Aktien Frankfurt: Gute Vorgaben stützen weitere Erholung

Gute Vorgaben der Übersee-Börsen und der erneut schwächelnde Euro haben dem Dax am Donnerstag zunächst eine weitere Erholung beschert. Allerdings hielten sich die Gewinne wie schon am Vortag in Grenzen. "Von einer nachhaltigen Erholung kann derzeit wahrhaftig nicht gesprochen werden", sagte Analyst Christian Henke vom Broker IG. Auch die Experten des Börsenstatistik-Magazins Index-Radar sprachen von einer vorerst nur temporären Entspannung.
31.08.2017 12:02

Gegen Mittag stieg der deutsche Leitindex um 0,59 Prozent auf 12 072,74 Punkte. Damit knüpfte er an seine Vortagesentwicklung an, als er um fast ein halbes Prozent zugelegt und knapp über der wichtigen Marke von 12 000 Punkten geschlossen hatte. Die als Trendindikator viel beachtete 200-Tage-Durchschnittslinie konnte der Dax so erst einmal wieder zurückerobern. Für den zu Ende gehenden August deutet sich auf diesem Niveau allerdings ein moderates Monatsminus an.

Für den MDax , den Index der mittelgrossen deutschen Unternehmen, ging es am Donnerstag um 0,60 Prozent auf 24 680,56 Punkte hoch. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,73 Prozent auf 2276,11 Punkte. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand ein Plus von 0,68 Prozent auf 3426,73 Zähler zu Buche.

GEOPOLITISCHE RISIKEN UND EURO BREMSEN WEITER

"Die geopolitischen Risiken sind zu gross und der Euro zu stark", dämpfte Experte Henke indes zu optimistische Erwartungen für die hiesigen Aktienmärkte. "Beide Belastungsfaktoren könnten durchaus noch eine Weile die Anleger beschäftigen und für einen turbulenten Herbst sorgen." Auch Uwe Eilers, Geschäftsführer der Frankfurt Vermögen GmbH, traut dem Frieden nicht so recht. Er verwies auf die Probleme des politisch isolierten US-Präsidenten Donald Trump, seine Steuerreformpläne umzusetzen, und die drohende Zwangsschliessung von US-Behörden wegen des Streits um eine Erhöhung der Schuldengrenze.

Zuletzt hatten ein neuerlicher nordkoreanischer Raketentest und der Euro-Anstieg bis auf über 1,20 US-Dollar auf die Stimmung gedrückt. Von ihrem Hoch aus ist die Gemeinschaftswährung inzwischen aber wieder um rund 2 Cent zurückgefallen, was zumindest vorerst für Entspannung sorgte.

Rückenwind gab am Donnerstag auch die japanische Börse, wo der weiter schwächelnde Yen dem Leitindex Nikkei 225 deutlich nach oben half. Auch von der Wall Street, wo die wichtigen Indizes auf neue Rekorde lauern, kamen positive Signale.

FIELMANN UND STEINHOFF LEGEN NACH ZAHLEN ZU

Am deutschen Aktienmarkt standen einige Unternehmen mit ihren Geschäftsberichten im Mittelpunkt. Im MDax gewannen Fielmann-Titel marktkonforme 0,72 Prozent. Die Optikerkette konnte dank der Eröffnung neuer Filialen im zweiten Quartal den Umsatz steigern, wogegen die Gewinne stagnierten. Analysten hatten mit einer solchen Entwicklung allerdings schon gerechnet.

Die Aktien von Steinhoff legten um deutlichere 1,39 Prozent zu. Der deutsch-südafrikanische Möbelkonzern hatte in den ersten neun Monaten des Jahres vor allem dank Übernahmen seinen Umsatz um fast die Hälfte gesteigert.

CECONOMY PROFITIERT VON ZAHLEN - METRO UNTER DRUCK

In unterschiedliche Richtungen ging es für die Papiere des Elektronikhändlers Ceconomy und des Lebensmittelhändlers Metro - beide Unternehmen sind aus der Aufspaltung des Handelskonzerns Metro hervorgegangen, dessen Namen der Lebensmittelhändler fortführt. Ceconomy konnte im dritten Geschäftsquartal dank eines guten Onlinegeschäfts den Umsatz steigern und den operativen Verlust eindämmen. Die Aktien gewannen 1,41 Prozent.

Derweil sackten die Metro-Titel um 1,88 Prozent ab. Auch der Lebensmittelhändler hatte seinen Quartalsumsatz gesteigert, wozu Zukäufe und Zuwächse im Grosshandel beitrugen. Bernstein-Analyst Bruno Monteyne monierte jedoch eine enttäuschende Gewinnentwicklung. Das operative Ergebnis (Ebit) vor Sondereffekten habe die Konsensschätzungen ebenso verfehlt wie das Ergebnis je Aktie (EPS). Zudem drückten negativ aufgenommene Geschäftsresultate des französischen Konkurrenten Carrefour auf die Branchenstimmung.

STADA LEIDET UNTER DIVIDENDENABSCHLAG UND INVESTOR-FORDERUNGEN

Beim Pharmakonzern Stada stand nur deshalb ein Kursminus zu Buche, weil die Titel nach der gestrigen Hauptversammlung exklusive der ausgezahlten Dividende von 0,72 Euro je Aktie gehandelt wurden. Dass Finanzinvestor Paul Singer, der knapp 11 Prozent an Stada hält, Druck auf die neuen Eigner ausübt, beeindruckte die Anleger offenbar kaum. Singers Hegdefonds Elliott will den von den Investoren Bain Capital und Cinven angestrebten Beherrschungsvertrag nur gegen eine Mindestabfindung von 74,40 Euro je Aktie unterstützen. Dies wäre ein Aufschlag von mehr als 8 Euro je Aktie auf den ursprünglichen Angebotspreis von 66,25 Euro - aber immer noch deutlich weniger als die 83,65 Euro, auf die die Aktie in der Spitze geklettert war./gl/stb

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

(AWP)