Aktien Frankfurt Schluss: Dax nähert sich den 10 000 Punkten

FRANKFURT (awp international) - Stimmungsumschwung am deutschen Aktienmarkt: Weil sich jüngsten Umfragen zufolge derzeit eine Mehrheit für den Verbleib Grossbritanniens in der EU ("Bremain") abzeichnet, haben sich die Anleger am Montag wieder weit zurück aus ihrer Deckung getraut. Der Dax kletterte bis Handelsschluss um 3,43 Prozent auf 9962,02 Punkte. Zeitweise hatte sich der deutsche Leitindex sogar bis auf rund 3 Punkte der psychologisch wichtigen Marke von 10 000 Punkten genähert.
20.06.2016 18:10

Die Investoren hätten zu Wochenbeginn verstärkt Gelder aus sicheren Häfen wie Anleihen abgezogen und sich in als risikoreicher geltende Anlageklassen wie Aktien zurück gewagt, berichteten Marktbeobachter. "Jetzt auf einmal will kein Anleger mehr die Rally verpassen, sollten die Briten am Donnerstag für Europa stimmen", kommentierte Jochen Stanzl von CMC Markets. In der vergangenen Woche hatte der Dax noch wegen der Angst um einen möglichen EU-Austritt Grossbritanniens mehr als 2 Prozent an Wert eingebüsst.

Auch der breitere Markt schloss am Montag deutlich fester: Der MDax der mittelgrossen Konzerne rückte um 3,32 Prozent auf 20 343,58 Punkte vor, und der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 2,73 Prozent auf 1618,46 Zähler.

BANKENWERTE PROFITIEREN VON SCHWINDENDER BREXIT-FURCHT

Europaweit profitierten am Montag insbesondere Bankenwerte und Finanzdienstleister vom sinkenden Brexit-Risiko. Den Dax führten die zuletzt arg gebeutelten Papiere der Deutschen Bank mit einem Kursaufschlag von 5,89 Prozent an. Commerzbank -Aktien verteuerten sich um 2,74 Prozent. "Banken gelten als grösste Leidtragende im Falle eines Ausstiegs der Briten aus der EU", sagte ein Händler. Auch der freie Fall der Anleiherenditen hatte der Branche kräftig zugesetzt.

Volkswagen -Vorzüge kletterten nach einer frischen Kaufempfehlung durch die US-Bank JPMorgan auf dem "Bronze"-Platz im Dax um 5,05 Prozent. Dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Abgas-Skandal wegen des Verdachts der Marktmanipulation nun auch gegen den zurückgetretenen VW-Konzernchef Martin Winterkorn ermittelt, bewegte indes kaum.

SCHAEFFLERS ERSTER TAG IM MDAX

TAG Immobilien landeten am MDax-Ende. Der Immobilienkonzern schüttet eine Dividende von 0,55 Euro je Anteilsschein aus. Die Aktien des MDax-Neulings Schaeffler stiegen um 2,25 Prozent, während die von Wincor Nixdorf um unterdurchschnittliche 1,67 Prozent im SDax zulegten. Der Kassensystemhersteller, der zu grossen Teilen vom US-Rivalen Diebold übernommen wurde, musste seinen Platz mit dem Autozulieferer tauschen. Das hatte die Deutsche Börse bereits Anfang Juni bekannt gegeben.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss um 3,29 Prozent höher bei 2942,88 Punkten. Auch die Börsen in Paris und in London verbuchten deutliche Gewinne. An der Wall Street stand der Dow Jones Industrial zum Handelsende in Europa mit mehr als einem Prozent im Plus.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,13 Prozent am Freitag auf minus 0,08 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,16 Prozent auf 142,96 Punkte. Der Bund Future sank zuletzt um 0,35 Prozent auf 164,43 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1332 (Freitag: 1,1254) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8825 (0,8886) Euro./tav/jha/

--- Von Tanja Vedder, dpa-AFX ---

(AWP)