Aktien Frankfurt: Dax zu Thanksgiving weiter im Winterschlaf

FRANKFURT (awp international) - Der Dax hat sich am Donnerstag weiterhin nicht für eine klare Richtung entscheiden können. Am Nachmittag stand der Leitindex knapp mit 0,15 Prozent im Plus bei 10 678,34 Punkten, nachdem er im Tagesverlauf keine grossen Sprünge gemacht hatte. Er blieb damit in seiner engen Spanne zwischen 10 600 und 10 800 Punkten gefangen, die mittlerweile schon den elften Handelstag besteht. Ein erhoffter Ausbruch nach oben ist nicht in Sicht.
24.11.2016 14:41

Kaum vom Fleck kamen auch seine Indexkollegen: Die mittelgrossen Werte im MDax zeigten sich mit 20 711,72 Punkten nahezu unverändert, während der Technologiewerte-Index TecDax moderat um 0,18 Prozent auf 1720,94 Punkte zulegte. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone wiederum stand knapp mit 0,09 Prozent im Plus bei 3034,75 Zählern.

Ruhig ging es am Donnerstag auch wegen "Thanksgiving" zu. Viele amerikanische Investoren blieben dem Markt wegen des Feiertags in den USA fern, was sich auf dem Frankfurter Börsenparkett an niedrigen Handelsumsätzen bemerkbar machte.

EXPERTE: 'MARKT WEITER IM WINTERSCHLAF'

Die sonst potenziell marktbewegenden Indizes zum deutschen Geschäfts- und Konsumklima blieben am Donnerstag ohne Auswirkungen. Experten hatten zuvor schon bezweifelt, dass diese für entscheidende Impulse sorgen werden. "Vielmehr bekommt man das Gefühl, dass das Referendum in Italien abgewartet wird", sagte Analyst Orlando Rodrigues von der Privatbank Donner & Reuschel mit Blick auf die Abstimmung am 4. Dezember, bei der sich eine Schlappe für Ministerpräsident Matteo Renzi andeutet. Bis dahin drohe der deutsche Markt weiterhin in seinem Winterschlaf zu verharren.

Das Börsenstatistik-Magazin Index-Radar sieht die zähe Phase am deutschen Aktienmarkt noch nicht vor dem Ende. Franz-Georg Wenner rät aber zu erhöhter Aufmerksamkeit, weil es sehr schnell gehen könne, sobald sich der Markt für eine Richtung entscheidet. "Je länger eine Seitwärtsbewegung anhält, desto schwungvoller erfolgt erfahrungsgemäss der darauf folgende Ausbruch", sagte der Experte. "Darin entlädt sich die angestaute Erwartungshaltung der Investoren", fügte er hinzu.

SCHWERES FAZIT BEI THYSSENKRUPP

Bei den Einzelwerten zogen vor allem die Aktien von Thyssenkrupp die Blicke der Anleger mit vorgelegten Zahlen auf sich. Anleger schwankten zwischen Enttäuschung über den Ausblick für das neue Geschäftsjahr und dem von einigen Analysten aufgebrachten Verständnis für die Zurückhaltung des Stahlkonzerns. Die Papiere zeigten sich entsprechend wechselhaft: zuletzt lagen sie mit mehr als 1 Prozent im Minus.

Zu den Gewinnern im Dax zählten derweil die defensiv eingeschätzten Papiere aus dem Gesundheitssektor: Aktien von Fresenius Medical Care rückten an der Spitze um 1,5 Prozent vor. Sie waren dicht gefolgt von wichtigen Exportwerten wie Volkswagen oder BASF , die laut Mike van Dulken von Accendo Markets vom zuletzt schwachen Euro profitierten. Im Tagesverlauf war die Gemeinschaftswährung auf den tiefsten Stand seit März 2015 gefallen.

Im Dax weit hinten zu finden waren dagegen die Aktien von Infineon , die am Tag nach der Zahlenvorlage mit fast 2 Prozent unter Druck gerieten. Nach einem abermaligen Sprung auf eine Bestmarke seit 2002 nahmen einige Aktionäre ihre Gewinne mit. Neben positiver Nachlese gab es am Donnerstag auch einige kritische Stimmen. Analyst Tim Wunderlich von der Privatbank Hauck & Aufhäuser etwa rät nunmehr zum Verkauf der Aktien.

LUFTHANSA MIT FORTGESETZTEN STREIKS IM BLICK

Der fortgesetzte Arbeitskampf mit den Piloten beschäftigte am Donnerstag abermals die Aktionäre der Lufthansa , deren Papiere leicht um 0,3 Prozent nachgaben. Der Ausstand der Piloten sorgt dafür, dass im Laufe des Tages mehr als 900 Flüge ausfallen. Die Vereinigung Cockpit (VC) will ihren am Mittwoch begonnenen Streik nunmehr bis Freitag ausdehnen.

Im TecDax starteten die Aktien von United Internet und Nordex jeweils Erholungsversuche nach zuletzt kräftigen Kursverlusten. Titel des Telekomanbieters stiegen nach einer Kaufempfehlung des Bankhauses Lampe um 1 Prozent, während die Papiere des Windkraftanlagenbauers mit einem Aufschlag von mehr als 3,5 Prozent im Technologiewerte-Index weit vorne lagen./tih/she

(AWP)