Aktien Frankfurt Schluss: Dax kann 12 000-Punkte-Marke nicht halten

Der Dax-Sprung über 12'000 Punkte hat den Anlegern am Mittwoch nicht lange Freude bereitet. Nach dem frühen Anstieg bis auf 12'031 Punkte liess die Euphorie schnell nach. Am Ende behauptete der deutsche Leitindex ein bescheidenes Plus von 0,26 Prozent auf 11'998,59 Punkte. Angesichts der lustlosen Wall Street und einer Stabilisierung des zuletzt schwachen Euro fehlten ihm zwei wichtige Kursstützen.
22.02.2017 18:10

Zum Rekord von 12 390 Zählern aus dem vergangenen April hat es der Dax nicht mehr weit. "Über die Antwort auf die Frage, ob der jüngste Anstieg über die runde Marke nur ein Ausreisser war oder nur eine Zwischenstation auf der Rally, besteht allerdings an der Börse keine Einigkeit", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Während er gute Vorzeichen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends sieht, warnte Marktbeobachter Jens Klatt vor den "Überhitzungserscheinungen am US-Aktienmarkt, die mittlerweile fast schon blasenartigen Charakter annehmen und nach einer bereinigenden, überfälligen Korrektur schreien".

Bei den Nebenwerte-Indizes verpuffte die gute Stimmung vom Börsenstart ebenfalls: Der MDax, der die Aktien mittelgrosser Unternehmen repräsentiert, sank letztlich um 0,10 Prozent auf 23'612,89 Punkte. Kurz nach der Eröffnung hatte er noch ein weiteres Rekordhoch erreicht. Der Technologiewerte-Index TecDax kam mit einem Plus von 0,02 Prozent auf 1'919,97 Punkte kaum vom Fleck.

EURO STABILISIERT SICH

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte zum Schluss prozentual unverändert bei 3'339,27 Punkten. Die nationalen Indizes in Paris und London schafften indes moderate Gewinne. In New York hielt sich der Leitindex Dow Jones Industrial nur mühsam auf seinem rekordhohen Niveau: Zum europäischen Handelsende zeigte er sich fast unbewegt.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,07 Prozent am Vortag auf 0,01 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,25 Prozent auf 142,97 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,25 Prozent auf 164,88 Zähler. Der Euro notierte zuletzt bei 1,0552 US-Dollar. Davor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,0513 (Dienstag: 1,0537) Dollar festgesetzt.

Die aktuelle Stabilisierung der Gemeinschaftswährung führten Devisenexperten auf verbesserte Wahlaussichten des proeuropäischen Kandidaten Emmanuel Macron bei den französischen Präsidentschaftswahlen zurück. Der zentristische Kandidat Francois Bayrou verzichtet zugunsten Macrons auf eine eigene Kandidatur.

RALLY BEI THYSSENKRUPP NACH STAHLWERKSVERKAUF

Am deutschen Aktienmarkt stand eine Flut von Geschäftsberichten im Fokus. Thyssenkrupp-Titel schafften es auch ohne Zahlen mit einem Plus von 4,62 Prozent an die Dax-Spitze, nachdem der Industrie- und Stahlkonzern den Verkauf seines verlustreichen brasilianischen Stahlwerks CSA mitgeteilt hatte.

Beim Medizinkonzern Fresenius beflügelten ein weiteres Rekordjahr und überraschend ehrgeizige Ziele für das laufende Jahr die Stimmung: Die Aktien gewannen 1,57 Prozent. Noch mehr Grund zur Freude hatten die Anteilseigner der Dialysetochter FMC angesichts eines Kursanstiegs von 2,04 Prozent. Nach mehreren Flautejahren hatte FMC seinen Gewinn gesteigert.

BAYER UND RWE ÜBERZEUGEN NICHT

Dagegen büssten Bayer-Aktien nach enttäuschenden Jahreszahlen 0,92 Prozent ein. Allerdings hatten sich die Anteilscheine des Pharma- und Agrochemiekonzerns zuletzt auch deutlich erholt.

Der Energiekonzern RWE sorgte bei seinen Aktionären für ein Wechselbad der Gefühle. Zu Handelsbeginn liessen der Milliardenverlust im vergangenen Jahr und der erneute Dividendenausfall die gut gelaufenen Aktien deutlich absacken. Laut Börsianern war zumindest die Ergebnisentwicklung keine grosse Überraschung, während die Meinungen zur Dividendenpolitik auseinander gingen. Letztlich gaben die Aktien um 0,70 Prozent nach.

Im MDax büssten Airbus-Titel 0,83 Prozent ein. Der Dauer-Ärger mit dem Militärtransporter A400M hatte dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern das Jahresergebnis gründlich verhagelt.

GUTE ZAHLEN VON TELEFONICA DEUTSCHLAND

Bei den Technologiewerten überzeugten die jüngsten Geschäftszahlen von Telefonica Deutschland : Die Aktien stiegen um 2,24 Prozent. Dagegen büssten die Papiere des Mobilfunkanbieters Drillisch 1,37 Prozent ein. Laut einem Händler belastete hier vor allem der Ergebnisausblick.

Für die Aktien von TecDax-Schlusslicht Wirecard ging es um 2,61 Prozent bergab, obwohl sich der Zahlungsdienstleister gegen jüngste Vorwürfe gegen das Unternehmen zur Wehr setzte. Händler verwiesen auf einen Bericht des "Manager Magazins", in dem Fragen hinsichtlich der Bilanzierung des Unternehmens aufgeworfen wurden./gl/he

(AWP)