commerzbank ging es um fast 1,5 Prozent nach oben. Die Hoffnung auf bessere Zeiten für das seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut lockt offenbar die Investmentgesellschaft Cerberus an. Der Finanzinvestor, der in Europa zum Beispiel die Mehrheit an der österreichischen Bank Bawag hält, erwägt einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge eine Minderheitsbeteiligung am zweitgrössten börsennotierten deutschen Geldhaus.

Unter den Favoriten im MDax legten die Papiere von Rheinmetall um 0,30 Prozent zu. Der Autozulieferer und Rüstungskonzern erhielt einen Grossauftrag von der Bundeswehr

HHLA KLETTERN AN SDAX-SPITZE

An der Spitze des SDax der gering kapitalisierten Werte zogen die Aktien von HHLA um knapp 3,5 Prozent an. Analyst Adrian Pehl von der Commerzbank äusserte sich nach der Vorstellung des "Masterplans Schienengüterverkehr" der Bundesregierung positiv zu den Papieren des Hamburger Hafenbetreibers. Die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt in Aussicht gestellte Förderung des Schienenverkehrs nannte Pehl einen "Sinneswandel". Niedrigere Trassenpreise für den Schienengüterverkehr und niedrigere Stromkosten kämen den Frachtunternehmen zugute./la/stb

(AWP)