Aktien Frankfurt: Macrons Etappensieg treibt Dax erstmals über 12 400 Punkte

Der Erfolg des europafreundlichen französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron im ersten Wahlgang hat am Montag die Aktienmärkte entfesselt. Dax und MDax schafften es auf Höchststände. Der deutsche Leitindex übersprang erstmals die 12 400-Punkte-Hürde. Die Anleger griffen vor allem bei Bankaktien zu. Dass sich im April zudem die bereits gute Stimmung in den deutschen Unternehmen laut den ifo-Geschäftsklima-Daten weiter deutlich aufhellte, tat ein Übriges.
24.04.2017 14:54

Am Nachmittag lag der Dax mit 3,13 Prozent im Plus bei 12 425,77 Punkten nur rund 3 Punkte unter seinem Rekordhoch. Der MDax , der die Aktien mittelgrosser Unternehmen repräsentiert, überwand die Marke von 24 500 Punkte und legte zuletzt um 2,17 Prozent auf 24 505,61 Punkte zu. Der Technologie-Index TecDax rückte um 2,01 Prozent auf 2057,08 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit 2001 vor.

Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 3,94 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit August 2015. Der französische CAC-40 gewann sogar 4,24 Prozent und erreichte zeitweise den höchsten Stand seit 2008.

'WIRTSCHAFT UND FINANZMÄRKTE KÖNNEN AUFATMEN'

Nach dem Erfolg von Macron können Wirtschaft und Finanzmärkte erst einmal aufatmen, kommentierte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Marcel Fratzscher. "Mit Emmanuel Macron steht der führende Kandidat für Wirtschaftsreformen und ein starkes Europa", erklärte er und hält eine weitere wichtige Hürde zur Beendigung der Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa für genommen.

Von einem "perfekten Szenario" für die Märkte sprach Devisenstratege Sebastien Galy von der Deutschen Bank. Anleihe-Experte Dirk Gojny von der National-Bank in Essen sieht nun eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Macron in der Stichwahl am 7. Mai siegt. Investoren sehen dies ähnlich und wechselten daher aus eher sicheren Anlageformen wie etwa dem japanischen Yen oder Gold zurück in risikoreichere Anlagen wie Aktien.

ANLEIHEN UNTER DRUCK - EURO LEGT KRÄFTIG ZU

Staatsanleihen litten entsprechend auch unter Abgabedruck. Der Bund Future büsste 0,74 Prozent auf 161,30 Punkte ein. Der Rentenindex Rex sank um 0,57 Prozent auf 141,64 Punkte. Die Umlaufrendite am Rentenmarkt stieg derweil von 0,03 Prozent am Freitag auf 0,14 Prozent.

Der Euro sprang zeitweise bis auf 1,0911 US-Dollar und damit auf das höchste Niveau seit Anfang November. Er wurde zuletzt mit 1,0859 Dollar gehandelt. Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs noch auf 1,0698 Dollar festgesetzt.

BANKAKTIEN FAVORISIERT - IMMOBILIENWERTE VERLIEREN

Favoriten der Anleger in Europa waren die Anteilsscheine von Banken und anderen Finanzdienstleistern, die laut Goldman Sachs besonders vom Sieg des wirtschaftsfreundlichen EU-Befürworters Macron profitierten. Die Risiken nähmen ab, ein konstruktiver Wahlausgang wirke stabilisierend für Europa, hiess es. Commerzbank-Aktien schossen um 9,40 Prozent hoch. Die Aktien der Deutschen Bank , die zudem von einer Kaufempfehlung der australischen Bank Macquarie profitierten, gewannen 7,74 Prozent. Zudem kam den Bankaktien auch die Aussicht auf eine weniger strenge Regulierung in den USA zugute: US-Präsident Donald Trump leitete weitere Schritte zum möglichen Regelabbau im US-Finanzsektor ein.

Die als defensiv geltenden Immobilienwerte wie Vonovia oder Deutsche Wohnen wurden dagegen entsprechend gemieden. Sie zählten zu den ganz wenigen Verlierern am deutschen Aktienmarkt.

SARTORIUS NACH ZAHLEN AUF REKORDHOCH - SÜDZUCKER ENTTÄUSCHT

Die Aktien des Labor- und Pharmazulieferers Sartorius stiegen nach der Vorlage von Quartalszahlen auf ein Rekordhoch bei 84,00 Euro. Die Papiere von Südzucker gaben dagegen ihre Gewinne fast vollständig ab, nachdem Europas grösster Zuckerproduzent beim Umsatz und dem operativen Ergebnis für 2016/17 enttäuscht hatte.

Die Anteilsscheine des Wafer-Herstellers Siltronic gaben um 5 Prozent nach. Laut einem Bericht der chinesischen Wirtschaftszeitung "Economic Daily News" wollen die japanischen Unternehmen Sumco und Shin-Etsu Handotai, die den taiwanischen Markt beliefern, die Wafer-Preise im zweiten Halbjahr um nur 10 Prozent erhöhen. Am Markt sei mit rund 30 Prozent gerechnet worden./ck/mis

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---

(AWP)