Aktien Frankfurt Schluss: Brexit-Angst treibt Anleger zum Ausgang

FRANKFURT (awp international) - Der Dax hat am Montag erneut unter der Angst vor einem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union gelitten. Der deutsche Leitindex setzte seinen jüngsten Abwärtstrend fort. Er ging 1,80 Prozent schwächer bei 9657,44 Punkten aus dem Handel - das war der tiefste Schlussstand seit über zwei Monaten. Bereits am Freitag war das Börsenbarometer erstmals seit zweieinhalb Wochen wieder unter die viel beachtete Marke von 10 000 Punkten gefallen.
13.06.2016 18:06

"Die Aktienmärkte befinden sich jetzt vollends im Klammergriff der Angst vor einem Brexit.", schrieb Börsenexperte Jochen Stanzl von CMC Markets. "Die jüngsten Umfragen geben keine Entwarnung, im Gegenteil: Der Trend zu einer Mehrheit der Brexit-Befürworter ist weiterhin intakt." Die sinkenden Ölpreise, die vielen Anlegern als negativer Konjunkturindikator gelten, waren den Rohstoffexperten der Commerzbank zufolge ebenfalls unter anderem der Brexit-Angst geschuldet.

Der MDax der mittelgrossen Unternehmen gab zum Wochenauftakt um 1,90 Prozent auf 19 801,12 Punkte, während der Technologiewerte-Index TecDax 1,83 Prozent auf 1611,82 Zähler verlor. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,98 Prozent auf 2853,52 Punkte nach unten. Die nationalen Indizes in Paris und London verloren ebenfalls deutlich. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial zeigte sich derweil zum europäischen Börsenschluss nur knapp im Minus.

STILLSTAND BEI MONSANTO-KAUF STÜTZT BAYER

Mit plus 0,07 Prozent einziger Dax-Gewinner waren die Bayer-Titel. Experte Ulrich Huwald vom Analysehaus Warburg Research verwies auf einen Pressebericht, wonach der US-Saatgutspezialist Monsanto die Übernahmeofferte des deutschen Chemie- und Pharmakonzerns erneut zurückgewiesen habe. Bayer hatte vor drei Wochen 62 Milliarden US-Dollar für Monsanto geboten. Das hatte die Aktie von Bayer merklich belastet. Seitdem Monsanto die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen hatte, wird über einen Preisaufschlag spekuliert.

Mit einem Kursabschlag von 6,38 Prozent waren Bilfinger-Aktien das Schlusslicht im MDax. Sie weiteten damit ihre Verluste der vergangenen sieben Handelstage auf rund 30 Prozent aus. Zuletzt hatten sich die negativen Analystenreaktionen mit Abstufungen und Kurszielsenkungen gehäuft. Davor hatte die Entscheidung des Konzerns, seine Bau- und Gebäudedienstleistungssparte zu verkaufen, nur kurz für Entlastung gesorgt.

ÜBERNAHMEFANTASIE BEFLÜGELT XING

Bei den Technologiewerten favorisierten die Anleger das Online-Karrierenetzwerk Xing : Die Aktien zogen um letztlich 3,90 Prozent an, nachdem bekannt geworden war, dass der Softwarekonzern Microsoft Xings US-Konkurrenten Linkedin schlucken will. Die Offerte von 196 Dollar pro Linkedin-Aktie beinhaltet einen satten Aufpreis auf den Schlusskurs vom Freitag und bewertet Linkedin - inklusive Barreserven - mit rund 26 Milliarden Dollar.

"Nun ist es spannend zu sehen, ob auch andere Unternehmen aus dem Bereich auf Kauflisten von Softwareunternehmen stehen", sagte Händler Andreas Lipkow vom Berliner Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Xing ist an der Börse nun knapp über 1 Milliarde Euro wert.

MANZ STÜRZEN NACH PROJEKT-RÜCKSCHLAG AB

Manz-Aktien büssten hingegen nach einem Rückschlag in dem als Hoffnungsträger geltenden Batteriegeschäft gut 19 Prozent ein. Ein Kunde hatte ein Grossprojekt im Bereich Energy Storage gestoppt. Nun fürchtet das Management um die Jahresziele.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von minus 0,07 Prozent am Freitag auf ein Rekordtief von minus 0,09 Prozent. Der Bund-Future verlor 0,04 Prozent auf 164,75 Punkte. Der Kurs des Euro stieg auf 1,1285 Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1268 (Freitag: 1,1304) US-Dollar festgesetzt; der Dollar kostete damit 0,8875 (0,8846) Euro./gl/he

(AWP)