Aktien Frankfurt Schluss: Dax geht auf Talfahrt

Der Dax ist am Donnerstag stark unter Druck geraten. Der deutsche Leitindex rutschte sogar kurzzeitig unter 12 400 Punkte. Auch der starke Euro, der auf den höchsten Stand seit 13 Monaten stieg, trug zur trüben Stimmung am deutschen Aktienmarkt bei.
29.06.2017 18:21

Der Leitindex, der zunächst freundlich gestartet war, schloss letztlich mit minus 1,83 Prozent auf 12 416,19 Punkte knapp über seinem kurz zuvor erreichten Tagestief. Er befindet sich damit wieder auf dem tiefsten Stand seit April.

"An diesem Morgen und ausserdem noch am Tag vor dem Halbjahresabschluss hat wohl kaum einer mit einer solchen Entwicklung gerechnet", sagte Experte Frederik Altmann von Alpha Wertpapierhandel.

STURZ BIS 12 000 PUNKTE NOCH KEINE GEFAHR FÜR DAX

Händler Andreas Lipkow sieht in der kräftigen Talfahrt des Dax die Rückkehr der Unsicherheit. "Nach den zuletzt fehlenden Impulsen für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung wurde in dem vom Sommerloch geprägten Handelsumfeld nun die andere Richtung ausgetestet", sagte er. Ein Paradigmenwechsel sieht Lipkow in der Bewegung allerdings noch nicht, was auch der Auffassung der Charttechniker vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar entspricht. Nach dem Absacken unter 12 500 Punkte könnte der Druck zwar weiter in Richtung 12 000 Punkte zunehmen, doch sei das Aufwärtsbild damit noch nicht zerstört. In diesem Bereich verlaufe nämlich der langfristige Aufwärtstrend.

Der MDax , in dem mittelgrosse Unternehmen versammelt sind, fiel am Donnerstag um 1,59 Prozent auf 24 431,27 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 2,15 Prozent auf 2173,22 Punkte nach unten. Europaweit sahen die Verluste ähnlich aus. Der EuroStoxx 50 , Leitindex der Euroregion, büsste 1,82 Prozent auf 3471,33 Punkte ein und auch die Börsen in Paris und London schlossen schwach. In den USA gab der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zum Handelsende in Europa 0,65 Prozent nach. Die technologielastigen Nasdaq-Börsen sackten sogar um mehr als 1,5 Prozent ab.

COMMERZBANK UND DEUTSCHE BANK WEITER AN DAX-SPITZE

Den nun schon dritten Tag in Folge nahmen die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank die Spitzenplätze im deutschen Leitindex ein. Sie waren mit Aufschlägen von 1,32 Prozent und 0,54 Prozent zudem die einzigen der 30 Dax-Werte mit Kursgewinnen. Gute Nachrichten kamen aus den USA: Erstmals haben alle grossen Banken in den Vereinigten Staaten den jährlichen Stresstest der Notenbank (Fed) bestanden. Sie erhielten grünes Licht, in grossem Stil Geld in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen an ihre Investoren auszuschütten.

Schlusslicht im Dax waren die Aktien des Chipherstellers Infineon mit minus 3,65 Prozent. Die gesamte Branche traf es ab dem Nachmittag wieder schwer. Sie folgte dem Abwärtstrend von Tech-Aktien in den USA.

Weiter abwärts ging es zudem mit den Anteilsscheinen des Versorgers RWE , die 3,23 Prozent einbüssten. Die seit Jahresbeginn sehr gut gelaufenen Papiere gaben damit den inzwischen neunten Handelstag in Folge nach.

COVESTRO LEIDEN UNTER ZUKAUFSPLÄNEN

Am Ende des MDax litten die Aktien von Covestro mit minus 4,83 Prozent unter Zukaufsplänen. Wie der Kunststoffproduzent während seines Kapitalmarkttages bekannt gab, will er den dank einer guter Nachfrage wachsenden Berg an liquiden Mitteln in Zukäufe investieren. Erst falls ein Erfolg binnen 24 Monaten ausbleibt, profitieren die Aktionäre über Aktienrückkäufe oder Dividenden. Das hatten sich diese wohl anders erhofft, sagte ein Händler.

Die Papiere von Aurubis waren mit plus 1,62 Prozent Spitzenwert im MDax, der an diesem Tag insgesamt nur drei Gewinner auswies. Vorstandschef Jürgen Schachler will den Gewinn des Kupferkonzerns steigern, und zwar deutlicher als bislang erwartet wurde. Zudem spielten Zukäufe für die Weiterentwicklung "eine wichtige Rolle", sagte er der "Börsen-Zeitung"; eine Kapitalerhöhung sei nicht notwendig.

BUND-FUTURE FÄLLT - EURO AUF 13-MONATSHOCH

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,21 Prozent am Vortag auf 0,23 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,11 Prozent auf 140,90 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,73 Prozent auf 162,18 Punkte. Der Euro stieg am Nachmittag bei 1,1435 US-Dollar auf den höchsten Stand seit 13 Monaten und wurde am frühen Abend etwas tiefer zu 1,1421 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1413 (Mittwoch: 1,1375) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8762 (0,8791) Euro./ck/jha/

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---

(AWP)