Aktien Frankfurt Schluss: Dax erleidet grössten Wochenverlust des Jahres

Der Höhenflug des Euro hat dem Dax den bislang grössten Wochenverlust des Jahres eingebrockt. Ein starker Euro kann die Ausfuhren von Waren deutscher Unternehmen erschweren. Als Belastung hinzu kam der deutliche Anstieg der Renditen am Anleihemarkt, der Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren unattraktiver erscheinen lässt.
30.06.2017 18:18

Am Freitag sank der deutsche Leitindex um 0,73 Prozent auf 12 325,12 Punkte und notiert damit wieder auf dem Niveau von Ende April. Damit hat der Dax auf Wochensicht 3,21 Prozent eingebüsst. Im abgelaufenen Monat Juni verlor er mehr als 2 Prozent, während aber für das zweite Quartal und insbesondere für den bisherigen Jahresverlauf ein Plus zu Buche steht.

Der MDax hingegen, in dem mittelgrosse Unternehmen abgebildet sind, legte am Freitag um 0,09 Prozent auf 24 452,30 Zähler zu. Der Technologiewerte-Index TecDax erholte sich noch deutlicher von seinen jüngsten Verlusten und gewann 0,69 Prozent auf 2188,25 Punkte.

BAYER AM DAX-ENDE

Der Höhenflug des Euro und der deutliche Renditeanstieg am Anleihemarkt resultierten aus jüngsten Äusserungen zur Geldpolitik in Europa. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass die Inflation anziehen wird und so Spekulationen auf eine Straffung der Geldpolitik geschürt. Die Vorstellung sorgt für Unbehagen, da die Währungshüter bereits seit Jahren mit ihrer sehr expansiven Politik die Kurse am Aktienmarkt antreiben. Viele Volkswirte zeigen sich derweil mit Blick auf die weitere Inflationsentwicklung skeptisch.

Unter den Einzelwerten im Dax stachen die Papiere von Bayer und Adidas hervor. Bayer-Aktien als Schlusslicht im Dax büssten nach einer überraschenden Umsatz- und Gewinnwarnung rund 4 Prozent ein. Vor allem das Brasilien-Geschäft macht dem Dax-Schwergewicht Probleme. Adidas-Papiere profitierten an der Index-Spitze mit einem Plus von gut 2 Prozent davon, dass das Wachstum des US-Konkurrenten Nike im abgelaufenen Quartal auf seinem Heimatmarkt stagnierte.

VERLUSTE AUCH IN EUROPA

Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,85 Prozent auf 3441,88 Zähler nach unten. In Paris und London gerieten die nationalen Indizes am Freitag ebenfalls unter Druck. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hingegen stand zum europäischen Börsenschluss moderat im Plus.

Nach dem durchwachsenen Börsendebüt der Restaurantkette Vapiano am Dienstag wagte nun der Essens-Lieferdienst Delivery Hero den Gang aufs Parkett. Der erste Kurs der Rocket-Internet-Beteiligung mit den Marken Lieferheld, Pizza.de und Foodora lag bei 26,90 Euro und damit über dem Ausgabepreis von 25,50 Euro. Zum Handelsschluss notierten die Aktien bei 27,80 Euro. Die Papiere des bislang grössten Börsengangs des Jahres hierzulande haben dank ihrer Notierung im streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse Chancen, in den MDax aufzusteigen.

UMLAUFRENDITE STEIGT

Mit dem Wohnimmobilien-Entwickler Noratis stand darüber hinaus auch noch ein kleinerer Börsengang an, der jedoch enttäuschend ausfiel. Die Anteilsscheine gaben deutlich nach.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,23 Prozent am Vortag auf 0,28 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,08 Prozent auf 140,79 Punkte. Der Bund Future gab um 0,10 Prozent auf 161,97 Punkte nach. Der Kurs des Euro bewegte sich zum Wochenschluss nur wenig: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1412 (Donnerstag: 1,1413) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8763 (0,8762) Euro./la/jha/

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

(AWP)