Aktien Frankfurt: Nach vier Rekorden nimmt der Dax eine Auszeit

Nach vier Dax -Rekorden in Folge ist dem deutschen Leitindex am Donnerstag die Puste ausgegangen. Um mehr als 500 Punkte oder 4 Prozent war der Dax seit vergangenem Donnerstag gestiegen. Nun legen Investoren eine Pause ein, zumal mit der Benennung des neuen Chefs der US-Notenbank an diesem Donnerstag und dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag noch zwei Höhepunkte bevorstehen. Gegen Mittag gab der Dax um 0,12 Prozent auf 13 448,92 Punkte leicht nach.
02.11.2017 14:52

"Erste Anleger gehen auf Nummer sicher und realisieren einen Teil ihrer Gewinne", schrieb Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in einem Marktkommentar. Anleger sollten also auf der Hut sein. Zuletzt hatten immer mehr Analysten und Strategen darauf hingewiesen, dass die Aktien-Rally "heiss" gelaufen und eine Abkühlung nötig sei.

Die Zinserhöhung der Bank of England hat den deutschen Aktienmarkt nicht beeinflusst. Wie allgemein erwartet, erhöhte die Notenbank den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,50 Prozent. Es war die erste Zinserhöhung seit rund zehn Jahren. Beobachter hatten daher im Vorfeld nicht ausgeschlossen, dass der Schritt die Aktienmärkte bewegen könnte.

Der MDax , in dem die Aktien mittelgrosser deutscher Konzerne vertreten sind, rückte um 0,14 Prozent auf 26 897,90 Zähler leicht vor. Der Technologiewerte-Index TecDax sank um 0,31 Prozent auf 2563,61 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,34 Prozent auf 3684,91 Punkte abwärts.

Bewegen könnte die Börsen auch die wichtigste Personalie der US-Notenbank (Fed). US-Präsident Donald Trump dürfte am Donnerstag seinen Kandidaten für den Chefposten der Federal Reserve benennt, den der Senat noch bestätigen muss. Als Favorit für die Nachfolge der 2014 von Ex-Präsident Barack Obama eingesetzten Volkswirtin Janet Yellen gilt der erfahrene Notenbanker Jerome Powell.

Nach wie vor setzen die Quartalszahlen der Unternehmen die Akzente bei den Einzelwerten. Nicht so gut kamen am Markt die Ergebnisse der beiden Gesundheitskonzerne Fresenius und FMC an. Fresenius verloren 2,33 Prozent und FMC 0,89 Prozent. Bei Fresenius blieb der operative Gewinn (Ebit) im dritten Quartal etwas hinter den Analystenerwartungen zurück. Beim Dialyseanbieter FMC erfüllten die Ergebnisse knapp die Erwartungen.

Anders bei Hugo Boss , die Modekette schraubte nach dem dritten Quartal die Umsatzprognose für 2017 nach oben. Der Kurs sprang daraufhin um 5,14 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Die Experten der Commerzbank und der Equinet Bank bekräftigten ihre Kaufempfehlungen für die Aktie.

Im Fokus steht zudem der Börsengang des Kochboxversenders HelloFresh . Die am Vorabend zu 10,25 Euro je Aktie ausgegebenen Papiere nahmen den Handel mit einem Kurs von 10,60 Euro auf. Aktuell lagen sie mit 10,70 Euro noch etwas höher. Der Ausgabepreis von 10,25 Euro lag in der Mitte der zuvor festgelegten Spanne. Dies hatte bei Börsianern mit Blick auf die damit verbundene Bewertung für Enttäuschung gesorgt.

Bei Fraport übertraf der Nettogewinn im dritten Quartal die Erwartungen recht deutlich. Die Papiere des Flughafenbetreibers drehten jedoch im Verlauf des Handels ins Minus und verloren 1,05 Prozent. Seit Jahresbeginn waren sie um fast 50 Prozent gestiegen.

Kräftige Kursgewinne verbuchten die Aktien der im TecDax enthaltenen Evotec und Pfeiffer Vacuum . Evotec zogen um 12,82 Prozent an, nachdem das Bankhaus Lampe die Papiere des Wirkstoffentwicklers für die Pharmabranche von "Halten" auf "Kaufen" erhöht hatte. Starke Quartalszahlen verhalfen dem Kurs des Herstellers von Vakuumpumpen zu einem Plus von 5,41 Prozent. Nach schwachen Zahlen büssten die Aktien des Medizintechnikherstellers Drägerwerk 5,19 Prozent ein.

Aktien des Automobilzulieferers Norma litten unter einer Abstufung auf "Hold" durch die Investmentbank Kepler Cheuvreux und fielen um 2,85 Prozent. Eine Kaufempfehlung der Commerzbank liess den Kurs der Beteiligungsgesellschaft Indus Holding um 6,91 Prozent nach oben schnellen. Ein positiver Kommentar der Deutschen Bank sorgte bei den Aktien des Werbedienstleisters Ströer für ein Plus von 2,67 Prozent.

Papiere von Borussia Dortmund verloren 3,92 Prozent auf den niedrigsten Kurs seit mehr als zwei Monaten. Der BvB hatte am Vorabend mit einem 1-1-Unentschieden im Champions-League-Heimspiel gegen Apoel Nikosia nicht nur die Fans, sondern auch die Anleger enttäuscht.

Der Euro legte leicht zu auf 1,1648 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1612 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,19 Prozent am Vortag auf 0,21 Prozent. Der Rentenindex Rex gab um 0,09 Prozent auf 141,54 Punkte nach. Der Bund-Future gewann 0,04 Prozent auf 162,55 Punkte./bek/jha/

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

(AWP)