Aktien Frankfurt Schluss: Dax trotzt Italiens Nein zur Verfassungsreform

FRANKFURT (awp international) - Die gescheiterte Verfassungsreform in Italien hat dem deutschen Aktienmarkt am Montag nichts mehr anhaben können. Nachdem der Dax schon in der vergangenen Woche vor dem Referendum knapp 2 Prozent eingebüsst hatte, kamen die Anleger nun wieder aus der Deckung: Zum Handelsschluss verbuchte der deutsche Leitindex ein Plus von 1,63 Prozent auf 10 684,83 Punkte.
05.12.2016 18:02

Die klare Niederlage von Ministerpräsidenten Matteo Renzi beim Verfassungsreferendum am Sonntag "bedeutet zwar nun Arbeit für die Politik in Italien, aber auch erst einmal Gewissheit", erklärte ein Händler mit Blick auf Renzis Rücktrittsankündigung. Zudem habe bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich mit dem europafreundlichen Kandidaten Alexander Van der Bellen "die Vernunft gesiegt". Weitere Experten setzen nun auf geldpolitische Schützenhilfe von der Europäischen Zentralbank (EZB).

EURO ERHOLT SICH VON ANFANGSSCHWÄCHE

Für die anderen Indizes ging es zum Wochenstart ebenfalls wieder aufwärts: Der MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen stieg um 0,77 Prozent auf 20 688,21 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,86 Prozent auf 1700,90 Punkte.

Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand letztlich ein Plus von 1,25 Prozent auf 3052,75 Zähler zu Buche. Für die nationalen Indizes in Paris und London ging es ebenfalls bergauf. An der Wall Street markierte der US-Leitindex Dow Jones einmal mehr ein Rekordhoch und notierte zuletzt knapp ein halbes Prozent im Plus.

Der Euro gab zwar zunächst nach, konnte sich dann aber erholen und stand zuletzt klar im Plus bei 1,0720 US-Dollar. Zuvor hatte die EZB den Referenzkurs auf 1,0702 Dollar festgesetzt; der Dollar kostete damit 0,9344 Euro. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,11 Prozent am Freitag auf 0,10 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,02 Prozent auf 141,81 Punkte. Der richtungweisende Euro-Bund-Future verlor 0,41 Prozent auf 160,46 Punkte.

BÖRSIANER: EZB DÜRFTE ES RICHTEN

Die Ablehnung der italienischen Verfassungsänderung, mit der das System zweier gleichberechtigter Parlamentskammern abgeschafft und die Dauer von Gesetzesvorhaben verkürzt werden sollte, war an den Märkten bereits erwartet worden. Starke Kursschwankungen - wie bei der überraschenden Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November oder dem Brexit-Votum in Grossbritannien im Juni - blieben somit aus.

Die Blicke richten sich nun auf die EZB, die an diesem Donnerstag ihren Zinsentscheid bekannt geben wird. EZB-Chef Mario Draghi habe "nun erst recht alle Gründe auf seiner Seite, geldpolitisch weiter auf dem Gas zu bleiben", schrieb Jochen Stanzl von CMC Markets.

Ähnlich sah das Dirk Gojny von der National-Bank: "Es dürfte nun einmal mehr die Aufgabe der EZB werden, für die Stabilisierung des Euroraums zu sorgen", kommentierte er. Vermutlich werde es nun aus dem EZB-Tower "den Auftrag geben, italienische Staatsanleihen einzukaufen, auch mehr als üblich". Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) glaubt, dass die Währungshüter das Kaufprogramm über den März 2017 hinaus verlängern werden.

DEUTSCHE BANK NACH REFERENDUM IM AUFWIND

Auf Unternehmensseite standen am Montag vor allem die krisensensiblen Banken nach dem Italien-Referendum im Fokus. Die Angst, dass die Gesundung der italienischen Geldinstitute mit ihren milliardenschweren faulen Krediten nun noch schwieriger werden dürfte, hatte vor dem Wochenende den Finanzsektor europaweit belastet. Doch nun setzten die Aktien der Deutschen Bank zur Gegenbewegung an und gewannen 3 Prozent. Commerzbank-Papiere traten hingegen nach zwischenzeitlichen Verlusten am Ende auf der Stelle.

Neue Kaufempfehlungen für mehrere Chemietitel durch die US-Investmentbank Merrill Lynch belebten deren Kurse: BASF verteuerten sich um 2,43 Prozent, nachdem die Analysten ihr bisher negatives Votum für die Titel aufgegeben hatten. Im MDax kletterten die Kurse von Covestro und Lanxess um 4,80 beziehungsweise 2,32 Prozent.

VOSSLOH KNAPP IM MINUS NACH ZUKAUF

Im SDax der geringer kapitalisierten Unternehmen verloren Aktien des Verkehrstechnikkonzerns Vossloh nach Bekanntgabe der Übernahme der US-Bahninfrastrukturfirma Rocla Concrete Tie 0,27 Prozent. Die Experten der HSBC hatten zudem parallel ihre Kaufempfehlung für Vossloh gestrichen./gl/she

(AWP)