Aktien Frankfurt: Italien-Turbulenzen drücken Dax wieder ins Minus

Eurokritische Aussagen aus den Reihen einer der populistischen Regierungsparteien Italiens haben den Dax am Dienstag belastet. Der deutsche Leitindex fiel bis zum frühen Nachmittag um 0,66 Prozent auf 12 257,43 Punkte und büsste damit einen Grossteil seiner Vortagesgewinne wieder ein. Bereits am Freitag hatte Italiens Schuldenpolitik die Anleger vergrault.
02.10.2018 15:05

Der Index der mittelgrossen Werte MDax stand am frühen Dienstagnachmittag 1,04 Prozent im Minus bei 25 904,83 Punkten. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es etwas weniger stark nach unten.

Auslöser der jüngsten Turbulenzen war ein Radiointerview mit Claudio Borghi, dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses in der italienischen Abgeordnetenkammer. Borghi sagte, er sei mehr als sicher, dass Italien mit einer eigenen Währung die gegenwärtigen Probleme lösen könnte. Auch wenn führende Politiker umgehend den Verbleib in der Eurozone versicherten, kam es erneut zu einem starken Anstieg der Risikoaufschläge für italienische Anleihen.

Schon Tags zuvor hatte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker angesichts der in Rom angepeilten höheren Neuverschuldung eine strenge Gangart gegenüber Italien angemahnt. Dies lasse vermuten, dass Brüssel und Rom sich auf einem offenen Konfrontationskurs befinden, sagte Analyst Jens Klatt von JK Trading. Insofern habe der Dax auch nur kurz positiv auf die Beschwichtigungsversuche aus Rom reagiert

Besitzer älterer Diesel in Regionen mit besonders schmutziger Luft sollen derweil neue Angebote zum Kauf sauberer Wagen und für Hardware-Nachrüstungen bekommen. Das geht aus dem Beschlusspapier der Koalitionsspitzen hervor. Daniel Saurenz von Feingold Research nannte die Einigung etwas weich, allerdings könnten die Hersteller mit der Vereinbarung ganz passabel leben.

Autowerte schlugen sich insofern besser als der schwache Gesamtmarkt. So legten BMW etwas zu, und die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) notierten minimal im Plus. Die Aktien von Daimler zogen sogar an der Dax-Spitze um 2 Prozent an.

Am Dax-Ende fanden sich die Aktien von Siemens mit einem Minus von rund 3 Prozent wieder. Die britische Investmentbank HSBC hatte ihre Kaufempfehlung für die Aktien des Industriekonzerns gestrichen. Das anhaltend schwierige Umfeld im Strom- und Gasgeschäft sowie das nachlassende Wachstum in der Sparte Digital Factory könnten den Spielraum für Gewinnsteigerungen begrenzen, schrieb Analyst Michael Hagmann.

Schlusslicht im Index der Kleinwerte SDax waren die Nordex-Aktien mit einem Verlust von mehr als 6 Prozent. Analyst Sean McLoughlin von der Investmentbank HSBC konstatierte in einer aktuellen Branchenstudie zwar eine gute Auftragslage. Er bleibt jedoch skeptisch für die Profitabilität des Herstellers von Windkraftanlagen, die sich nicht vor 2020 erholen dürfte.

Personelle Veränderungen im Aufsichtsrat halfen den schwer angeschlagenen Papieren von Tele Columbus . Am Vorabend hatte der Kabelnetzbetreiber gemeldet, dass Frank Krause und Volker Ruloff ihre Aufsichtsratsmandate zum 3.Oktober niederlegen. Aus Sicht eines Marktteilnehmers sorgt gerade der Rücktritt von Krause, Vertreter des Grossaktionärs United Internet , für Spekulationen, dass von dieser Seite etwas bevorstehen könnte und ein Interessenkonflikt vermieden werden soll. Die Anteilsscheine von Tele Columbus zogen an der SDax-Spitze um gut 7 Prozent an.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,34 Prozent am Montag auf 0,27 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,36 Prozent auf 140,77 Punkte. Der Bund Future legte um 0,35 Prozent auf 159,35 Punkte zu. Der Euro notierte zuletzt bei 1,1540 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1606 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8616 Euro gekostet./la/jha/

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

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