Aktien Frankfurt: Dax weiter auf Rekordkurs - Weg frei für Jahresendrally

Befeuert von einem schwachen Eurokurs und starken Quartalszahlen der US-Technologiekonzerne US-Technologiekonzerne Microsoft, Amazon und Google hat sich der Höhenflug des deutschen Aktienmarktes am Freitag fortgesetzt. Der Dax markierte am späten Vormittag einen historischen Höchststand von 13 249 Punkten und notierte zuletzt 0,81 Prozent höher bei 13 239,15 Zählern. Bereits am Vortag hatte der Leitindex nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) rasant zugelegt. Für die abgelaufene Woche deutet sich ein Gewinn von anderthalb bis zwei Prozent an.
27.10.2017 11:58

Der MDax , in dem die Aktien mittelgrosser Konzerne vertreten sind, gewann am Freitag 0,87 Prozent auf 26 742,75 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 1,24 Prozent auf 2521,22 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kletterte um 0,8 Prozent nach oben.

"Eine starke Bilanzsaison, solide Konjunkturdaten und eine vorsichtige EZB - alles deutet auf eine Fortsetzung der Rally im Dax hin", schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader. Zudem dürfte sich der Druck auf den Euro in den kommenden Tagen noch verstärken, glaubt er. Nach dem Durchbruch der als charttechnischen Widerstand angesehenen Marke von 13 200 Punkten sieht Cutkovic die nächste grössere Hürde erst bei 13 500 Zählern.

Auch sein Kollege Jochen Stanzl von CMC Markets sieht nach dem nachhaltig überwundenen Widerstand bei 13 000 Punkten den Dax nun zu Höherem berufen: "Es könnte jetzt schnell weiter nach oben gehen, denn das Umfeld stimmt. Nicht zu vergessen die Aussicht auf eine baldige Steuerreform in den USA, die die Wall Street auch in immer neue Höhen treibt."

Mit der Ankündigung halbierter monatlicher Anleihekäufe hatte die EZB am Donnerstag - wie von den meisten Ökonomen erwartet - den ersten Schritt zur Beendigung ihrer ultralockeren Geldpolitik gemacht. Während einige Experten den grundsätzlichen "Einstieg in den Ausstieg" begrüssten, hielten ihn andere für zu zaghaft. Den Leitzins beliessen die Notenbanker erwartungsgemäss auf dem Rekordtief von null Prozent.

Aus Unternehmenssicht standen vor allem die Quartalszahlen der Dax-Konzerne Volkswagen und Linde im Anlegerfokus. Eine optimistischere Einschätzung der Profitabilität des Autokonzerns im Gesamtjahr trieb die VW-Vorzugsaktien am Morgen auf den höchsten Stand seit Januar. Danach bröckelten die Papiere der Wolfsburger jedoch etwas ab, waren mit einem Plus von zuletzt 2,4 Prozent aber immerhin noch zweitbester Dax-Wert. Das um Sonderkosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte im dritten Quartal unerwartet kräftig.

Der vor der Fusion mit Praxair stehende Linde-Konzern profitierte auch im dritten Quartal von besser laufenden Geschäften in Europa und Asien. Allerdings bekam Linde erneut den Preisdruck im US-Gesundheitswesen zu spüren. Beim Umsatz traf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten. Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn (Ebitda) fiel besser als erwartet aus. Die zum Umtausch eingereichten Linde-Aktien stiegen an der Dax-Spitze um 2,9 Prozent.

Die Aktionäre der Deutschen Börse setzten offenbar auf frischen Schwung unter einem neuen Konzernchef. Die Aktien des Börsenbetreibers stiegen trotz enttäuschender Drittquartalszahlen um 1,4 Prozent. "Die Personalie rund um den Vorstandsvorsitz lässt bei vielen Akteuren Kursphantasie erwachen", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect. Konzernchef Carsten Kengeter tritt aufgrund anhaltender Ermittlungen wegen des Verdachts des Insiderhandels zum Jahresende zurück.

Bei den Fielmann-Aktien währte der Ausbruch auf ein Rekordhoch vom Vortag nur kurz: Nach einer Abstufung der Commerzbank rutschten die Papiere am MDax-Ende um 2 Prozent ab. Commerzbank-Analyst Oliver Metzger sieht für die Titel der Optikerkette kein weiteres Aufwärtspotenzial mehr und strich seine Kaufempfehlung. Im bisherigen Jahresverlauf waren die Fielmann-Titel in der Spitze um rund ein Viertel gestiegen - alleine seit September um etwa 10 Prozent.

Mit einem Tag Verzögerung haben die optimistischeren Aussagen des Aixtron-Managements zur Auftragsentwicklung den Aktien des Spezialmaschinenbauers doch noch Rückenwind verliehen. Sie sprangen um 5,3 Prozent bis auf ein Dreijahreshoch bei 11,88 Euro. Für den bisherigen Jahresverlauf bedeutet das ein Plus von fast 280 Prozent und damit den ersten Platz im TecDax . Aixtron hatte im dritten Quartal dank anhaltend guter Nachfrage schwarze Zahlen geschrieben und die Prognose für den Auftragseingang erhöht./edh/jha/

(AWP)