Aktien Frankfurt: EZB-Zinsentscheid lässt den Dax kalt

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag kaum auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) und die anschliessende Pressekonferenz reagiert. Die Währungshüter lassen sich trotz der anziehenden Inflation nicht von ihrem Billiggeld-Kurs abbringen.
19.01.2017 15:05

Zuletzt stand der Dax 0,08 Prozent höher bei 11 608,38 Punkten. Damit kam der wichtigste deutsche Aktienindex weiter nicht von der Stelle. Seit Jahresbeginn pendelt er in einer engen Spanne um die Marke von 11 600 Punkten - ähnlich wie das US-Börsenbarometer Dow Jones Industrial , das sich seit Wochen vergeblich müht, erstmals die 20 000-Punkte-Schwelle zu überwinden.

Der MDax der mittelgrossen Unternehmen stieg am Donnerstagnachmittag um 0,05 Prozent auf 22 641,77 Zähler, während der Technologiewerte-Index TecDax um 0,44 Prozent auf 1830,45 Punkte sank. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,10 Prozent auf 3297,41 Punkte nach oben.

ÜBERNAHME IN BRANCHE TREIBT MTU AN

Europas Währungshüter halten die Geldschleusen im Euroraum trotz steigender Inflation weit geöffnet. Der EZB-Rat beliess bei seiner Sitzung den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Erst im Dezember hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere um neun Monate bis mindestens Ende 2017 ausgedehnt. Von April an will die Notenbank allerdings monatlich nur noch 60 Milliarden Euro statt 80 Milliarden Euro in den Markt pumpen.

Kursbewegende deutsche Unternehmensnachrichten waren am Donnerstag dünn gesät. Im MDax profitierten die Aktien des Triebwerkbauers MTU mit plus 1,23 Prozent von einer angekündigten Übernahme in der Branche. Der französische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Safran will den heimischen Zulieferer Zodiac Aerospace schlucken. Der gebotene Kaufpreis liegt gut ein Viertel über dem Zodiac-Schlusskurs vom Vortag.

Die Aktien von Commerzbank und Deutsche Bank zogen nach Beginn der EZB-Pressekonferenz um 3,78 beziehungsweise 1,31 Prozent an - damit belegten sie die beiden ersten Plätze im Dax.

ABSTUFUNGEN BELASTEN THYSSENKRUPP - JPMORGAN TREIBT BASF AN

Ansonsten sorgten vor allem Analystenkommentare für Kursausschläge. Thyssenkrupp-Titel waren nach zwei Abstufungen mit minus 1,35 Prozent grösster Verlierer im Dax. Sowohl die US-Investmentbank Morgan Stanley als auch das Analysehaus Warburg Research strichen ihre Kaufempfehlungen.

Dagegen gewannen die Anteilsscheine des Chemiekonzerns BASF 0,94 Prozent, womit sie zu den Favoriten der Anleger zählten. Die US-Bank JPMorgan rät nun zur Übergewichtung, da sich die Branchenaussichten merklich aufgehellt hätten.

VERKAUFSEMPFEHLUNG DRÜCKT AURUBIS ANS MDAX-ENDE

Im MDax eroberte Schaeffler mit einem Kursanstieg von 5,07 Prozent den ersten Platz. Trotz einer erwartet langsameren Fahrzeugproduktion dürfte 2017 für die europäischen Autozulieferer ein weiteres Wachstumsjahr werden, schrieb Ashik Kurian vom Analysehaus Jefferies. Er votiert nun für einen Kauf der Aktie.

Die Aktien des Kupferkonzerns Aurubis büssten hingegen als Schlusslicht 3,58 Prozent ein. Hier belastete eine Abstufung der US-Bank Goldman Sachs , die nun zum Verkauf rät. Der aktuelle Aktienkurs trage der ungünstigen Entwicklung der Schmelz- und Raffinierlöhne nicht ausreichend Rechnung, monierte Analyst Eugene King. Vor einer Woche hatte er bei 57,35 Euro noch den höchsten Stand seit über einem Jahr erreicht./gl/stb

(AWP)